Sanel M. verbirgt während eines Proesstags sein Gesicht mit einem Umschlag
Sanel M. verbirgt während eines Prozesstags sein Gesicht vor der Presse Bild © picture-alliance/dpa

Der wegen des gewaltsamen Todes der Studentin Tugce Albayrak verurteilte Sanel M. wird voraussichtlich bald nach Serbien abgeschoben. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden wies einen Eilantrag gegen die Abschiebung zurück.

Die Verwaltungsrichter teilen die Einschätzung der Wiesbadener Ausländerbehörde, Sanel M. sei eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Die Kammer stützt ihre Einschätzung unter anderem auf das Urteil vom Juni 2015 sowie auf ein von der Wiesbadener Vollzugsbehörde eingeholtes psychologisches Gutachten.

In der Haft in Wiesbaden habe Sanel M. zudem nicht nur mehrfach gegen die Hausordnung verstoßen, es seien auch ein Disziplinar- und sogar ein Strafverfahren eingeleitet worden. Trotz positiver Entwicklungsansätze bestehe ein erhebliches langfristiges Risiko, dass er rückfällig werde.

Sanel M. hatte die Studentin Tugce Albayrak vor gut zwei Jahren auf dem Parkplatz eines Fast-Food-Restaurants in Offenbach so geschlagen, dass sie auf den Kopf fiel. Sie starb wenige Tage später an ihrem 23. Geburtstag.

Das Landgericht Darmstadt verurteilte Sanel M. im Juni 2015 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren Jugendstrafe, die er in Wiesbaden absitzt.

Beschwerde noch möglich

Die Wiesbadener Ausländerbehörde hatte Sanel M. Ende September 2016 für acht Jahre aus Deutschland ausgewiesen und ihm die sofortige Abschiebung angedroht. Es bestehe ein besonders schwer wiegendes öffentliches Interesse an der Ausweisung, habe die Behörde unter anderem argumentiert. Dagegen hatte sich der 20-Jährige vor dem Verwaltungsgericht gewehrt.

Gegen den aktuellen Beschluss des Verwaltungsgerichts kann Sanel M. innerhalb von zwei Wochen Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel einlegen.

Gericht: Abschiebung zumutbar

Der in Offenbach aufgewachsene Sanel M. hat einen serbischen Pass. Dass der Heranwachsende seine gescheiterte wirtschaftliche und soziale Integration in Deutschland nachhole, wo seine Familie lebt, sei angesichts seiner Persönlichkeitsstruktur zweifelhaft.

Es könne ihm daher zugemutet werden, in Serbien neue Bindungen und Beziehungen einzugehen, auch wenn ihm dies zu Anfang schwer fallen dürfte, entschied das Verwaltungsgericht.

Die Wiesbadener Richter müssen noch in der Hauptsache über den Antrag entscheiden. Dies kann aber auch nach einer Ausweisung erfolgen. Ein grundlegend anderer Tenor als im Eilverfahren gilt zudem als unwahrscheinlich.

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