Die US-Flagge weht neben einem "kein Durchgang"-Verkehrsschild
No-go: Für eine Marburgerin endete ein geplanter USA-Urlaub bei der Einreisebehörde Bild © picture-alliance/dpa

Schule vorbei, Abi geschafft: Eine junge Marburgerin freut sich auf Urlaub bei Verwandten in den USA. Doch die US-Behörden machen die Reise zum Horrortrip - und setzen die 20-Jährige wieder in einen Flieger nach Hause.

Auf vier Monate Urlaub in Cleveland/Ohio hatte sich Aimee Valentina Schneider gefreut. Doch bei der Ankunft am Flughafen Philadelphia wird die 20-Jährige von Mitarbeitern des amerikanischen Heimatschutzministeriums, des United States Department of Homeland Security herausgepickt und regelrecht verhört. Dass die Marburgerin so lange in den USA bleiben will, macht die fragende Beamtin offenbar stutzig.

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"Sie konnte mir nicht glauben, dass ich für vier Monate wirklich nur Urlaub mache", erzählt Aimee. Dabei hatte sie ein gültiges Besuchsvisum. Irgendwann erwähnte die Abiturientin während der offenbar recht ruppig geführten Befragung, dass ihre amerikanischen Verwandten Kinder hätten, und dass sie diese auch mal betreuen würde. Das wurde ihr schließlich zum Verhängnis. "Da haben die gleich gedacht, oh Gott, Au-Pair, die will hier schwarz arbeiten." 

Facebook-Account analysiert

Doch das wird der Marburgerin erst hinterher klar. Zunächst nehmen ihr die Sicherheits-Beamten das Handy ab und analysieren ihren facebook-Account. Das erkennt sie am exakten Wortlaut, der ihr hinterher schriftlich vorgelegt wird. In einem Chat mit ihrer Gastgeberin hatte sie angeboten, hin und wieder auf die Kinder aufzupassen. Für die Beamten offenbar Beweis genug, dass sie in den USA arbeiten wollte - allerdings ohne entsprechendes Arbeitsvisum. Dann wurde es für die Abiturientin ungemütlich. Ihr sei mit Gefängnis gedroht worden, sie habe weder mit ihren Eltern telefonieren dürfen noch mit ihren amerikanischen Verwandten, die schon am Flughafen warteten. Stattdessen sei sie in den nächsten Flieger zurück nach Deutschland gesetzt worden.

"Habe mich wie ein Schwerverbrecher gefühlt"

„Mein Handy habe ich erst im Flieger wiederbekommen, nachdem ich von zwei Polizisten über den kompletten Flughafen gebracht wurde.“ Das Gefühl wird Aimee nicht so schnell vergessen. „Die haben es geschafft, dass man sich fühlt wie ein Schwerverbrecher.“ Als sie kurz darauf wieder in Frankfurt landet, sind nicht nur ihre Eltern fassungslos, sondern auch ihre Großmutter, Hildegard Schäfer. Die Tante der Rentnerin war einst in die USA ausgewandert, zu den Nachfahren pflegte die ganze Familie regelmäßigen Kontakt. Wie ihre Enkelin behandelt wurde, findet sie unerträglich: „Da kann doch so ein Jugendlicher einen Schock für´s Leben bekommen!“.

Konsulat: "Visum ist keine Einreisegarantie"

Das amerikanische Generalkonsulat in Frankfurt erklärt auf hr-Nachfrage, die Zahl derer, die von amerikanischen Sicherheitsbeamten zurück nach Deutschland geschickt würden, sei sehr klein. Fast zwei Millionen Deutsche würden jedes Jahr ohne Probleme in die Vereinigten Staaten einreisen. Zugleich weist das Generalkonsulat darauf hin, dass ein gültiges Visum die Einreise in die USA nicht garantiere. Wichtig sei es, schon bei der Beantragung des Visums exakte Angaben zu machen, was man genau in den USA vorhabe.

Familie bleibt auf den Kosten sitzen

Im Fall einer Einreiseverweigerung sei die Fluggesellschaft dafür verantwortlich, dass der abgewiesene Reisende wieder in sein Heimatland zurückkommt. Üblicherweise übernehme die Airline auch die Hälfte der Ticketkosten. Aus Sicht des Rechtsanwalts und Professors für Reiserecht an der Universität Dresden Ronald Schmid ist das aber nur teilweise richtig. Reisende seien selbst dafür verantwortlich, dass ihre Dokumente in Ordnung seien. Nur wenn das Visum ganz offensichtlich fehlerhaft war, hafte die Fluggesellschaft.

Bei "willkürlichen Entscheidungen" durch das amerikanische Heimatschutzministerium hingegen wie im Fall von Aimee, den er für einen "Riesen-Skandal" hält, bleibe der Abgewiesene meist auf den Kosten sitzen. Tatsächlich gehen Aimee Valentina Schneider und ihre Familie davon aus, dass sie das Geld für die Reise nicht wiedersehen. "Wir haben über 1.000 Euro ausgegeben für vier Stunden Amerika", stellt die Abiturientin ernüchtert fest.

Vorerst will sie nicht mehr in die Staaten reisen, obwohl das Visum noch gültig ist. Sie habe Angst, dass ihr dasselbe erneut passiert. Trotzdem – der Koffer steht noch unausgepackt in ihrem Zimmer. "So richtig kann ich das alles wohl immer noch nicht glauben."

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