Fastnacht Polizei
Mit vielen Beamten will die Polizei bei Fastnachtsumzügen für Sicherheit sorgen. Bild © picture-alliance/dpa (Archivbild)

Nach den massenhaften sexuellen Übergriffen in Köln werden deutlich mehr Polizisten die großen Fastnachtsumzüge in Hessen begleiten. Ein besonderes Augenmerk wollen die Behörden auf Migrantengruppen unter den Zuschauern haben.

Die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht beschäftigen auch die Karnevalisten in Hessen. Davon wollen sie sich zwar nicht das Feiern vermiesen lassen. Doch hinsichtlich der anstehenden Fastnachtsumzüge haben sich die hessischen Vereine mit der Polizei abgestimmt. Immerhin werden am kommenden Sonntag in Frankfurt rund 300.000 Zuschauer erwartet, in Wiesbaden sogar 400.000 und in Fritzlar (Schwalm-Eder) auch noch 30.000.

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Innenminister Peter Beuth (CDU)

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zum Audio Innenminister Beuth: "Bürger können unbeschwert Fastnacht feiern"

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Konsequenz aus den gemeinsamen Beratungen: Bei den Umzügen werden viel mehr Polizisten im Einsatz sein. "In Frankfurt doppelt so viele wie in den vergangen Jahren", sagt Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Eine konkrete Zahl nennt er nicht. Das tun auch die anderen von hr-iNFO angefragten hessischen Polizeipräsidien nicht.

Polizisten mit Body-Cams

Die Beamten in Uniform und Zivil sollen Straftaten verhindern und als Ansprechpartner vor Ort bereit stehen. "Wer sich bedrängt oder bedroht fühlt, soll sich an einen Polizisten wenden", sagt eine Sprecherin der Wiesbadener Polizei. Grundsätzlich rät sie den Zuschauern der Umzüge, Zivilcourage zu zeigen.

In Wiesbaden, Frankfurt und südhessischen Städten setzt die Polizei zudem vermehrt Body-Cams ein. Mithilfe der kleinen Kameras sollen Täter bei sexuellen Übergriffen, Trickdiebstählen und Schlägereien einfacher überführt werden.

Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte im Gespräch mit hr1, es sei gut, wachsam zu sein, die Bürger müssten aber nicht ängstlich sein. "Hessen ist ein sicheres Land", so der Minister. Die Bürger könnten unbeschwert Fastnacht feiern.

Im Blickpunkt: der Frankfurter Hauptbahnhof

In Frankfurt steht der Hauptbahnhof im Blickpunkt der Sicherheitsbehörden. In der Silvesternacht seien größere Gruppen von Migranten und Flüchtlingen mit der Bahn angereist, sagt Polizeipräsident Bereswill. Am Eisernen Steg kam es zu mehr als 60 sexuellen Übergriffen, nach Angaben der Opfer vornehmlich von Männern von augenscheinlich nordafrikanischer Herkunft. In Alt-Sachsenhausen kam es vermehrt zu Trickdiebstählen.

Größere Gruppen, die am Hauptbahnhof ankommen, will die Polizei begleiten. In den meisten Städten steht zudem die Bereitschaftspolizei als Verstärkung bereit. In der Landeshauptstadt Wiesbaden will die Polizei bereits an Zufahrtsstraßen kontrollieren.

Auf Flyern erklärt Polizei Flüchtlingen die Fastnacht

Fastnacht Flyer Flüchtlinge
Die Polizei informiert Flüchtlinge mit Flyern über den Brauch der Fastnacht. Bild © picture-alliance/dpa

Viele Polizeipräsidien haben unter dem Eindruck von Köln mehrsprachige Flyer in Flüchtlingsunterkünften verteilt. Diese sollen den Flüchtlingen erklären, was Fastnacht ist. Dort steht beispielsweise, dass Frauen ausnahmslos selbst bestimmen, wer sie anfassen oder umarmen darf. Die Flyer hätten die Kommunikation zwischen Polizei und Flüchtlingen deutlich verbessert, sagt Polizeipräsident Bereswill.

Abgeraten wird den Zuschauern der Fastnachtsumzüge auch von Kostümierungen etwa als Terrorist oder mit echt aussehenden Waffenattrappen. "Wer so etwas macht, muss sich bewusst sein, dass er eine vermeintliche Gefahr darstellen kann", sagt Bereswill. Das rufe womöglich die Polizei auf den Plan.

Auch Uwe Forstmann, der Sprecher des Großen Rats in Frankfurt hält nichts von Verkleidungen à la Taliban: "Da muss man dann mit Kontrollen rechnen."

Vereinzelte Absagen

Umgekehrt reagieren auch die Karnevalisten selbst auf die aktuelle Weltlage. In Frankfurt hat eine Frauengarde die Teilnahme am Umzug am Sonntag abgesagt. In Fritzlar nimmt ein Verein lieber an einem kleineren Umzug teil, auch wenn der 20 Kilometer entfernt stattfindet.

Eine Änderung im traditionellen Ablauf meldet auch die Dachorganisation Wiesbadener Karneval. Die Prinzengarde werde ihre Kanone in diesem Jahr nicht abfeuern, sagt Sprecher Andreas Taschler: "Wir wollen ja niemanden verunsichern."

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