Parteien als Figuren, im Hintergrund ein AfD-Plakat
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Das gute Abschneiden der AfD im Hessentrend entsetzt die Parteien im Landtag. Ansonsten sehen sich die schwarz-grünen Koalitionspartner trotz verlorener Regierungsmehrheit durch die hr-Umfrage bestätigt. Auch die Linkspartei freut sich.

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CDU, Grüne und SPD äußerten sich am Mittwoch betroffen über das Ergebnis der rechtspopulistischen AfD im Hessentrend. Laut der hr-Umfrage würde die AfD bei der Landtagswahl aus dem Stand 12 Prozent der Wählerstimmen erreichen.

"Der erschreckend hohe Anteil der AfD ist Zeichen einer wachsenden Verunsicherung", sagte SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser. Viele Menschen zweifelten offenbar am Kanzlerinnen-Wort "Wir schaffen das". Dazu hätten auch die "Querschüsse aus der Union" beigetragen.

CDU: AfD-Abschneiden hat mit Hessen nichts zu tun

CDU-Generalsekretär Manfred Pentz sagte, der Populismus der AfD müsse politisch bekämpft werden. Dass die AfD so stark abgeschnitten habe, entspreche der bundesweiten Stimmungslage und habe mit Hessen nichts zu tun. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte der "Gießener Allgemeinen", es handele sich nur um eine Umfrage. "Wir werden alles tun, damit es in den Wahlen anders aussieht. Wir haben keinen Grund, verzagt zu sein, aber wir wissen um die Stimmung im Land." Mit Denkzetteln, Extremismus und Ausgrenzung löse man keine Probleme.

Flüchtlingsthematik dominiert #HessenTrend . AfD-Werte sind erschreckendes Signal. Wehret den Anfängen!

Auch der Grünen-Landesvorsitzende Kai Klose sprach von einem "erschreckenden Signal" und twitterte: "Wehret den Anfängen!" Das Thema Flüchtlinge dominiere zurzeit alles, somit entspreche der Hessentrend weitgehend dem Bundesergebnis. Mit Blick auf die hessische Kommunalwahl am 6. März sagte Klose, man müsse für eine hohe Wahlbeteiligung kämpfen, um die AfD dann klein zu halten.

Die Linkspartei hielt der Union vor, die Quittung dafür zu bekommen, dass sie das Thema Flüchtlinge in den vergangenen Monaten "in geradezu hysterischer Weise hochgezogen" habe. "Die AfD fährt nun die Ernte für diese Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas ein", sagte die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Janine Wissler.

AfD: "tolle Nachricht"

Nach Ansicht der FDP macht es sich die CDU mit der Erklärung, das Hessentrend-Ergebnis habe nichts mit der Stimmung in Hessen zu tun, zu einfach. "Das Ergebnis lässt sich auch als deutliches Signal in Richtung Bouffier für seinen Kurs der vollkommen unkritischen Unterstützung der Merkelschen Flüchtlingspolitik interpretieren", sagte der Fraktionschef im Landtag, Florian Rentsch.

Die hessische AfD sprach am Mittwoch auf Facebook von einer "tollen Nachricht". Rolf Kahnt, einer der drei Landessprecher der AfD, sagte zu hessenschau.de: "Das überrascht uns nicht. Wir hatten ja die Rückmeldung aus der Bevölkerung." Er denke, seine Partei könne bei der Kommunalwahl in Hessen sogar noch mehr erreichen.

Koalition sieht sich bestätigt

Abseits vom AfD-Thema kommt die gute Laune zurück: CDU und Grüne werten die Umfrage als Bestätigung der Regierung. Man habe ein "sehr gutes Zwischenzeugnis" eingefahren, sagte Klose. Die Grünen hätten ihre "Kompetenzwerte in allen Themenfeldern" ausgebaut, bei Energie, Umwelt und Klima sogar die höchste Kompetenz zugeschrieben bekommen.

@cdu_hessen GS #Pentz : Hessen vertrauen der erfolgreichen Politik von MP #Bouffier und der CDU-geführten @RegHessen #Hessentrend

Die CDU freut sich über die Zufriedenheit mit der Landesregierung von 57 Prozent. "In fast allen Politikfeldern liegt die Union vor den Mitbewerbern", sagte CDU-Generalsekretär Pentz. Das zeigten die Kompetenzwerte für Wirtschaft, Finanzen, Arbeit, innere Sicherheit und Flüchtlinge.

SPD-Generalsekretärin Faeser hielt dagegen, dass Schwarz-Grün laut Hessentrend keine Mehrheit mehr hätte. Damit breche "die selbstgefällige Inszenierung der vergangenen Tage" anlässlich der schwarz-grünen Zwei-Jahres-Bilanz in sich zusammen.

#Hessentrend 15% aller Waehler_innen in #Hessen sind mit Janine Wissler #LINKE zufrieden. Eine Verdoppelung des letzten Wertes!

Die Linkspartei, die im Hessentrend gegenüber der Landtagswahl 2013 um fast drei Punkte auf acht Prozent zulegen konnte, freut sich über den "Rückenwind für den beginnenden Kommunalwahlkampf". Einen solchen Wert habe die Linke in Hessen bisher nicht erreicht, sagte Wissler. "Das sehen wir als eine Bestätigung unserer Arbeit an." Der Abgeordnete Hermann Schaus freute sich auf Twitter über eine Verdoppelung von Wisslers Zufriedenheitswert.

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