Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger
Nächtliche Streifzüge durchs Rathaus: Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) Bild © picture-alliance/dpa

An Irrungen und Wirrungen in seiner Amtszeit fehlt es nicht. Im Skandal um heimlich kopierte Unterlagen im Rathaus droht Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) nun bald ein Platz auf der Anklagebank - und vorher schon der Zwangsurlaub.

Seit vergangenem Sommer liefen die Ermittlungen. Nun hat die  Staatsanwaltschaft beim Landgericht Frankfurt Anklage wegen Geheimnisverrats gegen den umstrittenen Eschborner Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) erhoben. Einen entsprechenden Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) bestätigte ein Sprecher des Main-Taunus-Kreises.

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Demnach liegt der Kreisverwaltung, die die Kommunalaufsicht ausübt, ein umfangreicher Schriftsatz vor. Jetzt werde geprüft, ob der Bürgermeister beurlaubt oder suspendiert werde. Über die Zulassung der Anklage hat das Landgericht noch nicht entschieden. Der 2013 gewählte FDP-Politiker hatte vor einem Jahr zugegeben,  in seiner Zeit als Stadtrat zwischen 2010 und 2013 interne Unterlagen aus dem Rathaus kopiert und abfotografiert  zu haben.

Geiger: Bin Opfer einer Intrige

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Diese CDs gelangten über einen Eschborner Online-Reporter an die Öffentlichkeit – und in die Redaktionen von FAZ und Bild. Bei einer Verurteilung droht Geiger eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft. Der Politiker sieht sich als Opfer einer Intrige der CDU, der er den Bürgermeisterposten wegschnappte.

Die CDU wies in einer Reaktion am Sonntag darauf hin, dass Geiger die Kopien in seiner Zeit als Erster Stadtrat machte, also lange bevor es um den Bürgermeisterposten ging. Es zeuge von dem großen Unrechtsbewußtsein Geigers, wenn er die CDU verantworlich mache, sagte ein Sprecher.

Datenklau aus Sorge ums Gemeinwohl?

Seine Amtsvorgänger als Bürgermeister - die CDU-Politiker Wilhelm Speckhardt und Martin Herkströter - hätten ihn von wichtigen Informationen ferngehalten und Eschborn durch jahrelange Misswirtschaft schwer geschadet. Den Datenklau habe er aus Sorge um das Wohl der Stadt beschlossen. Die CDs hat Geiger nach eigenen Angaben dem Anwalt Michael Bauer anvertraut, einem früheren Parteifreund. Bauer bestreitet die Version.

Schon im Wahlkampf ums Bürgermeisteramt hatte sich in der Eschborner Kommunalpolitik eine wahre Schlammschlacht entfaltet. Gegen Geiger waren dabei noch weitere Vorwürfe aufgekommen. So beschuldigte ihn seine Ex-Sekretärin der sexuellen Belästigung. Das Verfahren wurde eingestellt. Gegen Intim-Feind Speckhardt und einen PR-Berateren nahm die Staatsanwaltschaft vor einem Jahr Ermittlungen auf. Der amtierende Bürgermeister hatte beide wegen Veruntreuung angezeigt.

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