Bürgermeister Modautal Flüchtlinge
Bürgermeister Jörg Lautenschläger in seinem Büro-Container. Bild © Grete Götze/hr

Flüchtlinge direkt neben der Grundschule? Kann das gutgehen? Diese Frage haben sich viele Eltern in Modautal gestellt. Ihre Sorgen nahm der Bürgermeister ernst und verlagerte kurzerhand sein Büro in einen Container vor Ort.

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Seit Freitag arbeitet Jörg Lautenschläger (CDU), Bürgermeister in Modautal (Darmstadt-Dieburg), nicht mehr in seinem angestammten Raum im Rathaus. Den Platz hat er geräumt und sein Büro in einen Container gegenüber der Grundschule verlegt. Der Grund: In den Containern, die während der Sanierung fünf Jahre lang die Grundschule beherbergten, sind seit kurzem Flüchtlinge einquartiert. 14 Menschen bisher, 25 weitere sollen am Donnerstag kommen, allesamt registrierte Familien mit Kindern. Gegen die Flüchtlinge neben der Grundschule gab es Bedenken. Das Thema hat Lautenschläger nun auf seine Art angepackt und zur Chefsache erklärt. Was das bringt, erklärt er im Interview.

hessenschau.de: Herr Lautenschläger, warum sind Sie in den Container gezogen?

Lautenschläger: Die Nachricht, dass hier eine Gemeinschaftsunterkunft an der Grundschule eingerichtet wird, kam für die Eltern und die Gemeinde überraschend. Es hat dann natürlich Sorgen und Ängste in der Elternschaft gegeben. Ich möchte mir von der Situation vor Ort ein Bild machen. Und ich möchte vor Ort überzeugen, dass hier ein geregelter Schulbetrieb stattfinden kann, ohne Störung.

hessenschau.de: Haben Sie sich schon eingerichtet? Soll das jetzt ein vollwertiges Büro werden?

Lautenschläger: Ich bin seit vergangenem Freitag hier. Meine Mitarbeiter kommen auch, nur mein Vorzimmer wird nicht umziehen. Ich versuche, gerade auch während der Schulzeiten, möglichst viel hier zu sein. Ich habe zwar auch noch andere Termine, aber bislang hat das alles ganz gut geklappt. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich jede Menge spielender Kinder.

hessenschau.de: Hat schon die Ankündigung Ihres Umzugs die Wogen geglättet?

Lautenschläger: Wir hatten, nachdem der Landkreis beschlossen hatte, dass hier Flüchtlinge wohnen sollen, eine Bürgerversammlung. Dort habe ich meinen Umzug angekündigt und das hat zu sehr positiven Reaktionen geführt, gerade auch bei den Eltern. Da haben sich die Wogen tatsächlich gleich etwas geglättet.

hessenschau.de: Hat der Umzug schon was gebracht?

Lautenschläger: Der Schulbetrieb läuft störungsfrei. Die Eltern haben sich beruhigt. Wir sind nun bemüht, zusammen mit der Schulleitung und unserem Arbeitskreis Asyl die Menschen zu integrieren.

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Flüchtlinge in Hessen

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hessenschau.de: Sie haben jetzt regen Betrieb in Ihrem Büro vor Ort?

Lautenschläger: Ja, die Eltern schauen gerne bei mir vorbei. Heute kam eine Mutter, die mir Windeln und Hygieneartikel für die Flüchtlinge mitgebracht hat. Andere Eltern wollen wissen, wie wir die Turnhallennutzung regeln, weil die Flüchtlinge dort die Duschen nutzen können. Das erkläre ich gerne in Gesprächen. Es kommen auch Bürger aus dem Ort vorbei, um sich einfach die neue Situation anzusehen.

hessenschau.de: Wissen die Flüchtlinge, dass der Bürgermeister direkt ein Auge auf sie geworfen hat? Kommen die zu Ihnen?

Lautenschläger: Ich war ja auch schon da, als die Familien angekommen sind. Und jetzt kommen manche auch in mein Büro. Die meisten sprechen zwar kein Englisch, die Verständigung ist relativ schwer. Wir arbeiten mit dem Sprachprogramm auf dem Handy oder ein paar wenigen Brocken Englisch. Aber neulich brauchte jemand einen Arzt und gestern gab es einen Feuerwehr-Fehlalarm, das kriegen wir dann schon zusammen hin. Genau dafür bin ich ja auch vor Ort.

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