Einen Tag nach der Oberbürgermeisterwahl in Darmstadt ist AfD-Kandidat Hans Mohrmann aus der Partei ausgetreten. Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen den Landesvorstand. Der wiegelt ab und spielt das Thema herunter.

Hans Mohrmann
Hans Mohrmann Bild © Hans Mohrmann

Der 19. März wird nicht als Erfolgstag in die Geschichtsbücher der hessischen AfD eingehen. Bei der OB-Wahl in Darmstadt landete ihr Kandidat Hans Mohrmann mit 4,0 Prozent weit abgeschlagen im Bewerberfeld. Und während die Wahllokale noch geöffnet waren, verschickte ebendieser AfD-Kandidat eine zweiseitige Presseerklärung, in der schwere Beschuldigungen gegen den AfD-Landesvorstand erhoben werden. Dieser habe ihn massiv im Wahlkampf behindert und wolle ihn aus der Partei ausschließen, erklärte Mohrmann.

Weitere Informationen

Kandidat im Fragebogen

hessenschau.de hatte vor der OB-Wahl allen Kandidaten einen einheitlichen Fragebogen geschickt. Hier geht's zu den Antworten von Hans Mohrmann.

Ende der weiteren Informationen

Einen Tag nach der OB-Wahl kommt Mohrmann dem drohenden Parteiausschluss zuvor und zieht selbst die Konsequenzen. Er sei soeben aus der AfD ausgetreten, erklärte er am Montagmorgen gegenüber hessenschau.de. Ein Parteiausschlussverfahren sei somit nicht mehr relevant.

Mohrmann war nicht nur OB-Kandidat in Darmstadt, sondern auch Fraktionsvorsitzender im Kreistag des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Dort hatte die AfD bei der Kommunalwahl vergangenes Jahr knapp 13 Prozent erzielt. Sein Mandat wolle er behalten, erklärte der 67-Jährige aus Ober-Ramstadt.

Mohrmann: "Die wollten mich fertigmachen"

Hintergrund des Austritts ist offenbar ein parteiinterner Streit mit dem hessischen Sprecher des Landesvorstandes, Albrecht Glaser. "Glaser arbeitet seit meiner Wahl als Spitzenkandidat der AfD zur Kommunalwahl und seit meiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden aktiv an meinem Sturz", so Mohrmann. In der mit "Die wollten mich fertigmachen" betitelten, zweiseitigen Erklärung listet Mohrmann eine Reihe von Aktionen und "juristischen Finten" auf, die Glaser in den vergangenen Monaten gegen ihn initiiert habe, darunter einstweilige Anordnungen und Unterlassungserklärungen.

Dass überhaupt ein Parteiausschlussverfahren gegen Mohrmann eingeleitet worden sei, wollte Landesvorstand Glaser gegenüber hessenschau.de nicht bestätigen. "Darüber sagen wir als Landesvorstand nichts." Es handele sich um ein rein örtliches Ereignis. Mohrmanns Parteiaustritt habe er zur Kenntnis genommen.

Glaser, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei ist und bei der Wahl des Bundespräsidenten im Februar Kandidat der AfD war, bestätigte zwar, dass es Unstimmigkeiten mit Mohrmann gegeben habe, er wies aber die erhobenen Vorwürfe zurück. Mohrmann habe immer wieder versucht, "eine Intrigengeschichte zu erzählen, die aber jeglicher Wahrheit entbehrt". Das sei alles Verschwörungstheorie, erklärte Glaser. Er selbst kenne Mohrmann kaum.

AfD-Kandidat vertrat als Anwalt Flüchtlinge

Das sieht dieser anders. Er sei für Glaser ein Intimfeind, betonte Mohrmann, und behindere dessen Plan, die AfD zu einer Partei zu entwickeln, "die tendenziell linkspopulistische Programmatik mit brachialer fremdenfeindlicher Rhetorik verbindet - bis hin zu verfassungsrechtlich höchst bedenklichen Programmentwürfen". Als Grund für die Feindschaft nannte Mohrmann unter anderem, dass er als Rechtsanwalt auch Flüchtlinge aus Afghanistan vertrete und versuche, deren Abschiebung zu verhindern. "So einer hat nach Glasers Ansicht in der AfD sowieso keinen Platz."

In dem Antrag auf Parteiausschluss, der ihn vor gut einer Woche erreicht habe, seien vor allem zwei Facebook-Posts von Mohrmann als Begründung genannt worden, die der Partei geschadet hätten. Darin hatte sich Mohrmann abwertend über Frauen geäußert ("Alles Heulsusen") und deren Wahlrecht in Frage gestellt. Mohrmann bedauert die Einträge nach eigenen Angaben inzwischen und bezeichnete sie als satirisch gemeinte "Chauvi-Sprüche am virtuellen Stammtisch". "Ich hielt die Posts für nicht öffentlich, was sie nicht waren." Er habe sich bei den "Darmstädter Damen" inzwischen in aller Form entschuldigt.

Die Begründung sei regelrecht absurd, so Mohrmann, denn die Posts seien von Glaser und dessen "Handlangerin", der Reinheimer AfD-Politikerin Bärbel van Dijk, genutzt worden, um ihn gezielt in der Presse zu diskreditieren. Van Dijk, die auf Glasers Betreiben hin den Kreisverband Darmstadt-Dieburg habe spalten sollen und Ende 2016 aus der AfD-Kreistagsfraktion ausgeschlossen worden war, habe sich damit zum "Opfer eines sexistischen Autokraten" - gemeint ist Mohrmann - stilisieren können. "Wählerinnenstimmen hat uns das ganz bestimmt nicht gebracht", bilanziert Mohrmann.

Das könnte Sie auch interessieren