In regenbogenfarben angemalte Männer demonstrieren für die "Ehe für Alle"
Szene beim CSD in Frankfurt 2015 Bild © picture-alliance/dpa

SPD und Grüne wollen gemeinsam die Ehe für alle, dennoch geraten sie im Landtag bei dem Thema in Streit. Am Ende aber prägen zwei persönliche Reden eine Debatte, die auch den CDU-Fraktionschef berührt.

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Ein Blick in den hessischen Landtag

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Debatte um Ehe für alle: Landtagspräsident muss eingreifen

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"Heuchler" schallt es dem Grünen-Landesvorsitzenden Kai Klose im Landtag aus den Reihen der SPD-Fraktion entgegen. Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner fragt laut zurück, ob sie sie bei der SPD noch alle haben.

14 Stunden bevor SPD und Grüne im Bundestag gemeinsam der Ehe für alle zur Mehrheit verhelfen, geraten sie bei dem Thema in Hessen in Streit. Was daran liegt, dass in Wiesbaden weiter gilt, was Angela Merkel in Berlin mehr oder weniger freiwillig außer Kraft gesetzt hat: die Koalitionsdisziplin.

"Einheitsdogma in der Koalition"

Klose muss darum begründen, warum die Grünen nicht einen Antrag von SPD, FDP und Linken unterstützen, der zum Ja für die Ehe für alle im Bundestag auffordert. Sondern einen Antrag mit der CDU, der sich in Allgemeinplätzen erschöpft, weil sich CDU und Grüne in der Frage nicht einig sind, man in einer Koalition aber nicht unterschiedlich abstimmt.

Vom "Einheitsdogma in der Koalition" spricht SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel. Allerdings hatte die SPD im Bund das Thema vor dieser Woche ebenfalls unzählige Male mit Rücksicht auf die CDU vertagt, wie Klose bemerkt. Und der Landeschef der Grünen sagt: "Dieser Moment ist viel zu groß, als dass ich mich jetzt auf den letzten Metern auf Ihr Spiel einlasse."

"Selten hat mich eine Situation so bewegt"

Er habe sein ganzes politisches Leben auf die Entscheidung für die Ehe für alle hingearbeitet, sagt Klose, der auch queerpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist. "Selten hat mich eine Situation, zu der ich hier spreche, emotional so bewegt wie diese." Später wird CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg von bewegenden Worten Kloses sprechen - und dass er selbst mit seinem katholischen Glauben und den Realitäten ringe.

Nach Klose tritt der FDP-Abgeordnete Jürgen Lenders ans Pult. Wie Klose kämpft er seit langem für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Er versichert Klose, der Antrag solle nur den Landtagsabgeordneten ermöglichen zu dokumentieren, "was wir erreicht haben." Kein Spielchen.

"Es ist alles keine Selbstverständlichkeit"

Und dann schildert Lenders, wie es ist, wenn der liberale Vater auf einmal sagt: "Du willst doch nicht die eingetragene Lebenspartnerschaft mit der Ehe deiner Schwester vergleichen." Still ist es da im Landtag, weil jeder weiß, dass hier niemand mehr über andere spricht, sondern einer über sich selbst.

"Es muss bei den Menschen ankommen, dass beide Beziehungen gleich viel wert sind", sagt Lenders. Und dass auch bei einem Ja im Bundestag am Freitag die Diskriminierung nicht ende. "Geht weiter auf die Straße und kämpft um eure Rechte, es ist alles keine Selbstverständlichkeit", ruft Lenders und zielt mit dem Appell auf junge Schwule und Lesben.

Kai Klose aber hat zumindest am Freitag anderes vor, sollte die Abstimmung im Bundestag in seinem Sinne ausgehen. "Es ist wirklich genug Ehe für alle da", sagt er, "wir werden morgen in Berlin feiern, dass die Schwarte kracht."

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