Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich
Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) Bild © picture-alliance/dpa

Datenleck im Wahlregister der Stadt Wiesbaden: Der Chaos Computer Club konnte für Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) Briefwahl beantragen und erhielt so seine Privatadresse.

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Für den Chaos Computer Club (CCC) ist die Sache klar: "Da hat jemand einen Stümperfehler gemacht", bestätigte Christian Schuster, Sprecher des CCC Mainz/Wiesbaden, hessenschau.de am Montagabend einen Bericht von heute.de. Der Club hatte im Namen von Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) Briefwahlunterlagen für die Kommunalwahl anfordern können und war dabei auf einfache Weise an die Privatadresse Gerichs gekommen.

PDF mit Adresse als Download

Am Wochenende war einem Mitglied des CCC aufgefallen, dass jedermann auf der Internetseite der Stadt Briefwahlunterlagen anfordern konnte, indem er lediglich Name, Vorname und Geburtsdatum eingab. Im Handumdrehen stellte die Seite ein pdf-Dokument zum Download bereit. Dort wurde die Zusendung der Unterlagen bestätigt und die Adresse genannt, an die sie gesendet würden. Diese Adresse musste man zuvor aber gar nicht angeben.

Ausschnitt aus der Bestätigung für die Briefwahl Gerichs
Die Bestätigung gab es als pdf-Dokument zum Herunterladen Bild © Chaos Computer Club Mainz

Der stutzig gewordene CCC-Mitarbeiter gab testweise Name und Vorname des Oberbürgermeisters ein. Das Geburtsdatum des OB war im Internet schnell recherchiert. Und siehe da: Das System gehorchte erneut und bestätigte dem vermeintlichen Rathauschef die Teilnahme an der Briefwahl. Und auch die Privatadresse Gerichs war im Bestätigungsschreiben aufgeführt.

Jede Wähleradresse wäre so abrufbar gewesen

Für Schuster ist die Verknüpfung des Antragsformulars mit dem Datenbestand des Einwohnermeldeamts stümperhaft. Denn nicht nur Gerichs Adresse, sondern jede aus dem Verzeichnis hätte sich auf die beschriebene Weise herausfinden lassen. Ein Test zeigte schnell, dass sich vom selben Computer durchaus mehrere Anträge hintereinander eingeben ließen.

Inzwischen wurde das Formular geändert. "Die haben schnell reagiert, das muss man ihnen zugute halten", sagte Schuster. Mittlerweile ist die Eingabe der vollen Adresse Pflicht, um den Online-Antrag auf Briefwahl zu stellen. Für einen anderen wählen konnte man auch vorher nicht, da die Unterlagen an die Meldeadresse geschickt wurden. Zudem mussten sie vom Briefwähler persönlich unterschrieben werden.

Gerich bleibt gelassen

Und Gerich? Der postete auf Facebook einen lakonischen Kommentar zu der Panne: "Was es alles gibt....". Er kann übrigens ganz normal wählen gehen. Laut heute.de wurde sein Antrag auf Briefwahl wieder gelöscht.

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