Frank-Walter Steinmeier nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten auf dem Weg zum Rednerpult.
Frank-Walter Steinmeier nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten auf dem Weg zum Rednerpult. Bild © picture-alliance/dpa

In Berlin hat die Bundesversammlung Frank-Walter Steinmeier mit großer Mehrheit zum 12. Bundespräsidenten gewählt. Er erhielt im ersten Wahlgang 931 Stimmen. Glückwünsche gab es auch aus Hessen.

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Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist am Sonntag im ersten Wahlgang zum 12. Bundespräsidenten gewählt worden. Der 61 Jahre alte ehemalige Außenminister wurde bei der Wahl im Berliner Reichstagsgebäude mit der überwältigenden Mehrheit von 931 Stimmen der Bundesversammlung zum Nachfolger von Joachim Gauck ins höchste Amt des Staates gewählt.

"Deutschland in besonderem Maße repräsentieren"

Unter Hessens Politikern herrschte Freude über die Wahl Steinmeiers. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erklärte in Berlin, Steinmeier werde Deutschland weiterhin in besonderem Maße repräsentieren. Besonders freue ihn das Plädoyer Steinmeiers für ein respektvolles Miteinander, "denn Respekt ist ein Grundbaustein für den gelungenden Zusammenhalt in einer funktionierenden Demokratie".

Steinmeier hatte in seiner Rede nach der Wahl um Vertrauen in die Demokratie geworben. Wenn das Fundament der Werte des Westens anderswo wackele, "müssen wir umso fester zu diesem Fundament stehen", sagte er.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Michael Boddenberg, fügte hinzu, Steinmeier genieße heute schon bei den Menschen über Parteigrenzen hinweg "hohes Ansehen". Er erwarte, dass er angesichts der großen internationalen Herausforderungen seine weitreichenden Erfahrungen als Außenminister in das neue Amt einbringen werde.

Steinmeier repräsentiert Grundwerte "glaubwürdig"

Die SPD Hessen gratulierte wenige Minuten nach Bekanntgabe des Ergebnisses durch Bundestagspräsident Norbert Lammert:

Herzlichen Glückwunsch Frank Walter #Steinmeier zur Wahl zum neuen #Bundespraesident 'en 👍. #bundesversammlung g #SPD D @tsghessen n

SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel ergänzte auf Twitter, er freue sich "riesig".

Herzlichen Glückwunsch an Frank Walter Steinmeier. Ich freue mich riesig.

Schäfer-Gümbel lobte seinen Parteifreund als einen Politiker, "der die Grundwerte Deutschlands engagiert und glaubwürdig repräsentiert - im Inland wie im Ausland". Steinmeier verbinde Empathie, Sachkenntnis und Erfahrung mit diplomatischem Können und einer bodenständigen Zugewandtheit, teilte Schäfer-Gümbel mit, der selbst als Mitglied der Bundesversammlung gewählt hatte. 

Die Grünen im Landtag übermittelten ebenfalls ihre Glückwünsche. Fraktionsvorsitzender Mathias Wagner betonte die inhaltlichen Gemeinsamkeiten "unter anderem in der Außen- und Europapolitik, in der Entwicklungszusammenarbeit sowie im Einsatz für gesellschaftlichen Zusammenhalt".

Steinmeier "hervorragend geeignet"

Schon vor dem Zusammentritt der Bundesversammlung hatte am Sonntagvormittag der Darmstädter CDU-Bundestagsabgeordnete Charles M. Huber getwittert, er wähle heute nicht die SPD, sondern den Mann, der er für das Amt des Bundespräsidenten für "hervorragend geeignet" halte.

Ich wähle heute nicht die SPD- ich wähle den Mann den ich f d Amt #Bundespräsident für hervorrragend geeignet halte- FrankWalter Steinmeier

Zwischen den vielen Glückwünschen aus Hessen machte Grünen-Chef Kai Klose per Twitter auch auf das - aus seiner Sicht - "Bild des Tages" aufmerksam: Travestiekünstlerin Olivia Jones, die von den Grünen in Niedersachsen zur Bundesversammlung geschickt wurde, zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundestrainer Joachim Löw.

Jones wiederum lobte ihrerseits die "herzliche und lockere Atmosphäre" an diesem Sonntag im Reichstag.

1.253 abgegebene Stimmen - 103 Enthaltungen

Insgesamt waren bei der Wahl zum Bundespräsidenten 1.253 Stimmen abgegeben worden. 103 Delegierte enthielten sich. Steinmeier war der gemeinsame Kandidat von Union und SPD. Neben ihm waren vier weitere Kandidaten ins Rennen gegangen.

Der Armutsforscher Christoph Butterwegge und Kandidat der Linken erhielt 128 Stimmen. Der frühere Frankfurter Stadtkämmerer und AfD-Vizechef Albrecht Glaser bekam 42 Stimmen. Für den TV-Richter Alexander Hold, nominiert von den Freien Wählern aus Bayern, stimmten 25 Wahlmänner. Der fünfte Bewerber, Engelbert Sonneborn, Vater des Satirikers und Europaabgeordneten Martin Sonneborn, erhielt 10 Stimmen.

45 Wahlmänner und -frauen aus Hessen

Unter den 1.260 Wahlleuten der Bundesversammlung, die je zur Hälfte aus den Abgeordneten des Bundestags und aus gewählten Vertretern der Landtage besteht, saßen am Sonntag auch 45 Wahlmänner und -frauen, die aus Hessen nach Berlin gereist waren: 33 Abgeordnete des Landtags und 12 weitere vom Landtag gewählte Vertreter. Unter ihnen befanden sich auch Prominente wie die Schauspielerin Iris Berben. Sie war von der SPD auf ihre Liste gesetzt worden. Die CDU schickte neben Ministerpräsident Volker Bouffier dessen Vorgänger Roland Koch nach Berlin.

Bundespräsident mit enger Verbindung nach Hessen

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Steinmeier am Redepult

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Der neu gewählte Bundespräsident hat einen besonderen Bezug zu Hessen: Steinmeier war als 20-Jähriger zum Jura- und Politikstudium an die Justus-Liebig-Universität (JLU) nach Gießen gekommen - und lebte dort bis zu seiner Promotion über Obdachlosigkeit 15 Jahre lang bis 1991.

Die Universität hatte bereits bei Steinmeiers Nominierung verkündet, sie sei stolz auf ihn. "Frank-Walter Steinmeier hat es über die letzten Jahrzehnte geschafft, seine Freundschaften in Gießen sehr umfassend zu pflegen", sagte JLU-Präsident Joybrato Mukherjee. Daher gehe er davon aus, dass während Steinmeiers Amtszeit mit einem Gießen-Besuch gerechnet werden dürfe.

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