Screenshot der inzwischen gelöschten Landtagsseite.
Screenshot der inzwischen gelöschten Landtagsseite. Bild © Screenshot: facebook.de

Gefällt mir nicht mehr: Der Landtag hat Facebook verlassen und seine Seite in dem sozialen Netzwerk gelöscht. Die Resonanz sei zu gering gewesen. Selbst schuld, meinen PR-Experten.

Vermutlich wäre es kaum jemandem aufgefallen, hätte nicht Martin Fuchs auf Twitter darauf aufmerksam gemacht. Der Politik-Berater und Blogger stellte fest, dass die Facebook-Seite des Landtags nicht mehr vorhanden ist. Tatsächlich hat der Landtag sie in dieser Woche gelöscht.

Warum bloß? "Ertrag und Aufwand müssen im Verhältnis stehen", antwortet Pascal Schnitzler, Pressesprecher des Landtags. Und das sei eben nicht der Fall gewesen.

Auch mal "weiche Themen" probiert

Die Fan-Seite gab es schon vorher - maßgeblich zur Sicherung des Namens. Seit April hatte der Landtag aber getestet, ob er die Hessen - vor allem auch jüngere - auf Facebook durch regelmäßige Beiträge erreicht. Das Ergebnis nach einem dreiviertel Jahr: rund 1.500 Fans. Zum Vergleich: Die Facebook-Seite der Stadt Frankfurt hat knapp 200.000 Fans.

Neben Ankündigungen von Plenarsitzungen oder Veranstaltungen, habe man auch mal "weiche Themen" ausprobiert, erklärt Landtagssprecher Schnitzler - Ankündigungen für Feste, Grüße zum Sommerferienbeginn. Insgesamt mit wenig Resonanz, daher die Löschung.

Politik-Berater: "Seite zu langweilig"

"Eine falsche Entscheidung", glaubt Politik-Berater Martin Fuchs. Er hat unter anderem schon das Bremer Landesparlament in Sachen Kommunikation in sozialen Netzwerken beraten. Natürlich sei es schwer, viele Menschen mit Landespolitik zu erreichen, sagt Fuchs.

Doch die Landtagsseite sei zu "formell, staatstragend und langweilig" gewesen. Aus seiner Sicht hätte der Landtag mehr in den Dialog gehen und mehr Einblicke in den Landtag geben müssen - etwa wie das Hamburger Parlament, das inzwischen über 3.000 Facebook-Fans zählt.

Youtube statt Facebook

Ähnlich sieht das Thomas Pleil, Experte für Online-PR an der Hochschule Darmstadt. Auf Facebook Diskussionslinien im Landtag transparent machen, Zusammenhänge erklären - das könne er sich schon vorstellen. Nur: Das sei eben auch aufwändig. Daher kann er die Löschung nachvollziehen: "Es ist konsequent, die Reißleine zu ziehen, wenn das Konzept nicht aufgeht."

Auf Facebook wird der Landtag also künftig nicht mehr zu finden sein. "Wir haben uns entschieden, andere Wege zu gehen", erklärt Landtagssprecher Schnitzler. Man wolle sich nun auf das Online-Videoportal Youtube fokussieren.

Zum Hintergrund: Seit der Abschaffung seines Livestreams von Plenarsitzungen nutzt der Landtag Youtube, um die Debatten online zu stellen - mit mindestens drei Tagen Verzögerung. Ein Video dort erreicht derzeit kaum über 50 Abrufe.

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