Protest-Banner gegen den Flughafen-Ausbau am Rathaus in Walldorf
Protest-Banner gegen den Flughafen-Ausbau am Rathaus in Walldorf Bild © Walter Keber

Einst war Mörfelden-Walldorf Hochburg des Anti-Ausbau-Protestes, nun reicht die Stadt dem Frankfurter Flughafen die Hand. Die Protestplakate werden eingerollt.

Plakate, Demonstrationen und ein Hungerstreik: Über Jahrzehnte hatte der Protest gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens seine Heimat in Mörfelden-Walldorf (Groß-Gerau). Nun aber hat sich die Doppelstadt einen Kurswechsel verordnet. Eine Mehrheit der Stadtverordneten beschloss am Dienstagabend, die Protestbanner gegen den Flughafen abzuhängen.

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Die neue Mehrheit im Stadtparlament aus SPD, Freien Wählern und FDP sieht in dem Beschluss das Signal für einen "konstruktiven Dialog" und einen "kooperativen Umgang" mit dem Flughafen. Begründung: Die Zeit der Konfrontation sei zu Ende, weil der Ausbau inzwischen rechtskräftig sei.

Mehrheit setzt auf Kooperation

Für die SPD betonte Fraktionschef Alexander Best in der Debatte, die Entscheidung spiegele das Ergebnis der Kommunalwahl wider. Das ändere nichts am Widerstand der Vergangenheit. Der Vorsitzende der Fraktion der Freien Wähler, Burkhard Ziegler, sagte, die ablehnende Haltung zum Flughafenbetreiber sei ein Grund für die Haushaltsmisere der Stadt. Es sei Zeit, nach vorne zu schauen. FDP-Fraktionschef Carsten Röcken nannte die Banner eine "Negativ-Botschaft für Investoren". Viele Bürger wünschten sich längst ein pragmatisches Verhältnis zum Flughafen.

Redner von Grünen und DKP/Linken erklärten dagegen, das Ende der Banner symbolisiere das Ende der Solidarität mit Betroffenen und anderen Kommunen. Der Widerstand gegen den Ausbau gehöre zur Geschichte und Identität der Stadt, auch seien die Forderungen weiter gültig. Bei der CDU stimmten fünf Stadtverordnete gegen die Banner, zwei wollten sie hängen lassen.

CDU-Fraktionschef: Entscheidung wird Stadt weiter spalten

CDU-Fraktionschef Jan Körner, der dafür stimmte, die Banner hängen zu lassen, warnte, die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt werde die Stadt weiter spalten. Am Ende bekam der Antrag gegen die Banner eine Mehrheit von 29 zu 11 Stimmen. Rund 60 Ausbau-Gegner hatten die Debatte im Rathaus mit Pfiffen und Buh-Rufen verfolgt.

Ursprünglich hatte das Stadtparlament die Zäsur im Ausbau-Protest der Region schon im Juni beschließen wollen. Die Sitzung war aber verschoben worden, weil der Erste Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn (Grüne) vor der Sitzung einen Herzinfarkt erlitten hatte. Er befindet sich derzeit in der Rehabilitation.

Ausschuss "Gegen Flughafenerweiterung" aufgelöst

Schon im Mai hatte die neue Mehrheit im Stadtparlament ein anderes Symbol des Protestes abgeschafft. Sie löste den Ausschuss "Gegen Flughafenerweiterung" auf, der 16 Jahre lang prominenter Ort des Widerstandes gegen Fraport-Pläne im Rathaus der 33.000-Einwohner-Stadt war.

Die Geschichte des Protests in der Kommune im Süden des Flughafens ist lang: Im Jahr 1980 traten im Rathaus vier Kommunalpolitiker von CDU bis DKP gegen die Startbahn West sogar in den Hungerstreik. Die Banner mit der Aufschrift "Kein Flughafenausbau" oder "Für ein echtes Nachtflugverbot" hängen seit Jahren unter anderem am Rathaus in Walldorf - das wird sich nun ändern.

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