Grundschüler am PC
Den Test in Lesen und Mathe machen die Schüler am PC. Bild © Imago

Mit "quop" kommt alle drei Wochen ein PC-Test im Lesen und Rechnen auf hessische Grundschüler zu. Teilnahme freiwillig, Stress nicht zu erwarten - trotzdem haben manche Schulen einen triftigen Hinderungsgrund.

Mit dem Programm "quop" will das Kultusministerium die individuelle Förderung von Schülern verbessern. Bereits 2008 ist das Konzept entwickelt worden, in den vergangenen Jahren lief in Hessen eine Pilotphase mit 7.000 Schülern. Vom kommenden Schuljahr an wird "quop" flächendeckend für Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse angeboten. Auch fünfte und sechste Klassen können aber auf Wunsch teilnehmen. Laut Kultusministerium ist das Konzept europaweit einmalig.

Was ist "quop"?

Mit Studien wie PISA oder IGLU hat das Programm nichts zu tun. Dort geht es um den internationalen Leistungsvergleich, bei "quop" um die Entwicklung jedes einzelnen Kindes. Es soll den Lehrern ermöglichen, bei allen Schülern in kurzen Zeitabständen festzustellen, wie gut sie dazulernen. Für diese "computergestützte Lernverlaufsdiagnostik" werden die Schüler alle drei Wochen getestet - wenn die Schulen mitmachen. Denn die Teilnahme ist freiwillig.

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Wofür steht "quop"?

Eine Bedeutung hat der Name nicht, "quop" und das Verb "quoppen" sind Kunstwörter. Wenn es nach dem Kultusministerium geht, sollen sie trotzdem bald zum Standardvokabular gehören.

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Wie läuft der "quop"-Test ab?

Der Test wird während der Schulzeit von jedem Schüler einzeln am PC absolviert. In dem etwa 15-minütigen Durchgang müssen sie bei kleinen Aufgaben zeigen, wie gut sie lesen und rechnen können. Grundschüler der ersten Klasse etwa sollen Fehler in Sätzen wie "Mehrmals täglich schneidet der Friseur im Laden frisches Essen" finden. Kindern der dritten Klasse werden Texte mit Lücken vorgesetzt. Zum Ausfüllen werden mehrere Wörter angeboten. Beispiel: "Der Löwe wurde wütend und packte sie. 'Ich werde dich/ihn/es fressen!', brüllte er."

Die Auswertung können die Lehrer im Anschluss einsehen. Acht Tests pro Schuljahr kommen zusammen. Anhand der sich ergebenden Lernkurve erkennen die Lehrer - detailliert aufgeschlüsselt-, ob sich ein Schüler verbessert hat, stagniert oder sich womöglich verschlechtert. Benotet werden die Tests nicht.

Muss das sein?

Ja - wenn man Prof. Marcus Hasselhorn vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung fragt. "Ein Viertel aller Grundschulkinder mit normalem IQ hat Lernstörungen und Lernschwächen", sagte er bei der offiziellen Vorstellung von "quop" in Frankfurt. Um sie passgenau zu fördern, brauche man Informationen über ihren Lernzuwachs.

Werden Lehrer allmählich überflüssig?

Nein - auch nicht, wenn man Hasselhorn fragt. Aber für die pädagogische Förderung sei ein Werkzeug notwendig, das objektiv, zuverlässig und genau sei. Genau das biete "quop". Das Kultusministerium lobt an dem Programm vor allem, dass mit wenig Aufwand eine sehr detaillierte Lernkurve erstellt wird. Die Lehrer sehen nicht nur, ob ein Schüler Probleme mit dem Lesen hat. Sie können auch erkennen, ob es beim Wortverständnis, bei der Lesegenauigkeit oder an anderer Stelle hakt.

Stresst der Test die Schüler nicht noch mehr?

Eine zusätzliche Belastung fürchteten die meisten der 170 Lehrer, die bei der Präsentation in Frankfurt dabei waren, weder für die Schüler noch für sich. "Die Schüler sind entspannt, solange es keine Noten gibt", sagt Sandra Maibach aus Kronberg. Der Zeitaufwand für den Test und die Auswertung sei in Ordnung. Außerdem mache den Schülern die Arbeit am PC immer Spaß, meint Katrin Oehmichen aus Dietzenbach. "Das ist interessanter als normaler Unterricht."

Welche Probleme sehen die Lehrer?

Bei der Umsetzung könnte es haken. "Wir haben 500 Schüler, aber nur 14 internetfähige PCs", sagt Daniel Leonhardt aus Rüsselsheim. "Wenn wir das mit der ganzen Schule umsetzen wollten, wäre das schwierig." Ähnlich sieht es Denise Schablin aus Dreieich: "Wir haben pro Klasse nur einen PC. Alle Kinder im Drei-Wochen-Rhythmus diesen Test machen zu lassen, wird kompliziert."

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