Hessentrend Januar 2017 Aufmacher
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Trotz großer Zufriedenheit der Bürger mit ihrer Lage hat Schwarz-Grün bei der Sonntagsfrage im Hessentrend keine Mehrheit. Grund: Die CDU verliert weiter. Gut ein Drittel der Menschen ist unzufrieden mit der Demokratie.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse des Hessentrends:

  • Die Volksparteien CDU und SPD sind die Verlierer des am Donnerstag veröffentlichten Hessentrends im Auftrag des hr. Zulegen konnten dagegen die Grünen und die AfD, leicht auch die FDP.
  • Schwarz-Grün hätte keine Mehrheit im Landtag mehr, würde am Sonntag gewählt. Ohne Beteiligung der AfD blieben rechnerisch nur eine Große Koalition oder eine Regierung aus CDU, Grünen und FDP.
  • Auch wenn Schwarz-Grün keine Mehrheit mehr hat: Die Wahlberechtigten in Hessens schätzen die wirtschaftliche Lage zu 87 Prozent als gut oder sehr gut ein, ein Spitzenwert.
  • Die CDU muss sich vor allem fragen, warum sie von der guten Stimmung nicht profitiert: 54 Prozent schätzen die Lage in Hessen eher zuversichtlich ein, 12 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr.
  • Die Flüchtlingspolitik bleibt wichtigstes politisches Thema in Hessen. Doch ist sie weit weniger dominant als vor einem Jahr. Heute sagen 44 Prozent, dies sei das Top-Thema, damals waren es 70 Prozent. Mit 27 Prozent rangiert das Thema Bildung noch vor innerer Sicherheit (13).
  • Zwei Alarmzeichen sendet der Hessentrend: Es hängt stark vom Einkommen ab, wie zuversichtlich die Lage beurteilt wird. Während die Gesamtheit der Hessen zuversichtlich ist, kippt die Stimmung bei Menschen mit einem Haushaltseinkommen unter 1.500 Euro. Und: Ein gutes Drittel der Befragten erklärt, es sei mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Deutschland funktioniere, unzufrieden.

Bouffier und Schäfer-Gümbel im Vergleich

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Hessentrend Januar 2017

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Während die Volksparteien in Hessen in der Wählergunst gefallen sind, gilt dies nicht für ihre Landesvorsitzenden. Mit Ministerpräsident und CDU-Chef Volker Bouffier sind 61 Prozent der Wahlberechtigten sehr zufrieden oder zufrieden, drei Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel legte hier um 3 Prozentpunkte auf 48 Prozent zu.

Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten hätte Bouffier im Vergleich zu Schäfer-Gümbel mit 48 zu 35 Prozent die Nase vorn. Bouffier gilt demnach als starke Führungspersönlichkeit, die mehr von Wirtschaft versteht. Schäfer-Gümbel kann beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Sympathie punkten. Und: Die Grünen sind zwar in einer Koalition mit der CDU, die Mehrzahl ihrer Wähler hätte allerdings lieber einen Ministerpräsidenten Schäfer-Gümbel.

Wen die Wähler kennen und mögen

Bei den kleinen Parteien heimst vor allem der grüne Verkehrsminister Tarek Al-Wazir Lob ein. 54 Prozent (plus 4 Prozentpunkte) sind mit ihm zufrieden. Die Fraktionsvorsitzenden von FDP und Linken im Landtag, Florian Rentsch und Janine Wissler, leiden unter einem geringen Bekanntheitsgrad. Die Mehrzahl der Menschen kennt sie nicht.

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Auch bei der Frage, welche Partei die Regierung führen soll, schlägt das Pendel für die CDU aus. Andererseits: 68 Prozent der Menschen fänden es gut, wenn die SPD an einer nächsten Landesregierung beteiligt wäre. Über die CDU sagen dies 67 Prozent der Wahlberechtigten, über die Grünen 61.

Die nächste Landtagswahl ist in einem Jahr. Im September sind zudem auch die Hessen aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen.

Das Ergebnis der Sonntagsfrage im Detail

Die CDU kommt bei der Sonntagsfrage nur noch auf 32 Prozent, das sind 6 Prozentpunkte weniger als bei der Landtagswahl 2013 und 2 Prozentpunkte weniger als beim Hessentrend vor einem Jahr. Die SPD fällt auf 24 Prozent, vor einem Jahr lag sie bei noch 26 Prozent, bei der Landtagswahl bei 30,7.

In der Wählergunst zulegen können die Grünen. Sie erreichen nun 14 Prozent, drei Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr und bei der Landtagswahl. Dies ist bemerkenswert, weil die Grünen zum Zeitpunkt der Umfrage bundesweit unter Druck waren. Ihre Bundesvorsitzende Simone Peter stand in der Kritik, weil sie den Kölner Polizeieinsatz in der Silvesternacht hinterfragt hatte.

AfD wird wenig Kompetenz zugeschrieben

Ebenfalls zulegen konnte die AfD, die jetzt bei 14 Prozent liegt, deutlich mehr als 2013 und auch mehr als im vergangenen Hessentrend (plus 2 Prozentpunkte). Hier auffällig: Die AfD wird gewählt, obwohl ihr die Wahlberechtigten insgesamt in keinem Politikfeld die besten Lösungen zutrauen. Bei der Frage, wer die wichtigsten Probleme des Landes lösen könnte, kann sie nicht einmal ein Drittel ihrer eigenen Wähler überzeugen. Das spricht für eine Wahl aus Protest gegen die anderen Parteien. 71 Prozent der AfD-Wähler sagen, sie seien unzufrieden damit, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert.

Hessentrend Januar 2017
Die genaue Frage lautete: Sind Sie mit der Art und Weise, wie die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland funktioniert, alles in allem ...? Bild © Karsten Hufer/hessenschau.de

Die FDP erreicht nun 6 Prozent, das ist ein Prozent mehr als bei der Wahl und dem vergangenem Hessentrend. Die Linkspartei liegt im Vergleich zum Hessentrend 2016 unverändert bei 8 Prozent - deutlich mehr als bei der Landtagswahl 2013, als sie auf 5,2 Prozent kam. Im neuen Landtag würden demnach sechs Parteien sitzen, eine mehr als bisher.

Weitere Informationen

Wer für den Hessentrend befragt wurde

Für den Hessentrend hat Infratest dimap in der Zeit vom 5. bis 10. Januar 1.003 wahlberechtigte Hessen telefonisch befragt, bei den Fragen zu Wirtschaftslage und Stimmung waren es 500. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozentpunkten, bei 500 Befragten zwischen 1,9 und 4,4 Prozentpunkten. Die Umfrage gilt als repräsentativ.

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