AfD-Bundessprecherin Frauke Petry
AfD-Bundessprecherin Frauke Petry (Archiv) Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

AfD-Bundessprecherin Frauke Petry hat den hessischen Landesverband ihrer Partei auf den Bundestagswahlkampf 2017 eingestimmt. In Hofheim stellt die AfD die Landesliste für die Wahl auf. Der Andrang ist groß.

Beim Treffen der Alternative für Deutschland (AfD) am Samstag in Hofheim dauerte es nicht lange, bis in der Stadthalle das Wort "Volksverräter" vom Rednerpult geschmettert wurde. AfD-Mitglied Christine Anderson aus dem Kreis Limburg, die sich als hauptberufliche Mutter dreier Kinder und nebenberufliche Hausfrau vorstellte, meinte damit pauschal alle Politiker, die sie als Berliner "Möchtgern-Demokraten" verunglimpfte. Denen wolle sie sich in den Weg stellen. Die Presse beschimpfte sie als "loyale Hofberichterstatter".

Ganz so verbal-aggressiv ging es nicht bei allen Rednern zu. Doch war fast allen der überwiegend männlichen Bewerber für die Landesliste für die Bundestagswahl 2017 gemein, dass sie sich mehr oder weniger drastisch gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik aussprachen. So auch der 70 Jahre alte Rechtsanwalt im Ruhestand, Helmut Alt, aus Frankfurt, der sich neben strikter Haushaltssanierung und einem vereinfachten Steuersystem für ein striktes Einwanderungsbegrenzungsgesetz einsetzen will.

Auch AfD-Bundessprecherin Frauke Petry hielt ihre Eröffnungsrede in Hofheim entsprechend kampfeslustig. Ziel der AfD ist es laut Petry, jede Art von rot-grüner Politik auf den "Müllhaufen der Geschichte" zu verbannen. Die AfD-Sprecherin nannte Merkel eine "ökosozialistische Kanzlerin", die sich hinter einer ehemals konservativen Partei verstecke. Europa nannte sie ein ideologisches Phantasieprojekt. Von den rund 400 hessischen AfD-Mitgliedern gab es dafür minutenlangen Applaus und Standing-Ovations.

Viele wollen in kleineren Bundestag

In ihrem Grundsatzprogramm kritisiert die AfD die "Tendenz zum Berufspolitikertum" und strebt eine Verkleinerung des Bundestags an. Allerdings ist das Interesse unter hessischen AfD-Mitgliedern ziemlich groß, in den Bundestag zu kommen. Etwa 75 Bewerbungen um einen Listenplatz waren vor dem Parteitag eingegangen.

Mindestens neun Abgeordnete könnte die hessische AfD nach Berlin schicken, schätzt einer der drei Landessprecher, Rolf Kahnt. Das würde 15 Prozent der Wählerstimmen entsprechen. Umfragen sehen die AfD derzeit bundesweit zwischen 11 und 13 Prozent.

"Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles"

Der hohe Andrang auf einen Listenplatz für die Bundestagswahl könnte bei den AfDlern aber nicht nur inhaltlich begründet sein. Selbst AfD-Sprecher Kahnt erklärt die hohe Zahl der Bewerber mit einem Goethe Zitat. "Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles", sagte er dem hr. Soll heißen: Die Diäten eines Bundestagsabgeordneten von rund 9.300 Euro Brutto plus Sonderzulagen dürften das eine oder andere Parteimitglied locken. Kahnt sagte, er hoffe, dass sich einige Bewerber mit ihrer Selbsteinschätzung auseinandersetzen und von der Wahl um einen Listenplatz Abstand nehmen.

Weitere Informationen

AfD in Hessen

Die hessische AfD verzeichnet nach einem zwischenzeitlichen Mitgliederrückgang (nach Querelen im vergangenen Jahr) wieder knapp über 2.000 Mitglieder. Landesgeschäftsführer Orth rechnet damit, dass gut 450 Mitglieder den Parteitag besuchen.

Ende der weiteren Informationen

Damit dürfte allerdings nicht der Landesvorstand gemeint sein. Denn bis auf Kahnt selbst wollten sich neun der zehn Vorstandsmitglieder zur Wahl stellen. Darunter Peter Münch, der zwischenzeitlich den Landesvorsitz der hessischen AfD räumen musste, als bekannt wurde, dass er Ende der 80er Jahre Mitglied der Republikaner war. Auch noch, als die Partei schon vom Verfassungsschutz beobachtet wurde.

Vor rund eineinhalb Jahren wurde Münch dann wieder an die Spitze der hessischen AfD gewählt - gemeinsam mit dem ehemaligen CDU-Politiker Albrecht Glaser, der als früherer Kämmerer der Stadt Frankfurt durch verlustreiche Geldanlagen in die Negativ-Schlagzeilen kam und sich nun als AfD-Abgeordneter in den Bundestag wählen lassen will.

Langes Wahlverfahren erwartet

Die eigentliche Wahl der Kandidaten dürfte erst am Samstagabend beginnen und sich bis in den Sonntag ziehen, da jeder Bewerber etwa zehn Minuten Zeit bekommen sollte, sich den Mitgliedern vorzustellen. Anschließende Stichwahlen waren nicht ausgeschlossen.

Vor der weiträumig abgesperrten Halle warteten zu Beginn des Parteitags rund ein Dutzend Demonstranten von der antifaschistischen Bildungsinitiative. Sie werfen der AfD vor, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegen Muslime, gegen Geflüchtete und gegen Andersdenkende zu verbreiten.

Das könnte Sie auch interessieren