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Videoüberwachung an der Konstablerwache in der Frankfurter Innenstadt. Bild © picture-alliance/dpa

Die Frankfurter Polizei schlägt vor, vier weitere Plätze in der Innenstadt mit Videokameras zu überwachen. Einen dieser Orte bezeichnete Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Montagabend vor Stadtpolitikern als mögliches Terrorziel.

  • Geht es nach der Frankfurter Polizei, werden in Zukunft die Ecke Taunus-/Elbestraße im Bahnhofsviertel, die Hauptwache, die Zeil auf Höhe des Brockhausbrunnens und die Ecke Allerheiligenstraße/Breite Gasse mit Videokameras überwacht.
  • Frankfurts Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) findet das Konzept der Polizei schlüssig und warb im Sicherheitsausschuss der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend für eine entsprechende Ausweitung der Videoüberwachung im Stadtgebiet.

Zwei Wochen vor der Kommunalwahl warb der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill auf Bitte des Ordnungsdezernenten Markus Frank (CDU) im Sicherheitsausschuss der Stadtverordnetenversammlung für eine Ausweitung der öffentlichen Videoüberwachung von bislang zwei auf sechs Plätze.

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In Zukunft wolle die Polizei die Ecke Taunus-/Elbestraße im Bahnhofsviertel, die Hauptwache, den Brockhausbrunnen auf der Zeil und die Allerheiligenstraße an der Einmündung der Breiten Gasse überwachen, sagte Bereswill. Die seit Jahren bestehenden Anlagen an der Konstablerwache und am Ende der Kaiserstraße am Hauptbahnhof müssten auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden, so dass Straftäter identifiziert werden könnten. Das gewährten die alten Anlagen nur noch bedingt.

"Gestiegenes Sicherheitsbedürfnis nach Köln"

Bereswill begründete den Wunsch seiner Behörde mit dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis der Bürger nach den massenhaften sexuellen Übergriffen und Trickdiebstählen in der Kölner Silvesternacht. Mithilfe von Kameras könne die Polizei zudem islamistische Terroranschläge verhindern. Und sie lieferten Beweismittel zur Überführung von Straftätern.

Dazu bündelten sich an den genannten vier Plätzen jeweils charakteristische Straftaten, sagte Bereswill.

  1. Taunus- und Elbestraße im Bahnhofsviertel seien der Kriminalitätsschwerpunkt in Frankfurt. Hier, mitten im Rotlichtviertel, gebe es viele Drogendelikte, Raubüberfälle und versuchte oder vollzogene Tötungsdelikte, allein 2015 seien es vier gewesen.
  2. Die Hauptwache, sagte Bereswill, sei "als zweitgrößter Verkehrsknotenpunkt in der Stadt ein mögliches Ziel für einen Terroranschlag". Außerdem fänden hier fast jedes Wochenende Demonstrationen statt.
  3. In direkter Umgebung des Brockhausbrunnens auf der Zeil zählte die Polizei laut Bereswill im vergangenen Jahr rund 800 Straftaten, darunter rund 120 Trickdiebstähle, außerdem Beleidigungen und Pöbeleien. Dort sammelten sich Obdachlose und Punks, um sich zu betrinken - das sei der Stadt über die Kriminalität hinaus ein Dorn im Auge.
  4. Im Allerheiligenviertel östlich der Konstablerwache fühlten sich Bewohner und Passanten wegen Drogendealern unsicher.

Polizei braucht unter Umständen nicht mehr Stellen

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zum Video Mehr Videoüberwachung in Frankfurt gefordert

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Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) warb für ein positives Votum des Sicherheitsausschusses für eine Ausweitung der Videoüberwachung in einer der nächsten Sitzungen - dann schon nach der in knapp zwei Wochen anstehenden Kommunalwahl. Die Stadt werde die Kosten für die Installation der Kameras tragen.

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Videoüberwachung an der Konstablerwache in der Frankfurter Innenstadt. Bild © picture-alliance/dpa

Die Polizei hat die Aufgabe, das Geschehen über Monitore zu beobachten und gegebenenfalls auszurücken. Bereswill sagte, dafür seien bei einer Ausweitung unter Umständen keine zusätzlichen Stellen nötig, weil sie nur die damit ohnehin schon betrauten Polizeireviere an der Zeil und am Hauptbahnhof beträfe.

Ordnungsdezernent stellt Deckelung in Aussicht

Um skeptische Stadtverordnete wie Martin Kliehm (Linkspartei) oder Matthias Münz (Grüne) zu locken, stellte Frank eine mögliche Deckelung der Zahl der Überwachungsanlagen in Aussicht: Sollten in einigen Jahren an einem weiteren Ort Kameras gewünscht sein, könne man prüfen, ob sie an einem bestehenden Ort noch gebraucht würden. Offene Kritik an dem Vorschlag des Polizeipräsidenten wurde im Sicherheitsausschuss am Montag freilich nicht laut.

Bislang gibt es nach Auskunft des Landeskriminalamts an 22 Orten in 17 hessischen Städten insgesamt 151 Überwachungskameras.

Detaillierte Übersicht zu Überwachungskameras

Frankfurt
Konstablerwache: 3 Kameras
Hauptbahnhof: 3 Kameras am Ende der Kaiserstraße

Wiesbaden
Platz der Deutschen Einheit: 4 Kameras
Hauptbahnhof: 9 Kameras auf dem Bahnhofsvorplatz, in der Unterführung und am Busbahnhof

Kassel
Untere Königsstraße: 3 Kameras

Offenbach
Marktplatz: 3 Kameras am S-Bahn-Abgang Busbahnhof und in der Fußgängerzone, 1 Kamera in der Hermann-Steinhäuser-Straße
Europaplatz: 2 schwenkbare Kameras, die auch die angrenzenden Bereiche der Richard-Wagner-Straße, Hugo-Wolf-Straße und Kurt-Tucholsky-Straße erfassen
S-Bahnhof Bieber: 1 Kamera
S-Bahnhof Waldhof: 1 Kamera

Fulda
Bahnhof/Heertorplatz: 1 schwenkbare Kamera auf dem Bahnhofsvorplatz, 6 Kameras am Heertorplatz, zusammengefasst in einer Anlage

Heusenstamm
S-Bahnhof: 6 Kameras, davon 2 schwenkbar

Obertshausen
S-Bahnhof: 7 Kameras, davon 5 schwenkbar

Dietzenbach
S-Bahnhöfe Steinberg, Mitte, Endstation und Grünachse am Kreishaus: insgesamt 21 Kameras, zusammengefasst in einer Anlage

Hofheim
Bahnhof: 8 Kameras am Vorplatz, Busbahnhof, WC und Parkdeck

Limburg
Bahnhof: 18 Kameras am Vorplatz, in der Unterführung vom Vorplatz zur Südseite und an den Ausgängen auf der Südseite

Kelsterbach
Bahnhof: 6 Kameras in der Unterführung und 2 Kameras an Zu- und Abgängen zur Unterführung

Bensheim
Bahnhof: 3 Kameras rund um das Gebäude und 1 Kamera in der Unterführung

Wetzlar
Bahnhof: 18 Kameras auf dem Vorplatz

Bad Nauheim
Bahnhof: 5 Kameras in der Unterführung

Karben
Bahnhof: 3 Kameras

Bad Vilbel
Bahnhof: 5 Kameras

Hünfeld
Bahnhof: 10 Kameras

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