Steinaus Bürgermeister Malte Jörg Uffeln und seine Buchwidmung
"Mein treuer Paladin!" Steinaus Bürgermeister Malte Jörg Uffeln und seine Widmung in einer Bormann-Biografie Bild © osthessennews/screenshot Facebook/Montage hessenschau.de

Gegen den Bürgermeister von Steinau an der Straße, Malte Jörg Uffeln, wird ein Abwahlverfahren eingeleitet. Das hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Anlass war eine Widmung des Bürgermeisters in einer Biografie über Hitler-Sekretär Bormann.

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Das Interesse an der Stadtverordneten-Sitzung am Dienstagabend in Steinau an der Straße (Main-Kinzig) war enorm. Im Rathaus war jeder Platz besetzt. Es ging um nichts weniger als ein mögliches Abwahlverfahren gegen den parteilosen Bürgermeister Malte Jörg Uffeln.

Uffeln in der Rolle Hitlers

Anlass war eine Widmung, die Uffeln in eine Biografie über Hitler-Sekretär Martin Bormann gekritzelt hatte - ein Buchgeschenk für den Chef des Hauptamts. "Mein Sekretär! Ihnen, meinem treuen Paladin, in dankbarer Verbundenheit." Als "Paladin" hatte Adolf Hitler seinen Stellvertreter Hermann Göring gerne bezeichnet.

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Hitlers Sekretär

Martin Bormann war eine der einflussreichsten Nazi-Größen. Im Rang eines Reichsministers trug er seit 1943 den Titel "Sekretär des Führers", war Leiter der NSDAP-Reichskanzlei. Als faktisch mächtigster Mann hinter Hitler hatte er auch bei der Vernichtung der Juden eine maßgebliche Rolle inne. Als Hitler kurz vor seinem Suizid im Führerbunker Eva Braun heiratete, war Bormann Trauzeuge. Bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Nach dem Fund eines Skeletts 1972 in Berlin wurde 1998 festgestellt: Es waren die Überreste Bormanns. Er hatte sich bei Kriegsende im Mai 1945 umgebracht.

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Dass Uffeln unter seine Unterschrift noch das Kürzel "mF" setzte, das als "mein Führer" gelesen werden kann, sowie das Datum 20.4.2015, mit dem 20. April also den Geburtstag Hitlers, machte die Sache erst recht anrüchig.

Uffeln hatte sich entschuldigt und die Widmung "einen großen Fehler" genannt. Eine "braune Gesinnung" wies er entschieden zurück.

Sechs Gegenstimmen, eine Enthaltung

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Widmung Facebook Steinau

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Für die Stadtverordneten war das dennoch zu viel des schlechten Geschmacks. Mit 21 Stimmen sprachen sie sich am Dienstagabend mit der nötigen Zweidrittelmehrheit für ein Abwahlverfahren aus. Von den 31 Steinauer Stadtverordneten waren 28 ins Rathaus gekommen. Sechs stimmten gegen das Abwahlverfahren, einer enthielt sich.

Die rund 300 Zuschauer im Sitzungssaal störten die Versammlung immer wieder mit Zwischenrufen. Die meisten kamen aus dem Lager der Uffeln-Anhänger. Vor dem Rathaus hatten einige Bürger gegen die geplante Abwahl demonstriert. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie "Wir wollen unseren Bürgermeister behalten" oder "Unser Spitzen-Bürgermeister bleibt".

Volles (Rat)Haus in Steinau. Die Stadtverordneten heute stimmen ab, ob es ein Abwahlverfahren für Bürgermeister Uffeln geben soll. #MKK

Bürgerentscheid mit Bundestagswahl

Ob es schließlich zur Abwahl Uffelns kommt, ist offen. Das hängt jetzt von einem Bürgerentscheid ab, der parallel zur Bundestagswahl am 24. September stattfinden soll.

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