Die Gaststätte in Wiesbaden-Erbenheim nach der Farbbeutel- und Graffiti-Angriff.
Die Gaststätte wurde mit Farbbeuteln beworfen und unter anderem mit "Hier speisen Nazis" beschmiert. Bild © AfD Wiesbaden (Montage hessenschau.de)

Die AfD-Kreisverband Wiesbaden muss sich einen neuen Veranstaltungsort suchen. Der Sportverein im Stadtteil Erbenheim will keine Themenabende in seiner Gaststätte mehr. Auch eine Geldspende der AfD lehnt der Verein ab.

Die Fassade voller Farbspritzer, auf dem Speisekarten-Aushang ein Graffiti mit "Hier speisen Nazis": Diese Attacke auf die Gaststätte des Sportvereins Wiesbaden-Erbenheim im Mai galt der Alternative für Deutschland (AfD). Der Wiesbadener Kreisverband ist seit Mitte vergangenen Jahres "Im Ländchen" zu Gast und hält dort Abende zu Themen wie "'Köln' und andere Vorkommnisse - sozialpsychologische Hintergründe" oder "Echte Integration versus Parallelgesellschaften" ab.

Verein begründet Entscheidung mit politischer Unabhängigkeit

Nicht nur die AfD sah sich durch die Farbbeutel-Attacke angefeindet, auch Pächterin Claudia Rossel fühlte sich bedroht. Rossel hat nun ihren Fünf-Jahres-Pachtvertrag erfüllt und gekündigt, wie der Wiesbadener Kurier den Vereinsvorsitzenden Gregor Alzer zitierte. Im Oktober übernimmt eine neue Pächterin das Lokal. Themenabende der AfD soll es dort dann nicht mehr geben.

Alzer begründete das in einer Stellungnahme mit der politischen Unabhängigkeit des Vereins. "Leider gab es im Zuge der Farbbeutel-Attacke, die aufgrund der AfD-Treffen erfolgte, auch sehr starke Anfeindungen gegenüber dem Verein und seinen Mitgliedern, bis hin zu persönlichen Beleidigungen", berichtete er. "Davor müssen wir den Verein und seine Mitglieder schützen."

"Wir wollen keine Störungen mehr"

Im Gespräch mit hessenschau.de sagte Alzer am Mittwoch: "Wir sind ein Sportverein, die Veranstaltungen der AfD haben nichts mit uns zu tun." Er betonte: "Bei uns trainieren Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Nationen." Mit der Entscheidung, die AfD in der Gaststätte nicht mehr zu beherbergen, fühle sich der Verein wohler. "Wir wollen keine Störungen mehr", sagte Alzer.

Bis die neue Pächterin das Restaurant Ende Oktober übernehmen kann, sind seinen Angaben zufolge nach den Farbbeutel-Würfen aber umfangreiche Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen notwendig. Dafür hatte die AfD nach eigenen Angaben Spenden gesammelt. "Wir haben zahlreiche Kleinspenden von Bürgern erhalten, die den Verein mit dem Schaden nicht im Regen stehen lassen wollten", sagte der stellvertretende AfD-Kreissprecher Michael Obergfell laut Mitteilung. Die AfD habe "auch noch selber ordentlich etwas dazugelegt". 2.000 Euro kamen demnach zusammen.

Eigener Spendenaufruf

Nur: Der Verein will das Geld nicht. Alzer sagte, die AfD hätte die Spende pressewirksam übergeben und die Aktion vermarkten wollen. "Das wollten wir nicht." Stattdessen startete der Vereinsvorstand einen eigenen Spendenaufruf. "Damit wollen wir die finanziellen Belastungen, die unserem Verein unverschuldet speziell durch die Farbbeutel-Attacke entstanden sind, etwas abmildern", sagte Alzer.

Für die AfD ist der vereinseigene Spendenaufruf unverständlich, das Geld zur Renovierung der Fassade sei schließlich bereits vorhanden. "Wir haben damit unser Versprechen vom Mai gehalten, den Schaden auszugleichen", sagte AfD-Kreisschatzmeister Robert Lambrou und schob hinterher: "Wenn der Verein die Spende nicht annehmen möchte, dann ist das halt so."

AfD will Geld weitergeben

Lambrou sagte hessenschau.de, die AfD wolle bis Ende September warten, "ob sich der Verein anders entscheidet". Sollte es dabei bleiben, dass der SV Erbenheim das Geld nicht annehmen möchte, will die AfD es einer Organisation geben, "die Opfern von Gewalttaten hilft", wie Lambrou sagte. "Denkbar wäre der Weiße Ring."

Die AfD hatte bei den Kommunalwahlen im März in Wiesbaden 12,8 Prozent erreicht - das stärkte Ergebnis der Partei in Hessen bezogen auf die kreisfreien Städte. Dass sie ihre Themenabende nicht mehr im Vereinslokal abhalten kann, bedauert die AfD. Die Entscheidung sei nach dem Graffiti- und Farbbeutel-Anschlag aber nachvollziehbar. Der Kreisverband sucht derzeit einen neuen Veranstaltungsort.

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