Werner Vogt, Landesbeauftragter des THW und der neue Vorsitzende des OV Wetzlar, Jens Blohmann
THW-Landesbeauftragter Werner Vogt (l.) und der neue Ortsbeauftragte Jens Blohmann. Bild © Constanze Schleenbecker (hr)

Das Technische Hilfswerk Wetzlar wehrt sich gegen Aussagen von CDU-Rechtsaußen Hans-Jürgen Irmer. Die Unterbringung von Flüchtlingen in der THW-Halle sei richtig, erklärte der Ortsverbandschef am Dienstag. Im Ortsverband rumort es allerdings.

Das Technische Hilfswerk (THW) Wetzlar hat Äußerungen des CDU-Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Irmer zur Unterbringung von bis zu 500 Flüchtlingen in einer THW-Fahrzeughalle widersprochen. "Wir sind da, um Menschen zu helfen und nicht die Hilfe zu blockieren", betonte der neue Ortsbeauftragte, Jens Blohmann, am Dienstag. In der geräumten Halle sind inzwischen rund 400 Flüchtlinge untergebracht.

Die Halle des THW Wetzlar wurde am Dienstag bereits von rund 400 Flüchtlingen genutzt
Die Halle des THW Wetzlar wurde am Dienstag bereits von rund 400 Flüchtlingen genutzt. Bild © Constanze Schleenbecker (hr)

Irmer hatte hessenschau.de am Montag gesagt, die Entscheidung, Flüchtlinge auf dem Gelände unterzubringen, sei falsch und gehe zu Lasten des THW. Das Hilfswerk in Wetzlar habe die Arbeit eingestellt, der Ortsverband befinde sich in Auflösung. Dem widersprach Blohmann. "Die 40 Mitglieder im Ortsverband stehen voll hinter dem Auftrag", betonte er. Die Hilfe im Katastrophenfall könne zu 100 Prozent gewährleistet werden.

Fünf THW-Mitglieder ausgetreten

Audiobeitrag
Feldbetten in der Fahrzeughalle des THW-Ortsverbands Wetzlar.

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

zum Audio THW Wetzlar: Keine Einschränkungen durch Flüchtlinge

Ende des Audiobeitrags

Allerdings führte der Auftrag zur Räumung der Fahrzeughalle von Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) zu Querelen im Ortsverband. Insgesamt fünf Mitglieder, darunter drei aus dem Vorstand, traten daraufhin aus. "Das Verfahren ähnelt einer Enteignung", zitierte die Wetzlarer Neue Zeitung Blohmanns Vorgänger Jörg Velten am Dienstag. Velten kritisierte im Gespräch mit der Zeitung Art und Weise im Umgang mit ehrenamtlichen Helfern und fehlende Achtung des Ehrenamts.

Der als rechtskonservativ geltende Irmer hat seinen Wahlkreis in Wetzlar und ist nach eigenen Angaben Mitglied des Fördervereins des THW. Er stand bereits häufiger wegen Äußerungen über Muslime, Flüchtlinge und Homosexuelle in der Kritik.

SPD bezeichnet Schweigen von CDU und Grünen als skandalös

Die SPD bezeichnete Irmers Kritik am Dienstag als unsäglich. Das Schweigen von Schwarz-Grün nannte der parlamentarische Geschäftsführer Günter Rudolph skandalös. "Es ist schon ein beispielloser Akt, wenn ein CDU-Abgeordneter öffentlich den Angaben seines eigenen Sozialministers widerspricht", sagte Rudolph weiter. Die Toleranz der Grünen sei gegenüber ihrem Koalitionspartner CDU größer als bei den eigenen Abgeordneten "und man kann den Eindruck gewinnen, dass die CDU-Landtagsfraktion froh ist, wenn Irmer bald im Bundestag sitzt".

Die Linksfraktion sieht Irmer erneut als geistigen Brandstifter. "Während tausende Menschen ehrenamtlich und in vorbildlicher Weise vor Ort aktiv sind, macht Irmer mal wieder Stimmung gegen Flüchtlinge", sagte Fraktionsvorsitzende Janine Wissler. Sie forderte CDU und Grüne auf, "endlich deutliche Worte zu Irmers erneuten Äußerungen zu finden". Zudem sei Irmer als Ausschussvorsitzender des Unterausschusses für Heimatvertriebene, Aussiedler, Flüchtlinge und Wiedergutmachung nicht länger tragbar.

FDP: Als Vorsitzender des Flüchtlingsausschusses disqualifiziert

Auch die FDP teilte mit, für den Ausschussvorsitz habe er sich disqualifiziert. "Irmers Aussagen sind ein gefährliches Zündeln in einer hochsensiblen Zeit, das - egal ob leichtfertig oder bewusst - Ressentiments schürt", sagte der parlamentarische Geschäftsführer René Rock. "Es passt leider zudem ins Bild, dass sich die Grünen zur Causa Irmer erneut ausschweigen, statt sich in Sachen Courage ein Beispiel an ihrer Ex-Kollegin Mürvet Öztürk zu nehmen."

Das könnte Sie auch interessieren

Zum Seitenanfang