Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer Bild © picture-alliance/dpa

Bereits ein Jahr vor seinem angestrebten Umzug nach Berlin beschäftigt der CDU-Abgeordnete Hans-Jürgen Irmer die Hauptstadt. Mit einem falsch verwendeten Zitat brachte er Ex-Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) gegen sich auf. Irmer rudert zurück.

Der umstrittene CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer will bekanntlich 2017 für den Bundestag kandidieren. In Berlin eilt ihm bereits jetzt ein Ruf voraus: zumindest im Büro des grünen Abgeordneten Jürgen Trittin, dem früheren Bundesumweltminister. Trittin fand sich kürzlich mit einem Zitat in der November-Ausgabe des von Irmer herausgegebenen "Wetzlar Kurier" wieder. Das ist jene Postille, über die der hessische CDU-Mann regelmäßig unter anderem Stimmung gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands zu machen versucht.

Das dort Trittin zugeschriebene Zitat lautete: "Deutschland verschwindet jeden Tag immer mehr, und das finde ich einfach großartig." Das hätte gut zum üblichen Irmer-Tenor gepasst. 

Nur: Jürgen Trittin hat das nie gesagt. Also setzte der grüne Bundestagsabgeordnete seine Anwälte in Gang - mit Erfolg, wie sich jetzt zeigt. Trittins Anwalt beschuldigt Irmer in einem Brief, der hr-iNFO vorliegt, er nutze das falsche Zitat, um Jürgen Trittin als 'deutschlandfeindlich' zu brandmarken. Und: "Niemand muss sich falsche Zitate nachreden oder -schreiben lassen."

Irmer soll Widerruf abdrucken

Ultimativ forderte Trittins Rechtsvertreter Irmer am 6.November auf, die beanstandete Veröffentlichung im Internet zu löschen und die Verbreitung der November-Ausgabe des Wetzlar Kurier einzustellen. Außerdem muss Irmer in der nächsten Ausgabe seines Blattes einen Widerruf veröffentlichen und richtig stellen, dass Trittin diesen Satz so nie gesagt habe. Im Büro des Bundestagsabgeordneten verweist man darauf, dass Trittin sich auch gegenüber anderen in dieser Zitat-Frage erfolgreich zur Wehr gesetzt habe, beispielsweise gegen die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD).

Online-Ausgabe des Wetzlar Kurier mit (li.) und ohne die betroffene Trittin-Aussage.
Online-Ausgabe des Wetzlar Kurier mit (li.) und ohne die betroffene Trittin-Aussage. Bild © Screenshot Wetzlar Kurier

Irmer ist in der Frage jetzt voll auf dem Rückzug. Seine Anwälte haben Trittin mitgeteilt, die Aussage werde aus der Internet-Ausgabe getilgt. Das ist mittlerweile geschehen. In der nächsten Ausgabe des "Wetzlar Kurier", so heißt es in dem Schreiben, werde Irmer auch den gewünschten Widerruf abdrucken. Ihr Mandant verpflichte sich, die Verwendung des Zitats künftig zu unterlassen. Auf Nachfrage sagte Irmer zu hr-iNFO, er habe das Trittin-Zitat übernommen, weil es in mehreren Medien verwendet worden sei. Es sei aber offenbar falsch. Irmer wörtlich: "Das ist ein Fehler, und den muss man aus der Welt räumen".

Weiteres Futter für Kritiker

Auf den Wiesbadener Landtags-Fluren löst der Fall wieder Kopfschütteln aus. Irmer war in der gestrigen Generaldebatte von Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel wegen seiner Islam-Thesen sogar als "Brandstifter" kritisiert worden. Schäfer-Gümbel bekam für seine Irmer-Schelte zeitweise sogar Beifall von grünen Abgeordneten. Auch in seiner eigenen CDU-Fraktion gilt der 63-Jährige mittlerweile als weitgehend isoliert. Im Berliner Büro von Jürgen Trittin mokiert man sich angesichts von Irmers Plan, 2017 nach Berlin zu gehen: "Vielleicht sieht man sich dann hier mal".

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