Videoüberwachung
Überwachungskamera am Frankfurter Hauptbahnhof. Bild © Imago

Was bringt Videoüberwachung öffentlicher Plätze? Weniger Kriminalität - nicht unbedingt. Ein größeres Sicherheitsgefühl - ebenfalls bedingt. Dennoch setzen Polizei und Bahn auf immer mehr Kameras.

Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill sprach sich am Montagabend im städtischen Sicherheitsausschuss für mehr Videoüberwachung in Frankfurt aus. An vier weiteren Orten müssten Kameras aufgestellt werden, weil dort viele Straftaten passierten. Oder weil man potenzielle Terroristen abschrecken wolle.

Mehrere Stadtverordnete im Ausschuss hatten Fragen zu Bereswills Wunschliste. Meist ging es darum, ob Kameras Kriminalität nicht bloß verdrängten und ob Streifenbeamte nach Ansicht der Bilder auf den Überwachungsmonitoren zügig zum Tatort ausrücken könnten. Wenig verwunderlich, dass auch Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sich zwei Wochen vor der Kommunalwahl für eine Ausweitung der Überwachung aussprach.

Die grundsätzliche Frage, ob öffentliche Kameras den erhofften Zweck der Verhinderung oder Aufklärung von Straftaten erfüllen, stellte niemand. Dabei ist das nicht so eindeutig, wie die Polizei es darstellt.

LKA: bis zu 35 Prozent weniger Kriminalität

Aus Sicht der Polizei haben sich Überwachungskameras bewährt, weil sie Beweismittel zur Überführung von Straftätern liefern. Aufgrund der Bilder könnten Polizeibeamte sofort an den Ort eines Verbrechens eilen oder Rettungskräfte über eine Notsituation informieren. Schließlich schreckten Videokameras auch mögliche Straftäter ab.

Das Landeskriminalamt schrieb 2013 in einer Handlungsempfehlung zur Installation von Überwachungsanlagen: "Gemessen an den Fallzahlen vor der Einrichtung der Videoüberwachung sind dort in unterschiedlicher Ausprägung Rückgänge um bis zu 35 Prozent zu verzeichnen." Aktuell beobachten 151 Kameras an 22 öffentlichen Plätzen in 17 hessischen Städten das Geschehen (zur detaillierten Liste).

Für 2013 berichtet das Innenministerium von 1.699 Straftaten an videoüberwachten Orten. Im Jahr 2014 wurden bereits 2.162 Verstöße wie Drogenhandel, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahl an diesen Plätzen registriert.

Studien: kaum Kriminalitätsrückgang

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Auf Überwachungskameras muss hingewiesen werden. Bild © picture-alliance/dpa

Andererseits räumt Polizeipräsident Bereswill selbst ein, dass nicht jeder Straftäter in gleicher Weise auf Kameras reagiere. So lasse sich zum Beispiel ein Betrunkener davon nicht von einer Tat im Affekt abhalten. Bei manchen Drogendeals würden nicht strafbare Bestandteile (Kontaktaufnahme) im überwachten Bereich, die eigentlichen Straftaten (Verkauf) aber an einem versteckteren Ort stattfinden.

Eine Studie aus dem notorisch videoüberwachten Großbritannien kam einem Bericht des Fachmagazins Protector zufolge zum Ergebnis, dass nur in einem von 13 überprüften Einsatzbereichen die Kriminalität signifikant gesunken sei. New York City setze dagegen auf mehr Polizisten auf der Straße. Dort sei die Zahl der Straftaten deutlich geringer geworden.

Das zeigt auch ein Pilotversuch in den Berliner Verkehrsbetrieben, der unbefriedigend verlief: Die Kameras hätten nur bei der Aufklärung eines Zehntels der Fälle helfen können - nicht zuletzt, weil die Technik ungenügend gewesen sei. Dieses Problem stellt sich aktuell auch in Frankfurt: Die installierten Überwachungsanlagen an Konstablerwache und am Hauptbahnhof sind laut Bereswill völlig überlastet, zum Teil fielen sie ganz aus. Die Polizei wünscht sich hier modernere Kameras.

Immer mehr Kameras auf Bahnhöfen

Modernere und vor allem mehr Kameras will die Deutsche Bahn an Bahnhöfen und in Zügen aufhängen. Bis 2019 will der Konzern 36 Millionen Euro in die Videoüberwachung stecken. 2014 surrten etwa 4.800 Kameras in rund 640 deutschen Bahnhöfen über den Köpfen der Fahrgäste, weitere 18.000 in den Fahrzeugen. "Damit sind rund 80 Prozent der Fahrgastströme von Kameras erfasst", teilt die DB mit.

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Inzwischen ein ganz gewöhnliches Bild: Überwachungskameras in S-Bahnen. Bild © picture-alliance/dpa

Gesonderte Zahlen für Hessen liefert die Bahn nicht. Eine Sprecherin sagt, auch hier würden jedes Jahr mehr Kameras aufgehängt. Grundsätzlich verstehe man die Technik als wichtigen Teil eines Sicherheitskonzepts, zu dem auch Bedienstete von DB-Sicherheit und Bundespolizei gehörten.

Auch die Bahn räumt aber in ihrer Mitteilung ein: "Einen gewaltbereiten, oftmals im Affekt handelnden Täter kann keine Kamera behalten." Als Beweis einer Straftat und zum Auffinden der Täter könnten die Bilder aber wertvolle Hinweise liefern. Trotz der öfter eingesetzten Kameras sei die Zahl von Vandalismusschäden (zerkratzte Scheiben, zerstörte Aufzüge) in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland 2014 im Vergleich zum Vorjahr auf 600 angestiegen.

82 Prozent der Deutschen wollen mehr Kameras

Bleibt noch die Frage nach dem gestiegenen Sicherheitsgefühl: Auch hier scheint nur eine zwiespältige Antwort möglich. Laut ARD-Deutschlandtrend aus dem Januar, also kurz nach den massenhaften Übergriffen in der Kölner Silvesternacht, wünschen sich 82 Prozent mehr Videoüberwachung für mehr Sicherheit.

Andererseits sagt der Sozialforscher Nils Zurawski laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung, dieser Effekt verpuffe schnell. Eine Kamera könne eine mögliche bestehende Unsicherheit verstärken: "Die Leute sagen: 'Da, eine Kamera! Ich wusste das ja schon immer, hier ist was faul.'"

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11 Kommentare

  • Was hindert den einen Terroristen sich und 1000 andere Menschen in die Luft zu sprengen wenn an dem Ort eine Überwachungskamera hängt? Das wird dem doch wohl vollkommen egal sein, den der Akt dauert paar Sekunden und in der Zeit kann man keinen Menschen davon aufhalten! Aber Hauptsache man weiß dann im Nachhinein wer es war. Super!
    Alle Argummente die hier aufgezählt werden sind einfach nur sinnloses Geschwätz!
    Es gibt doch viel wichtigere Sachen um die sich die Politik kümmern sollte, oder wie die Steuergelder hinfließen sollten, aber doch nicht in die Investition von Kameras.

    Leute wacht doch mal auf!!!! Was bringt den eine Kamera? Macht mal euer Hirn an....

  • Kameras bringen nur etwas bei der Vertreibung der Drogenhändler und der Diebe, letztendlich trägt es dazu bei, später bei der Feststellung der Täter behilflich zu sein. Wichtiger ist mehr Polizeipräsenz, die schwarze Landesregierung hat die Polizeistellen gekürzt, lediglich die höher dotierten Stellen im Innenministerium wurden erhöht. Verlogen ist diese Sache mit den Kameras, weil sie den Menschen die Illusion geben, es wäre sicherer. Aber was nützt einem 20.000 Kameras, wenn kein Mensch da ist, der einem bei einem Raub oder Gewaltdelikt helfen kann, weil derjenige hinter dem Monitor kilometerweit entfernt sein kann. Wenn dann sollte man Kameras im Bahnhofsviertel komplett aufstellen, denn dann würde man das horizontale Gewerbe vertreiben.

  • Ich halte das für den gänzlich falschen Ansatz. Überwachungskameras sorgen immer nur für Verdrängung. Wer etwas anderes behauptet, der lügt. Selbst Herr Bereswill, der in der Pressekonferenz einen Verdrängungseffekt bestritten hat, hat ihn keine fünf Sätze später selbst beschrieben. Das Täterverhalten ändert sich, die gehen dann halt um die Ecke, wo keine Kamera hängt, sagte er sinngemäß.

    Was wirklich helfen würde, wären mehr Streifenbeamte. Aber das darf ja nicht sein, denn der Staat muss ja sparen und Ausgaben und Personal reduzieren. Dieses Mantra wird quasireligiös von fast allen Parteien verteidigt.

    Schlussendlich ist das wie bei Risiko-Fußballspielen. Um die Ultras und Hooligans auseinander zu halten, reichen keine Kameras, sondern nur ausreichend Polizeibeamte vor Ort. Um Dealer von der Arbeit abzuhalten, reichen keine Kameras, sondern nur ausreichend Polizeibeamte vor Ort. In dem Fall auf Streife.

    Alles andere ist Augenwischerei!

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