Flughafen Kassel in Calden
Flughafen Kassel in Calden Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Oberbürgermeister-Kandidaten in Kassel sind sich über den Fortbestand des örtlichen Regionalflughafens nicht einig. Die meisten ringen sich vor der Wahl aber zu einem klaren Ja oder Nein zum Kassel Airport durch.

Die Kasseler OB-Kandidaten von SPD und CDU, Christian Geselle und Dominique Kalb, sprechen sich für den Erhalt des 2013 eröffneten Kassel Airport in Calden aus. Sie liegen damit vor der OB-Wahl am Sonntag auf der bisherigen politischen Linie der Stadt.

Geselle verweist darauf, eigentlicher Sinn des Flughafens sei der "Impuls für die regionale Wirtschaft", nicht die Steigerung des Pauschaltourismus gewesen. Angesichts der Steuereinnahmen im Umfeld rechne sich der Airport. Auch Kalb argumentiert mit Firmen, die am Flughafen ansässig seien. Beide Kandidaten betonen, so ein Projekt benötige Zeit.

Grünen-Kandidatin lässt Position offen

Anders positionieren sich OB-Bewerber Murat Cakir von den Linken und Kandidat Bernd Hoppe von den Freien Wählen. Sie plädieren für eine Rückstufung des Flughafens zu einem Verkehrslandeplatz, um so Geld zu sparen.

Hoppe ist der Ansicht, das Herabstufen des Flughafens zum Landeplatz wie früher spare der Stadt gut zehn Millionen Euro jährlich. Cakir sagt, die dann freien Mittel wolle er lieber für öffentliche Daseinsvorsorge einsetzen.

Überraschend: Grünen-Kandidatin Eva Koch vermeidet eine Festlegung, obwohl ihre Partei im Land zu den schärfsten Kritikern des Flughafens gehört. "Das entscheidet nicht die Kasseler Oberbürgermeisterin", erklärte sie auf hessenschau.de-Nachfrage zur Zukunft des Flughafens. Da der Flughafen gebaut sei, lägen nun möglichst geringe Verluste im Interesse der Stadt.

Einer ist für mehr Fluglärm und Nachtflüge

Das Betriebsdefizit des Flughafens soll laut Geschäftsplan von 8,1 Millionen Euro 2014 auf 2,7 Millionen Euro im Jahr 2019 gesenkt werden. 2015 waren es rund 6,1 Millionen Euro. Die Stadt Kassel hält wie der Landkreis 13 Prozent der Anteile, 68 Prozent liegen beim Land, 6 Prozent bei der Gemeinde Calden. Schwarz-Grün im Land will 2017 über den Flughafen entscheiden.

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DAS SIND DIE KANDIDATEN

hessenschau.de bat die sechs Kandidaten für die Kasseler OB-Wahl, einen Fragebogen zu ihrer Person auszufüllen. Hier geht's zu den Antworten - auch zum Flughafen Kassel:

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Erwartungsgemäß äußert sich Matthias Spindler als Kandidat der aus dem Satirelager kommenden "Die PARTEI". Er wolle in Kassel für Großstadtcharme sorgen, in dem er sich für Nachtflüge und Fluglärm sowie für die Protesten dagegen einsetze, erklärte er. Klar sei aber: "Eine dritte Startbahn in KS-Calden wird unter meiner Ägide nicht umgesetzt werden."

Passagierzahlen weit hinter Erwartungen

Die Zahl der Passagiere auf dem Flughafen war mit 65.000 (2015) und 54.000 in den ersten elf Monaten 2016 weiter hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ursprünglich sollte der Airport nach zehn Jahren 640.000 Passagiere im Jahr zählen. Zuletzt hatten Flughafen und Flughafen-Aufsichtsratschef, Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), die Stationierung eines einzelnen Tourismusjets im nächsten Sommer als Erfolg gefeiert. Schäfer machte aber auch klar, dies sei die letzte Chance für den Flughafen.

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