Frankfurt hat den längsten Stimmzettel.
Frankfurt hat den längsten Stimmzettel. Bild © picture-alliance/dpa

Rund 4,7 Millionen Hessen können am Sonntag ihre kommunalen Vertretungen neu wählen. Was wird eigentlich gewählt? Wie funktioniert Panaschieren und Kumulieren? Wann kommen die ersten Ergebnisse? Die wichtigsten Antworten zur Kommunalwahl.

Was wird am Sonntag gewählt?

Die Kommunalwahl in Hessen hat begonnen. Seit 8 Uhr haben die Wahllokale geöffnet, und die Bürger in Hessen können ihre Vertretungen in den Kreisen, kreisfreien Städten und Gemeinden neu wählen.

Konkret heißt das: In allen 426 Städten und Gemeinden und den 21 Landkreisen wird heute gewählt. Um die Sitze bewerben sich insgesamt 17 Parteien und 566 Gruppen. In vielen Städten gibt es zudem noch Ortsbeiräte für einzelne Ortsbezirke, die neu bestimmt werden müssen. Außerdem gibt es 38 Bürgermeisterwahlen. Eine Übersicht finden Sie hier. Im Odenwald stimmen zudem vier Kommunen über eine Fusion ab. In Feldatal gibt es einen Bürgerentscheid über einen Windpark.

Wie war das nochmal Panaschieren und Kumulieren?

Die Wähler haben so viele Stimmen, wie das zu wählende Gremium Mitglieder hat. Wer zum Beispiel in Frankfurt wohnt, hat 93 Stimmen für das Stadtparlament und weitere Stimmen für die Wahl des Ortsbeirats. Das macht den Stimmzettel auch so groß. In Frankfurt ist er fast 1,50 Meter breit.

Wer will, kann panaschieren und kumulieren. Das heißt, Sie können einzelnen Kandidaten bis zu drei Stimmen geben oder ihre Stimmen über verschiedene Parteilisten verteilen - es ist aber auch weiterhin möglich, nur eine Partei anzukreuzen.

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Wer darf wählen?

Wählen dürfen alle volljährigen EU-Bürger, die seit mindestens drei Monaten (Stichtag: 6. Dezember) ihren Wohnsitz in Hessen haben. Insgesamt sind rund 4,7 Millionen Hessen zur Wahl aufgerufen, darunter 360.000 nichtdeutsche EU-Staatsbürger. Erstmals dürfen als neue EU-Bürger auch die in Hessen lebenden Kroaten mitwählen. Bei der letzten Kommunalwahl vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung im Schnitt bei 47,7 Prozent.

Wie ist die Ausgangslage?

Bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren kam die CDU auf 33,7 Prozent, gefolgt von der SPD mit 31,5 Prozent. Die Grünen erhielten 18,3 Prozent - sie dürften sich allerdings schwer tun, dieses Ergebnis zu wiederholen: 2011 profitierten sie von der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Die FDP erhielt 3,9 Prozent, die Linke 2,7, Prozent, die Freien Wähler 5,7 Prozent.

Wo wird's besonders spannend?

Mit besonderen Interesse schauen viele nach Frankfurt. Seit vier Jahren stellt die SPD dort mit Peter Feldmann wieder den Oberbürgermeister. Jetzt wollen die Sozialdemokraten auch die schwarz-grüne Koalition im Römer kippen. Dies hätte Signalwirkung: Denn die vor zehn Jahren im Frankfurter Rathaus besiegelte Koalition hat auch den Weg für das schwarz-grüne Bündnis im Land geebnet. Nach einer Umfrage kann die SPD in ihrer ehemaligen Hochburg mit Zugewinnen rechnen. Spannend dürfte es auch in Darmstadt werden. Dort regiert derzeit eine grün-schwarze Koalition, die erste ihrer Art in einer hessischen Großstadt.

Aufmerksam verfolgt wird sicherlich auch das Abschneiden der AfD. Die Alternative für Deutschland will angetrieben von bundesweit guten Umfragewerten am Sonntag zweistellig werden. Für sie tritt unter anderem in Fulda der Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann an. Er war 2004 wegen einer als antisemitisch kritisierten Rede aus der CDU geworfen worden.

Wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?

Am Wahlabend werden in den Kommunen und Kreisen nur sogenannte Trendergebnisse bekannt gegeben. Dazu werden zunächst nur die Wahlzettel berücksichtigt, auf denen eine Liste angekreuzt wurde. Das erste Ergebnis lief bei den Kommunalwahlen vor fünf Jahren um 19.20 Uhr ein - die letzten wurden erst weit nach Mitternacht gemeldet.

Erst in den Tagen darauf werden dann auch die übrigen Stimmzettel, auf denen kumuliert und panaschiert wurde, ausgezählt - und somit schließlich das Endergebnis der Wahl berechnet. Erst dann können die Parteien sicher sein, wie viele Sitze sie errungen haben, und anfangen, Koalitionen zu schmieden.

Auch mit den Ergebnissen der Bürgermeisterwahlen und der vier Bürgerentscheide ist am Sonntagabend zu rechnen. Insgesamt werden in 38 Städten und Gemeinden neue Rathauschefs gesucht.

Der Hessische Rundfunk berichtet auf hessenschau.de, im hr-fernsehen und in seinen Radiowellen ausführlich über die Kommunalwahlen.

Noch Fragen? Alles, was Sie noch zu den Kommunalwahlen wissen müssen, finden Sie in unseren FAQs.

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