Wähler steckt Stimmzettel in Urne
(Symbolfoto) Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Es heißt zwar Stimmzettel. Aber das bedeutet nicht, dass auf ihnen alles stimmt. Bei tausenden von Kandidaten für die Kommunalwahl am 6. März bleiben Fehler nicht aus. Hier eine aktuelle Pannenliste.

Am 6. März ist Kommunalwahl in Hessen, die Briefwahl hat sogar schon vor gut einer Woche begonnen. Die Vorbereitung ist Schwerstarbeit - und fehleranfällig. Um die Mandate in den Kreistagen zum Beispiel bewerben sich jeweils hunderte von Kandidaten. Da läuft schnell was schief, wie einige Beispiele der vergangenen Tage zeigen.

Kreis Bergstraße - Fehler auf Stimmzettel

Verflixte Namen. Wie am Dienstag bekannt wurde, kam es im Kreis Bergstraße zu Fehlern auf dem Stimmzettel zur Kreistagswahl. Genau genommen: zu zwei Fehlern. Ein Bewerber der Linken wurde Klaus "Wysdall" getauft. Der Mann heißt mit Nachnamen "Wysdak". Auch im Fall eines FDP-Bewerbers unterlief ein Patzer. Tobias Kleiner wohnt gar nicht in Lautertal, sondern in Lampertheim.

Schuld an diesen falschen Angaben sind laut Wahlleiterin Gudrun Englert die Parteien selbst. "Wir versuchen so etwas zu überprüfen. Aber bei fast 400 Kandidaten lässt sich das nicht immer eins zu eins realisieren." Die Bewerber aber seien nach wie vor wählbar. "Es gibt keinen Grund, die Wahl anzufechten", sagt Englert.

Kassel - Unzulässige Bewerber auf Stimmzetteln

Eine Panne der besonderen Art ereignete sich in Kassel. Dort ließen sich für die Ortsbeiratswahlen in zwei Bezirken Bewerber aufstellen, die gar nicht dort als Einwohner gemeldet sind. Die Hessische Gemeindeordnung (HGO) legt jedoch fest: Das ist Grundvoraussetzung. Den Parteien selbst war das offenbar nicht aufgefallen - und zunächst auch nicht dem Wahlamt. "Extrem ärgerlich" nennt Wahlleiter Uwe Fricke das. Aber bei bis zu 1.000 zu überprüfenden Personen könne das passieren.

Wie die HNA berichtete, handelt es sich bei den unzulässigen Bewerbern um einen SPD-Kandidaten und einen FDP-Kandidaten, der seit 1994 in einem ganz anderen Stadtteil gemeldet ist. Die Wahl werde dennoch regulär durchgeführt, sagte Fricke. Es sei jedoch üblich, dass die Stadtverordnetenversammlung nach der Wahl entscheide, dass die unzulässigen Kandidaten ausscheiden. Andere Bewerber rücken in diesem Fall nach.

Wiesbaden - Hacker beantragen Briefwahlunterlagen für den OB

In Wiesbaden entdeckte der Chaos Computer Club ein Datenleck bei der Briefwahl. Die Hacker konnten die Briefwahlunterlagen im Namen von Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) anfordern und so leicht an seine Privatadresse gelangen. Sie hätten allerdings nicht an die Briefwahlunterlagen kommen können. Diese werden an die hinterlegte Meldeadresse geschickt.

Bad Homburg - Zu viele Kandidaten auf der Liste

Bei den Ortsbeiratswahlen in Bad Homburg sind neun Sitze zu vergeben. Entsprechend dürfen auf dem Stimmzettel auch nur neun Kandidaten pro Liste stehen. In drei Ortsbezirken wurden jedoch auf dem Musterstimmzettel mehr Kandidaten aufgelistet. So landeten darauf auch Bewerber, die gar nicht gewählt werden könnten. Die Stadt will nun neue Muster verteilen. Die offiziellen Stimmzettel sind von dem Fehler nicht betroffen.

Übrigens: Auch bei der Oberbürgermeisterwahl in Bad Homburg 2015 gab es Probleme. Ein missverständlicher Stimmzettel "empfahl" bei der Stichwahl den Amtsinhaber. Die Stadt musste ihn neu drucken lassen.

Darmstadt - Bewerber wollen gar nicht

Diese "Panne" ist Absicht - und ein auch anderswo erprobter, umstrittener Wahlkampftrick: In Darmstadt kandidieren Kämmerer André Schellenberg und Bürgermeister Rafael Reißer für die Stadtverordnetenversammlung. Sie stehen auf den Listenplätzen 1 und 2 der CDU. Das Problem: Beide sind Mitglieder des Magistrats. Als hauptamtliche Beamte der Stadt dürfen sie gar nicht gleichzeitig ins Parlament einziehen. Das verbietet die HGO. Sie müssten sich in dieser Funktion nämlich selbst kontrollieren.

Warum das Ganze also? Dem Darmstädter Echo gegenüber machte Schellenberg klar, dass die Partei die Bekanntheit der beiden nutzen wolle. "Wir hoffen, dass wir so mehr Stimmen ziehen", sagte er der Zeitung offen. Wählertäuschung sieht er darin jedoch nicht. Die Wähler in Darmstadt wüssten schließlich, dass er und Reißer nicht ins Parlament wollen.

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