Was ist ein Trendergebnis? Warum habe ich so viele Stimmen? Und was wird überhaupt gewählt? hessenschau.de hat die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Kommunalwahlen zusammengestellt.

Kommunalwahlen Hessen
Bild © picture-alliance/dpa

Was wird gewählt?

Am 6. März werden in Hessen die kommunalen Vertretungen gewählt. Dabei handelt es sich um Gemeindevertretungen und Stadtverordnetenversammlungen (Gemeindewahlen) sowie um die Landkreistage (Kreiswahlen). In vielen Städten gibt es zudem noch Ortsbeiräte für einzelne Ortsbezirke, die neu bestimmt werden müssen.

Gibt es noch weitere Wahlen?

Ja, in insgesamt 38 Gemeinden finden am gleichen Tag auch noch die Direktwahlen der Bürgermeister statt. Eine Übersicht finden Sie hier. Zudem stimmen vier Gemeinden im Odenwald (Beerfelden, Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck) über eine Fusion ab, und in Feldatal gibt es einen Bürgerentscheid über einen Windpark.

Wie viele Parteien und Kandidaten treten an?

Landesweit treten 17 Parteien und 566 Wählergruppen zu den Kommunalwahlen an. Die meisten gibt es in Frankfurt: Dort kämpfen 20 Parteien und Wählergruppen um den Einzug in die Stadtverordnetenversammlung. Wesentlich überschaubarer geht es in Rasdorf und Sensbachtal zu: Dort gibt es jeweils nur eine einzige Liste. Insgesamt bewerben sich knapp 51.000 Kandidatinnen und Kandidaten bei den Gemeinde- und Kreiswahlen um Mandate.

Wer darf wählen?

Wählen dürfen alle volljährigen EU-Bürger, die seit mindestens drei Monaten (Stichtag: 6. Dezember) ihren Wohnsitz in Hessen haben. Insgesamt sind nach Angaben des Statistischen Landesamtes (HSL) rund 4,7 Millionen Menschen in Hessen zur Wahl aufgerufen. Darunter sind 360.000 nichtdeutsche EU-Bürger sowie 97.000 Erstwähler.

Warum habe ich so viele Stimmen?

Die Wähler haben so viele Stimmen, wie das zu wählende Gremium Mitglieder hat. Gemeindevertretungen können – abhängig von der Größe der Stadt oder Gemeinde – 15 bis 93 Mitglieder haben. Kreistage haben 51 bis 93, Ortsbeiräte 3 bis 19 Mitglieder. Entsprechend viele Stimmen haben die Wähler.

Wer hat die meisten Stimmen?

Das dürften vermutlich die Einwohner der Hanauer Stadtteile Großauheim und Wolfgang sein. Sie haben bei den Kommunalwahlen 157 Stimmen pro Wähler (Stadtverordnetenversammlung 53, Ortsbeirat 17, Kreistag 87).

Gibt es einen oder mehrere Stimmzettel?

Für jede Wahl – Gemeindewahl, Kreiswahl, Ortsbeiratswahl – gibt es eigene Stimmzettel. Hinzu kommen gegebenenfalls Stimmzettel für Bürgermeisterwahlen und Bürgerentscheide.

Wie sieht der Stimmzettel aus?

Vor allem ist er groß. Auf den Stimmzetteln werden alle Kandidatinnen und Kandidaten aller Parteien und Wählergruppen mit vollem Namen sowie eventuell Geburtsjahr, Wohnort oder Berufsbezeichnung genannt. In Frankfurt beispielsweise gibt es 20 Parteien und Wählergruppen mit jeweils bis zu 93 Kandidaten – mit einer Breite von 1,50 Metern ist der Stimmzettel dementsprechend groß.

Was ist Kumulieren und Panaschieren?

Seit 2001 darf in Hessen kumuliert und panaschiert werden. Damit können Wähler ihre Präferenzen für bestimmte Kandidaten ausdrücken. Einzelnen Kandidaten können sie nicht nur eine, sondern bis zu drei Stimmen geben (kumulieren oder auch häufeln). Zudem ist es möglich, die Stimmen auf die Kandidaten verschiedener Listen zu verteilen (panaschieren). Sie können aber auch Kandidaten, die ihnen nicht gefallen, herausstreichen. Es ist auch möglich, nur ein einziges Kreuz zu machen. Das dazugehörige Feld befindet sich in der Regel am Kopf jeder Liste neben dem Parteinamen. Die Stimmen jedes Wählers verteilen sich dann auf alle Kandidaten der Liste. Genauer erklärt wird das Wahlsystem in unserem Erklärvideo.

Wo kann ich am 6. März wählen?

Ihre Stimmen abgeben können Sie nur in einem bestimmten Wahllokal. Welches das ist, erfahren Sie auf den Wahlbenachrichtigungen, die seit Anfang Februar verschickt wurden.

Was ist, wenn ich keine Benachrichtigung bekomme habe?

Wenn Sie bis drei Wochen vor der Wahl keine Wahlbenachrichtigung bekommen haben, setzen Sie sich am besten mit dem zuständigen Wahlamt Ihrer Gemeinde in Verbindung. Möglicherweise sind Sie nicht oder mit falschen Angaben in das Wählerverzeichnis eingetragen.

Kann ich auch ohne Wahlbenachrichtigung wählen?

Ja. Die Wahlbenachrichtigung ist nicht zwingend notwendig. Es reicht auch, wenn Sie sich im Wahllokal mit einem Personalausweis oder einem Reisepass ausweisen.

Kann ich auch per Briefwahl wählen?

Klar. Die Unterlagen können Sie entweder persönlich im Wahlamt abholen oder beantragen. Dann werden sie Ihnen zugeschickt. In der Regel ist das nur schriftlich (per Mail, Fax oder Brief) möglich, nicht telefonisch. Die dazu nötigen Angaben finden Sie auf den Wahlbenachrichtigungen, die seit Anfang Februar verschickt werden. Möglich ist die Briefwahl bereits seit Ende Januar. In der Regel können Sie auch direkt auf dem Wahlamt Briefwahlunterlagen beantragen und sofort ausfüllen. Das geht meistens bis Freitagmittag vor dem Wahltag. Ansonsten gilt: Die Unterlagen müssen bis zum 6. März um 18 Uhr beim Wahlamt vorliegen.

Wer ist verantwortlich für die Wahl?

Im Gegensatz zu einer Landtagswahl gibt es keinen Landeswahlleiter, der für die Wahl verantwortlich zeichnet. Rein juristisch handelt es sich um 447 voneinander unabhängige Wahlen (426 Städte und Gemeinden sowie 21 Landkreise), die nur am gleichen Tag durchgeführt werden.

Wieso gibt es dann trotzdem ein Landesergebnis?

Das Landesergebnis errechnet sich aus den Ergebnissen der 21 Landkreise und der 5 kreisfreien Städte.

Wann stehen die Ergebnisse fest?

Spät. Im Gegensatz zu Bundes- oder Landtagswahlen gibt es keine Hochrechnungen ab 18 Uhr. Das erste Ergebnis lief bei den Kommunalwahlen vor fünf Jahren um 19:20 Uhr ein – die letzten wurden erst weit nach Mitternacht gemeldet. Es handelt sich bei diesen Zahlen aber nur um so genannte Trendergebnisse.

Wie unterscheidet sich das Trendergebnis vom vorläufigen Ergebnis?

Wegen des komplizierten Wahlsystems (Kumulieren und Panaschieren) werden am Wahltag zunächst nur die Stimmzettel gezählt, auf denen die Wähler einfache Listenkreuze gemacht haben. Daraus ergibt sich das Trendergebnis. Am Tag nach der Wahl werden dann die übrigen Stimmzettel ausgewertet. Das sich daraus ergebende vorläufige Ergebnis steht dann erst nach ein paar Tagen fest. Bis zum offiziellen Endergebnis dauert es noch ein paar Tage länger.

Hat das Ergebnis Auswirkungen auf die Landespolitik?

Nein, hat es nicht. Es gilt aber allgemein als Stimmungstest für die Politik der Landes- oder gar Bundesregierung.

Das könnte Sie auch interessieren