Windkraftgegner Neuhof
Bei der Kommunalwahl profitierten auch die Windkraftgegner in der Gemeinde Neuhof als politische Kraft: Manfred Apel (l.) und Gunther Rose. Bild © Michael Pörtner/hr

Im Kreis Fulda haben die Bürger die Kommunalwahlen auch für ihren Protest gegen Windkraftanlagen und die Stromtrasse "Suedlink" genutzt. In vielen Gemeinden profitierten Bürgerlisten und die FDP, Parteien pro Windkraft wurden abgestraft.

Vor seiner Haustür im Neuhöfer Ortsteil Dorfborn (Fulda) schaut Ortsvorsteher Manfred Apel auf die Höhenzüge ringsum. Bis zu 20 Windräder sollen hier aufgestellt werden. "Wir liegen in einem wunderschönen, idyllischen Bereich, sehr dicht bewaldet, ein Naherholungsgebiet für uns", schwärmt er, "und wenn man sich vorstellt, dass hier einmal bis zu 200 Meter hohe Windräder stehen sollen".

Bei der Kommunalwahl am Sonntag stand Apel steht auf Platz eins der Bürgerliste Neuhof (BLN). Nur fünf Monate nach ihrer Gründung erzielte sie aus dem Stand fast 24 Prozent der Stimmen. Die Bürgerliste ging aus der Bürgerinitiative "Windstille Neuhof“ hervor, drei künftige Mandatsträger sind erklärte Windkraftgegner. Sie sehen in den geplanten Windkraftanlagen eine Verschandelung der Landschaft, sehen Vögel wie den Rotmilan und den Schwarzstorch in Gefahr, befürchten auch eine Minderung ihres Wohnwertes.

CDU, SPD und Grüne verloren in Neuhof Stimmen, die Bürgerliste habe dagegen vor allem Nicht-Wähler motiviert, meint deren Vorsitzender Gunther Rose. "Durch die Windkraft haben sich einfach noch mehr Menschen für die Politik interessiert und gesehen, was noch alles nicht so richtig läuft in Neuhof", sagt er. "Windkraft macht überhaupt keinen Sinn, auch nicht bei uns." Kurios: Sogar ein Mitglied der Grünen ist bei der Bürgerliste aktiv.

Neuhof ist kein Einzelfall

Neuhof ist keine Ausnahme in der Region: Auch im Nachbarort legten die "Bürger für Kalbach“ 20 Prozent zu. Überall dort, wo sich künftig Windräder drehen sollen, wurden deren politische Befürworter abgestraft. Davon profitiert auch die FDP, die gegen Windkraft ist. Belohnung: 28 Prozent in Burghaun-Langenschwarz, 22 Prozent in Hofbieber-Traisbach, 12 Prozent in Hünfeld-Dammersbach - alles geplante Standorte für Windräder.

Allerdings - einen wirklich großen politischen Einfluss sieht auch Rose nicht, weil die Gemeinden nur Stellung nehmen dürfen, aber nicht entscheiden können. "Wir wollen aber ein Signal setzen."

Auch "Suedlink"-Trasse erhitzt Gemüter

In Fulda-Gläserzell erreichte eine Bürgerliste bei der Ortsbeiratswahl sogar sensationelle 41 Prozent. Hier sind zwar keine Windräder geplant, dafür sorgt die Gleichstromtrasse "Suedlink" für erhitzte Gemüter. Sie soll den Stadtteil tangieren - auf Platz eins der Bürgerliste steht ein Gegner der Stromtrasse. Die Kommunalwahl wurde von vielen Bürgern offenbar auch als Denkzettel für die Energiewende genutzt.

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