AfD-Wahlplakat in Frankfurt
AfD-Wahlplakat in Frankfurt Bild © Imago

Ergebnisse von mehr als 22 Prozent für die AfD - Meldungen wie diese sorgten unmittelbar nach der Kommunalwahl für Furore. Nach Auszählung aller Stimmzettel fallen die Zahlen der Rechtspopulisten vielerorts deutlich moderater aus. Warum eigentlich?

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Als Bad Karlshafen am Sonntag um 18:45 Uhr das Ergebnis der Kommunalwahl ans Statistische Landesamt meldete, war dem kleinen Kurort im Norden landesweite Aufmerksamkeit gewiss. Immerhin waren die Nordhessen zum wiederholten Male die schnellsten bei der Auszählung. Dass Bad Karlshafen dann aber sogar bundesweit für Schlagzeilen sorgte, hatte einen anderen Grund: 22,3 Prozent hatte die AfD im Trendergebnis erzielt.

Einige Tage später wurde das angekratzte Bild von Bad Karlshafen ein wenig zurecht gerückt: Laut vorläufigem Ergebnis der Kommunalwahl erreichte die AfD dort 14 Prozent. Das ist immer noch viel, aber doch deutlich weniger als im Trendergebnis. So wie in Bad Karlshafen ging es in nahezu allen Gemeinden, in denen die AfD angetreten war. Überall schrumpften die Ergebnisse der Partei zusammen. Ihr bestes Ergebnis erzielt sie nun in Dietzenbach mit 14,7 Prozent.

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Auch bei den Landkreisen gingen die AfD-Werte in den meisten Fällen nach unten, wenn auch etwas geringer (maximal um 2,5 Prozentpunkte). Im Landesergebnis, das am Mittwoch bekannt gegeben wurde, ist ebenfalls nur ein schwacher Rückgang festzustellen: Statt 13,2 Prozent, wie im Trendergebnis, wählten nur 11,9 Prozent die AfD. Hessenweit betrachtet bleiben die Rechtspopulisten damit aber dennoch - wie bereits im Trend - drittstärkste Kraft in Hessen.

Doch woran liegt es eigentlich, dass die Ergebnisse der AfD so stark zurückgingen? Das hängt vor allem mit dem Wahlsystem und dem möglichen Kumulieren und Panaschieren zusammen. Bei dem am Sonntag ausgezählten Trendergebnis wurden zunächst nur die Stimmzettel ausgewertet, auf denen die Wähler nicht kumuliert oder panaschiert und nur ein einfaches Listenkreuz gemacht haben. Seit Montag wurden dann alle Stimmzettel ausgezählt.

AfD-Wähler verzichten auf Möglichkeiten des Wahlrechts

Wenn nun bei einer Partei die Wähler besonders häufig auf Kumulieren oder Panaschieren verzichten, dann schneidet diese Partei im Trendergebnis zunächst deutlich besser ab. Genau das ist bei der AfD offenbar mit großer Regelmäßigkeit passiert, wie auch eine Nachfrage bei Wahlämtern bestätigte.

Warum dies gerade bei der AfD besonders häufig der Fall war, darüber lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise wollten viele Wähler nur die Partei AfD wählen und verzichteten darauf zu kumulieren und panaschieren, weil ihnen die Kandidaten der noch jungen Partei unbekannt waren. Ein anderer Ansatz: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Bereitschaft, die Möglichkeiten des Kommunalwahlrechts zu nutzen, mit dem Bildungsgrad der Wähler zusammenhängt. Heißt: Je schlechter die formale Bildung eines Wählers, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er kumuliert oder panaschiert. Das kann sich dann auch im Wahlergebnis einer Partei niederschlagen.

Dass der AfD-Anteil im Landesergebnis nur um 1,3 Prozentpunkte nach unten ging, ist auch keine Überraschung. Denn das Landesergebnis berechnet sich aus den Ergebnissen der Landkreise und der fünf Großstädte. Sowohl auf Kreisebene als auch in großen Städten wird jedoch deutlich weniger kumuliert oder panaschiert. Hier nutzt nur jeder dritte Wähler diese Möglichkeiten – in kleinen Gemeinden sind es hingegen auch mal mehr als 80 Prozent.

Nichts zu tun haben die gesunkenen Ergebnisse der AfD hingegen mit den teils kleinen Listen der Partei auf dem Stimmzettel. Das Problem vieler kleiner Parteien, dass sie aufgrund von zu wenigen Listenkandidaten nicht die volle Anzahl an Stimmen ausnutzen können, wird bereits bei der Berechnung des Trendergebnisses berücksichtigt.

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