Wölfersheim Wintergerste
Ein Bauer erntet in Wölfersheim Wintergerste. Der Ort war lange als NPD-Hochburg verschrieen. Nun tritt die Partei dort nicht mehr an. Bild © picture-alliance/dpa

Der Wetteraukreis orientiert sich schon lange zunehmend in Richtung Rhein-Main-Gebiet. Auch politisch tut er es dem großen Nachbarn Frankfurt gleich: In der langjährigen SPD-Hochburg lag zuletzt die CDU vorn. Die einst starke NPD spielt kaum noch eine Rolle.

Die Ausgangslage im Landkreis/in der Stadt

Wenngleich die CDU bei den zurückliegenden Kommunalwahlen jeweils die meisten Stimmen holen konnte, ist der Wetteraukreis in seiner Tendenz seit Jahrzehnten eher sozialdemokratisch geprägt. Die SPD stellt seit 1985 den Landrat des Kreises. Aktuell führt der 56 Jahre alte Sozialdemokrat Joachim Arnold in der zweiten Amtszeit die Geschäfte. Er wird von einer Koalition aus SPD, Grünen und FDP gestützt.  Seit mehreren Legislaturperioden ist auch die NPD im Kreistag mit mindestens zwei Mitgliedern vertreten. Der Kreis galt lange Zeit als Hochburg der NPD. Aktuell kandidiert die rechtsradikale Partei außer für den Kreistag auch für die Stadtparlamente in Büdingen und Altenstadt. Positiv: In Wölfersheim, wo die NPD 1997 mit knapp 23 Prozent reüssierte, tritt die Partei in diesem Jahr gar nicht mehr an.

Die größten Herausforderungen

Insbesondere dank der Nähe zum Ballungsraum, aber auch eines breiten Branchenmixes ist im Wetteraukreis die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Aktuell liegt die Arbeitslosenquote unter fünf Prozent. Von der wirtschaftlich guten Lage profitieren allerdings eher die Gemeinden im früheren Altkreis Friedberg. Zudem gibt es noch ein Nord-Süd-Gefälle. Während in Bad Vilbel und  Karben fast Vollbeschäftigung herrscht,  ist die Arbeitslosigkeit in den Ostkreis-Kommunen, dem Altkreis Büdingen deutlich höher. Gleichzeitig  verlieren die Städte und Gemeinden im Ostkreis durch Wegzug  auch leicht an Bevölkerung.  Büdingen verzeichnet innerhalb von sechs Jahren ein Minus von rund 400, im kleineren Nidda gab es im gleichen Zeitraum sogar einen Rückgang von 1.300 Einwohnern. Bad Vilbel ist dagegen in den letzten Jahren um rund 500 Einwohner gewachsen. Insgesamt aber stagniert die Einwohnerzahl im Wetteraukreis nach einem zuvor leichten Anstieg seit etwa zehn Jahren bei etwa 300.000.

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Der Landkreis im Kurzporträt

Der Wetteraukreis ist durch den wertvollen Boden in der Aue entlang des Flusses Wetter seit Jahrtausenden von der Landwirtschaft geprägt. Auch heute gilt die Region wegen des starken Getreideanbaus noch als die Kornkammer Hessens. Die Aue liegt zwischen Taunus und Vogelsberg, die die Randbezirke wesentlich mitprägen. Im Süden reicht der Kreis bis vor die Tore Frankfurts. Historisch eher nach Gießen orientiert, versteht sich die Region inzwischen als Teil des Ballungsraumes Rhein-Main. Der östliche Kreis um Nidda, Ortenberg und Büdingen gilt als eher strukturschwach. Im westlichen und südlichen Teil sind neben der Landwirtschaft auch die zahlreichen Mineralbrunnen prägendes Element. Die Stadt Bad Nauheim gilt zudem als eine der bekanntesten Kurstädte Deutschlands mit mehr als 700.000 Übernachtungen im Jahr. Im Kreis leben rund 300.000 Menschen.

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Das Topthema vor der Wahl

Die hohe Zahl der Flüchtlinge belastet auch den Wetteraukreis. Jede Woche muss der Kreis rund 200 Menschen neu aufnehmen. Da nicht ausreichend feste Gebäude zur Verfügung stehen, muss der Kreis einen Teil der Menschen zumindest vorübergehend in Zelten und  Turnhallen unterbringen. Auch die Städte und Gemeinden suchen händeringend nach Unterkünften. Auseinandersetzungen, die sogar bis vor das Verwaltungsgericht gingen, gibt es außerdem um die Finanzierung der Flüchtlingsunterbringung. Im Gegensatz zu anderen Landkreisen hat der Wetteraukreis die Städte und Gemeinden verpflichtet, die Flüchtlinge 14 Tage nach ihrer Ankunft im Kreis aufzunehmen. Das Geld, das der Kreis pro Flüchtling dafür zahlt, sei für die Kommunen aber nicht auskömmlich, beklagen diese. Die Stadt Ortenberg und die Gemeinde Glauburg scheiterten allerdings ebenso mit ihren Klagen wie auch die Städte Karben und Bad Vilbel.

Das beschäftigt die Menschen noch

Ein weiteres großes Streitthema im Kreis sind die Kosten für die Schülerbeförderung. Bei Überprüfungen der Schulwege in mehreren Gemeinden wurde von der Behörde festgestellt, dass den Schülern zuzumuten sei, zu Fuß in die Schule zu gehen. Die Wege fielen dadurch aus der Kategorie "unsicher“ heraus, so dass der Bustransport der Kinder nicht mehr vom Kreis bezahlt wird. Die Eltern müssen die Kosten selbst übernehmen.

Eine breite Diskussion wird vor allem in Butzbach, Münzenberg und Rockenberg über die dort geplanten Windkraftanlagen geführt. Neben den üblichen Argumenten wie Vogelschutz, Nähe zur Wohnbebauung, Landschaftsverschandelung und Infraschall wird hier auch eine von den Initiativen postulierte fehlende Rentabilität der Anlagen ins Feld geführt. Ein weiteres wichtiges Thema ist der Breitbandausbau. Der Kreis hat dazu eine eigene Gesellschaft gegründet.

Beherrschendes Thema in der Stadt Bad Nauheim ist unterdessen die Zukunft der Ende letzten Jahres geschlossenen Therme. Obwohl über Neubau oder Sanierung bereits seit rund zehn Jahren diskutiert wird, können sich die Stadtverordneten nicht einigen. Der bereits gefasste Beschluss für eine Sanierung wurde aufgehoben. Jetzt wird wieder ein Neubau bevorzugt. Durch diese Entwicklung ist auch ein massiver Streit zwischen dem christdemokratischen Bürgermeister Armin Häuser und der CDU-Fraktion entstanden.

Das sind die wichtigen Köpfe

Die Zeiten, als Wetterauer Politiker ganz vorne in der Bundespolitik mitmischten, sind schon lange vorbei. Gut zwei Jahre lang war die Sozialdemokratin Nina Hauer unter der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder parlamentarische Geschäftsführerin der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion. Nachdem die heute 48-Jährige 2009 aber ihren Wahlkreis an Lucia Puttrich verlor, hat sie sich aus der Politik weitgehend zurückgezogen. Puttrich bekleidet daher von den Wetterauer Politikern als hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten das höchste Amt. Sie ist gleichzeitig auch CDU-Kreisvorsitzende in der Wetterau. Für die CDU im Bundestag sitzt der frühere Butzbacher Bürgermeister Oswin Veith. Er ist Spitzenkandidat seiner Partei bei den Kommunalwahlen. Dem Landtag  gehört der Christdemokrat Tobias Utter an, für die Sozialdemokraten sitzt Lisa Gnadl in Wiesbaden. Da es an weiterer Prominenz fehlt, tritt bei den Kommunalwahlen für die SPD Landrat Joachim Arnold als Spitzenkandidat an, obwohl er als hauptamtlicher Kreisbeamter sein Mandat gar nicht annehmen kann.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Der Wetterauer Landrat setzt vor allem auf eine weitere Konsolidierung des Haushaltes. Nachdem der Kreis dreimal in Folge einen positiven Jahresabschluss erzielt hat, darf der Kreis schon vorzeitig den Rettungsschirm des Landes verlassen. Dadurch gibt es keine Auflagen des Landes mehr, auch die Stellenbesetzungssperre ist aufgehoben. Im Zuge der starken Flüchtlingszugänge wird deswegen erstmals seit Jahren wieder eine größere Zahl an Personal eingestellt. Trotzdem soll weiter gespart werden.

Hier wird es besonders eng

In der Kreisstadt Friedberg könnte es nach der knappen Entscheidung vor fünf Jahren erneut ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der SPD und der CDU geben. Die Union hatte sich nur knapp mit 0,3 Prozentpunkten Vorsprung durchgesetzt, beide Parteien sind mit 15 Stadtverordneten im Parlament vertreten. Die nach der letzten Kommunalwahl gebildete rot-grüne Koalition war nach nur eineinhalb Jahren von den Grünen aufgekündigt worden. Mit einem knappen Ausgang zwischen den beiden großen Parteien wird auch in Nidda gerechnet. In Büdingen könnte es sogar einen Dreikampf zwischen CDU, SPD und Freien Wählern geben.

Hier wird die Wahl eine klare Angelegenheit

Bad Vilbel gilt schon seit vielen Jahren als Wetterauer CDU-Hochburg. Lange herrschten hier fast bayrische Verhältnisse. Allerdings ging der Stimmenanteil bei den vergangenen Wahlen zur Stadtverordneten-Versammlung von über 62 Prozent im Jahr 2001 auf 46,7 Prozent der Stimmen vor fünf Jahren zurück. Damit verlor die Union ihre absolute Mehrheit und bildete mit der FDP eine Koalition. Auch in Bad Nauheim hat die Union beste Chancen, erneut stärkste Kraft im Stadtparlament zu werden. Bei einem eigenen Stimmenanteil von rund 33 bis 36 Prozent blieben die anderen Parteien bei den zurückliegenden Jahren fast durchweg unter 20 Prozent.

Die Stadt Florstadt gilt unterdessen als die Hochburg der SPD. Bei den letzten drei Kommunalwahlen kam sie jeweils auf rund 60 Prozent.

Diese Entscheidungen stehen noch an

Zeitgleich mit der Kommunalwahl finden in Bad Vilbel und Karben auch noch Bürgermeisterwahlen statt. In Bad Vilbel stellt sich Amtsinhaber Thomas Stöhr (CDU) zwei Herausforderern. In Karben hat Rathauschef Guido Rahn nur eine Rivalin.

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