Sandro Wagner Darmstadt 98
Da hilft auch kein Beten: Sandro Wagner und den Lilien fehlt gegen Leverkusen das nötige Glück. Bild © Imago

Die Enttäuschung der Lilien ist nach der Pleite gegen Leverkusen und zwei umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen riesig. Trainer Dirk Schuster ist trotzdem stolz auf sein Team und hofft auf Punkte beim nächsten Spiel. Doch da gibt es ein Problem.

Die Fans von Darmstadt 98 hatten den Hauptschuldigen der 1:2-Niederlage ihrer Lilien gegen Bayer Leverkusen am Samstag schnell gefunden. Schiedsrichter Jochen Drees wurde nach Schlusspfiff mit einem gellenden Pfeifkonzert bedacht und musste sogar mit Regenschirmen vor möglichen Wurfgeschossen geschützt und in den Kabinengang begleitet werden. Der Unparteiische hatte vorher zwei zumindest strittige Entscheidungen zu Gunsten der Werkself getroffen und damit vermeintlich den Sieg der Gäste begünstigt.

Von Kritik oder Vorwürfen der Darmstädter in Richtung des Schiedsrichters war in der Mixed-Zone oder auf der Pressekonferenz anschließend allerdings nichts zu hören. Die Abseitsposition vor dem Freistoß, der zum Eigentor von Aytac Sulu und dem Ausgleich (62. Minute) führte – oder das mögliche Foul im Strafraum an Mario Vrancic unmittelbar vor dem Konter, den der Leverkusener Julian Brandt zum Siegtreffer (77.) nutzte? Geschenkt. "Für mich war das eher kein Elfmeter", war der einzige Kommentar von Trainer Dirk Schuster, der auf Selbstkritik statt Beschuldigung setzte: "Wir können beide Situationen besser verteidigen."

Gut gespielt - und trotzdem verloren

Bis auf diese beiden letztlich folgenschweren Aktionen war der Lilien-Coach mit seinem Team jedoch vollends zufrieden. "Es hat heute eigentlich alles funktioniert", so Schuster. "Wir haben alles abgerufen, sind über unsere Grenzen hinausgegangen und haben einem Champions-League-Teilnehmer das Leben richtig schwer gemacht." Einen Sieger hätte das Spiel für Schuster nicht verdient gehabt, mindestens ein Remis wäre verdient gewesen. Da der Fußballgott an diesem Nachmittag allerdings kein Darmstädter war, standen die Lilien am Ende mit leeren Händen da und mussten die insgesamt sechste Heimniederlage verkraften. "So ist das eben manchmal im Fußball", sagte Schuster. 

Alleine in der ersten Hälfte erspielten (!) sich die Lilien so viele Torchancen wie sonst wohl nur im Training. Insgesamt acht Mal prüften die Hausherren in den ersten 45 Minuten Bayer-Keeper Bernd Leno und stellten damit für sie einen neuen Saison-Bestwert auf. Vor allem die Versuche von Luca Caldirola mit dem Kopf (22.) und von Peter Niemeyer aus der Distanz (31.) hätten Treffer verdient gehabt, das Abstauber-Tor von Sandro Wagner (28.) sollte jedoch das einzige Erfolgserlebnis bleiben. "Das ist eine sehr, sehr bittere Niederlage", ärgerte sich der Torschütze nach der Partie im Gespräch mit dem hr-sport. "Es fühlt sich nicht gut an heute."

Gelb-Flut sorgt für Spieler-Engpass

Denn auch im zweiten Durchgang hatte das Team von Coach Schuster zunächst alles im Griff. Die Gäste aus Leverkusen fanden auf dem tiefen Geläuf nie richtig zu ihrem Kombinationsspiel und hatten mit der robusten Darmstädter Gangart sehr zu kämpfen. "Wir haben sie mit unserer harten Zweikampfführung beeindruckt und sogar zu langen Bällen gezwungen", lobte Schuster. "Wir können auf unsere Leistung stolz sein." Erst mit der Einwechslung von Hakan Calhanoglu und dem bereits thematisierten fragwürdigen Freistoß nahm das Lilien-Unheil seinen Lauf und das Spiel letztlich doch noch einen negativen Ausgang. "Wir müssen jetzt unsere Lehren ziehen, die Mannschaft aufbauen und dann gut gerüstet ins nächste Auswärtsspiel gehen", so Schuster.

Genau an dieser Stelle gibt es jedoch ein Problem. Denn mit Aytac Sulu, Jerome Gondorf, Peter Niemeyer, Konstantin Rausch und Marcel Heller sahen gleich fünf Stammspieler gegen Leverkusen ihre fünfte (im Falle von Niemeyer sogar die zehnte) Gelbe Karte und dürfen deshalb die Reise zum FC Bayern München am nächsten Wochenende nicht mit antreten. Erst im richtungsweisenden Spiel eine Woche später gegen den direkten Abstiegskampf-Konkurrenten Werder Bremen darf das Quintett wieder eingreifen. "Wir werden schon genug Leute finden", versprach Schuster mit einem Grinsen. "Richtig hoch hätten wir da vermutlich aber sowieso nicht gewonnen." Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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9 Kommentare

  • Und bei beiden Toren war es vorher eine Abseitsposition. Auch der Pass auf Torschütze Brandt (!) - zwar schwer zu erkennen, aber abseits ...
    Und in der Schlussphase gab es auch 2 Gelbe für Leverkusen ...
    und schon in der 37. für Gondorf - das war so "Nie und Nimmer" geplant ....
    Da wird jetzt wieder alles Mögliche interpretiert ...

  • Liebe Hessenschau,

    Sandro Wagner hat nicht mit dem Fußballgott gehadert. Sein Handzeichen symbolisierte ein Kopfkissen, mit dem Hinweis an die Darmstädter Fans im A-Block doch bitte nicht einzuschlafen! Deren Unterstützung lässt nämlich schon seit längerem zu wünschen übrig!

  • Finde es lustig, wie man sich aufgrund der Gelbflut hier noch ungerecht behandelt fühlen kann. Wer sich die TV-Bilder anschaut, hat keinen Zweifel an der Berechtigung der gelben Karten und ein Blick auf den Spielplan verrät auch schnell den Grund für die so "unberechtigte" Gelbflut...

    Schade, das der Schiri nichts gegen den Plan der Darmstädter machen konnte - rein regeltechnisch hat er halt alles richtig gemacht. Diesbezüglich muss man Schuster und dem SVD zu diesem taktisch guten Schachzug gratulieren!

    Vielleicht merken es ja auch die sich so ungerecht behandelt Fühlenden noch irgendwann; -)

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