Eintracht Fans Köln
Die Spieler der Frankfurter Eintracht geraten in Erklärungsnot. Bild © Rhode/Storch

Eintracht Frankfurt befindet sich nach der Niederlage in Köln mehr denn je im Abstiegskampf. Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Armin Veh sprechen am Tag danach die Fehler offen an und fordern Veränderungen.

Der Sonntag begann für die Profis von Eintracht Frankfurt so, wie er für viele Menschen traditionell endet: vor dem Fernseher. Trainer Armin Veh bat seine Mannschaft nach der enttäuschenden 1:3-Niederlage beim 1. FC Köln zur Video-Analyse und zeigte den Spielern noch einmal alle ihre Fehler auf. Eine Viertelstunde lang präsentierte Veh einen Zusammenschnitt mit verlorenen Zweikämpfen, Stellungsfehlern sowie unnötigen Ballverlusten und fand dabei deutliche Worte, wie Makoto Hasebe verriet: "Er war heute lauter als sonst", sagte der Japaner. "Aber das ist gut so. Die Lage ist ernst."

Willkommen im Abstiegskampf

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Wie ernst, verdeutlicht ein Blick auf die Tabelle: Die Eintracht hat nach 21 Spieltagen nur noch einen Punkt Vorsprung auf Relegationsplatz 16, die direkten Abstiegsplätze sind nur noch sechs Zähler entfernt. "Die Sorge ist natürlich da", sagte Bruno Hübner. Der Sportdirektor mahnte an, dass der Abstand zum sicheren Mittelfeld immer größer werde und die Eintracht wohl eines von fünf bis sechs Teams sei, die bis zum Schluss gegen den Abstieg kämpfen müssen. "Wir müssen wachsam sein", schlug er vorsichtig Alarm.

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zum Video Armin Veh: "Viel zu offen gespielt"

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Dabei hatte beim Gastspiel in Köln doch alles so verheißungsvoll begonnen. Die Eintracht führte nach dem zwölften Saisontreffer von Alex Meier (24. Minute) mit 1:0 und war kurzzeitig auf einem guten Weg zum ersten Sieg in der Domstadt seit 22 Jahren. Selbst der schnelle Ausgleich durch Yannick Gerhardt (30.), der von einem kapitalen technischen Fehler des Mexikaners Marco Fabián profitierte, änderte an der Überlegenheit der Gäste erst einmal nichts. "Wir haben es zu Beginn wirklich gut gemacht", lobte Trainer Veh.

Nach dem zweiten Tor bricht die Eintracht auseinander

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zum Video Meier: "Er war einfach schlecht"

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Der Knackpunkt im Spiel der Hessen folgte dann allerdings in der 57. Minute. Nach einem fragwürdigen Freistoß wegen eines vermeintlichen Fouls von Fabián an Marcel Risse verlor Hasebe Kölns Innenverteidiger Dominique Heintz aus den Augen und konnte den ehemaligen Lauterer nicht am Köpfen hindern. Die Folge: das 2:1 für den FC – und eine ab diesem Zeitpunkt völlig unsortierte Eintracht. "Sobald etwas nicht Geplantes passiert, verlieren wir komplett die Ordnung", kritisierte Veh. "Wir schaffen es dann nicht mehr, die Mitte dichtzuhalten."

Ganz unschuldig an der defensiven Unordnung war allerdings auch Veh nicht. Unmittelbar nach dem Rückstand hatte der Eintracht-Coach den stark gelb-rot-gefährdeten Hasebe vom Platz genommen und mit Haris Seferovic einen frischen Stürmer gebracht. Auf der Doppelsechs spielten fortan mit Szabolcs Huszti und Marc Stendera zwei Spieler, deren Stärken eher im Herausspielen als im Verhindern von Chancen liegen. Die dringend benötigte Absicherung im zentralen Mittelfeld gab es deshalb in der Folgezeit nicht mehr, Platz für Kölner Konter hingegen zur Genüge. Und einen davon nutzte Anthony Modeste zur Entscheidung (72.).

Hübner mahnt zur Vorsicht - bleibt aber cool

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"Wir wollten zu schnell den Ausgleich machen", monierten Veh und Hübner am Tag danach unisono und kündigten Konsequenzen an. "Wir müssen uns Gedanken machen und an den Fehlern arbeiten", sagte der Sportdirektor. "Wir müssen etwas ändern, die Mitte darf niemals so offen sein", ergänzte der Trainer. Neben der richtigen Staffelung in der Defensive müsse vor allem das Verhalten bei Standard-Situationen überdacht werden, so Veh, der zudem die fast schon unterirdische Zweikampfführung mit lediglich 37 Prozent gewonnener Duelle verbessern muss.

Die erste Chance, die guten Vorsätze in die Tat umzusetzen, bietet sich der Eintracht schon am Freitag (20.30 Uhr) gegen den Hamburger SV. Bei einer weiteren Pleite droht den Frankfurtern erstmals in dieser Saison der Absturz auf den Relegationsrang. Von Untergangsstimmung ist deshalb derzeit aber noch nichts zu spüren. "Wir haben es selbst in der Hand, die Qualität ist nach wie vor vorhanden", so Hübner: "Aber es wird natürlich von Spiel zu Spiel schwieriger."

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142 Kommentare

  • Veh meint, die Schlüsselszene in der 56. Minute wäre entscheidend gewesen.
    Kein Freistoß - schlechter Schiedsrichter.
    Dabei lag der Referee mit seiner Entscheidung völlig richtig. Denn als der Frankfurter Marco Fabien auf dem nassen Rasen mit Tempo und viel Risiko grätschte, ohne den Ball zu treffen, musste der Kölner Marcel Risse schon hochspringen, um nicht abgeräumt zu werden. Regeltechnisch handelte es sich um ein Bein stellen, beim dem bereits der Versuch strafbar ist.

    Weiterhin hätte Hasebe (2 x ermahnt + 1 x verwarnt)mit gelb-rot vom Platz gehört.

    Auch das Foul von Fabian in der 69. Minute an den Kölner Hector hätte mancher Schiri als Elfmeter gepfiffen.

    Also: Fabian ermöglicht das erste Gegentor. Fabian ist der Auslöser des Freistoßes, der zum zweiten Gegentor führte. Und Fabian hatte Glück, dass der Schiri nach seinem Strafraum-Foul keinen Elfmeter gepfiffen hat.

    Aber Schuld sind immer die anderen. Was für eine Gurkentruppe.

  • Die Eintracht sollte mal darüber nachdenken wie Hoffenheim einem jungen unverbrauchten Trainer eine Chance zu geben !!!
    Wenn man glaubt das ein Trainer der mit der Aussage ich sehe hier keine Perspektiven mehr , ohne Rückrat,noch einen Blumentopf gewinnen zu können
    muss ganz schön naiv sein ( Vorstand )

  • Keine Spielanalyse, aber ein paar generelle sarkastische Bemerkungen eines Fans von "Liga-Urgesteinen" (Hamburger SV, 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Schalke 04, 1. FC Nürnberg [zz leider im "Exil" der 2. Bundesliga] und auch Eintracht Frankfurt):
    Die Lage der Eintracht spitzt sich NICHT weiter zu, sondern der Mannschaft steht bereits das Wasser bis Oberkante Unterlippe. Ist eigentlich das Ziel der Verantwortlichen (Mannschaft, Trainer, Management) das entschlossene "Nie mehr 1. Liga"?
    Wenn ja, dann ist man bei der Eintracht auf einem "guten" Weg. Vielleicht können Vereine wie Werder Bremen und Hannover 96 ein paar hilfreiche Tipps geben, wie sich das Desaster noch effektiver gestalten lässt.

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