Niko Kovac
Niko Kovac vertraut auf Beistand von oben. Bild © Imago

Während Coach Niko Kovac auf dem Trainingsplatz eine Bibel signiert, werden im Umfeld der Frankfurter Eintracht die Rufe nach "Fußballgott" Alexander Meier immer lauter.

Die Bitte nach einem Autogramm ist für Eintracht-Coach Niko Kovac nun wirklich nichts Außergewöhnliches. Gerade bei den nur noch rar gesäten öffentlichen Trainingsterminen stehen die Kiebitze an der Frankfurter Arena für ein gemeinsames Foto oder ein signiertes Trikot regelmäßig Schlange. Dass der 45-Jährige seine Unterschrift in eine Bibel setzen soll, ist aber doch die Ausnahme.

"Man kann nie genug Leute haben, die für einen beten", meinte Kovac am Donnerstag auf den entsprechenden frommen Wunsch eines weiblichen Anhängers dennoch gelassen, und ließ sich von Pressesprecher Carsten Knoop mitten während der Übungseinheit flugs mit einem Stift aushelfen. Es blieb nicht die einzige unkonventionelle Maßnahme des Fußball-Lehrers an diesem Vormittag.  

Hasebe in Japan operiert

Offenbar inspiriert von der biblischen Begegnung nahm sich Kovac die Zeit, um über Gott und die Welt zu philosophieren. Während seine Assistenten die Profis mit Kleinfeld-Spielchen und Torschussübungen bei Laune hielten, plauderte der Kroate angeregt an der Seitenlinie des Trainingsplatzes. Die Macht der Worte, der Wandel der Zeit oder profane Dinge wie die aktuelle Personallage seines Kaders waren Thema des Diskurses.

Makoto Hasebe etwa, der absente Abwehrchef der Hessen, sei in seiner japanischen Heimat wie erwartet am Knie operiert worden, teilte Kovac mit. Ohne die genaue Diagnose zu kennen, schwante dem Coach bereits Böses: Kreuzband, Meniskus, Außenband oder Knorpel zählte Kovac als mögliche Verletzungen auf. Letzteres bewahrheitete sich schließlich wenig später. Bei Hasebe wurde ein freier Gelenkkörper im Knie entfernt und der Knorpel geglättet, wie der Club am Abend mitteilte. Die Saison ist für den 33-Jährigen beendet.

Blum klagt über schwere Beine

Lediglich eine kurze Verschnaufpause legten indes Alexander Meier und Marco Fabián ein. Den beiden zuletzt angeschlagenen Spielern wurde nach der hohen Belastung im Training eine Verschnaufpause im Kraftraum gegönnt. Den restlichen Akteuren ersparte Kovac – ganz im Zeichen der Nächstenliebe – die ursprünglich angesetzte Nachmittagseinheit gleich ganz.

Danny Blum
Danny Blum sehnt ein Tor herbei. Bild © Rhode/Storch

"Natürlich sind die Beine jetzt nach den zwei Tagen schwer", sagte Mittelfeldmann Danny Blum, "aber wir haben gut gearbeitet." Der 26-Jährige, der gegen den HSV wegen des kurzfristigen Hasebe-Ausfalls als System-Opfer aus der Startelf geflogen war, will im Heimspiel übernächstes Wochenende gegen Mönchengladbach wieder mit von der Partie sein. Und nachdem beim torlosen Remis gegen die Hamburger zumindest die Abwehr wieder stabiler stand, soll gegen Gladbach auch nach vorne mehr gehen. "Es wird mal wieder Zeit für ein Tor für uns", sagte Blum.

Rufe nach Meier werden lauter

Ob Alex Meier dabei mithelfen darf, ist fraglich. Die Rufe nach dem "Fußballgott" werden angesichts der Offensivflaute mit nur vier Treffern in neun Bundesliga-Spielen seit Jahresstart immer lauter. Coach Kovac sieht den langjährigen Knipser aber offenbar nicht als Lösung des Problems und lässt Meier immer häufiger auf der Bank schmoren.

Von einer Götterdämmerung kann laut Mitspieler Blum aber keine Rede sein: "Wir in der Mannschaft sehen ihn als ganz wichtigen Bestandteil." Neben den Abschlussqualitäten des 34-Jährigen sei Meier auf und neben dem Platz eine absolute Identifikationsfigur. "Er ist Vollprofi durch und durch, das sieht man jeden Tag. Von ihm kann man sehr viel lernen und mitnehmen", sagte Blum. Jetzt muss sich nur noch Coach Kovac überzeugen lassen. Denn dass der "Fußballgott" weiß, wo das Tor steht, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.  

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am Montag, 27.03.2017, 22.45 Uhr

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