Fans der Frankfurter Eintracht
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Darmstadt 98 hat sich in die Herzen vieler Fußball-Fans gespielt. Auch beim Derby-Gegner Eintracht Frankfurt blicken viele mit Respekt nach Südhessen – sehr zum Leidwesen der Hardcore-Anhänger.

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Beim Derby kämpfen am Sonntag die Eintracht und Darmstadt 98 um die fußballerische Vorherrschaft in Hessen. Doch die Frankfurter Fans ringen schon seit Beginn der Saison um die Deutungshoheit im Verhältnis zu den Lilien. Darf man als Eintracht-Anhänger mit dem SV98 sympathisieren? Darf man das Fußball-Märchen vom armen Traditionsverein, der es in die Bundesliga schafft, mögen? Oder sich gar ein wenig Lilien-Lust und Leidenschaft für die Heroen im schwarz-roten Trikot wünschen? Für viele Frankfurter Anhänger ist das trotz aller logischen Unterstützung fürs eigene Team offenbar denkbar – für den harten Kern der Fanszene aber ein Sakrileg.

Erst Applaus, dann "Lilienschweine"

Zum ersten Mal ließ sich dieses Phänomen bei der Heimspiel-Premiere der Eintracht am 22. August beobachten. Denn als damals der 1:0-Führungstreffer der Lilien beim FC Schalke auf dem Video-Würfel in der Frankfurter Arena eingeblendet wurde, war anerkennender Applaus von den Rängen zu vernehmen – und danach eine deftige Standpauke vom Ultras-Capo in der Fankurve. Mehrere Minuten lang forderte der Kopf des harten Kerns der Fans per Megafon die Kurve und das Stadion auf, "Lilienschweine" zu skandieren. Es war fast so, als sollten dem ehemaligen Waldstadion gute Gedanken an den Konkurrenten aus Südhessen rituell ausgetrieben werden.

Seit diesem Zeitpunkt haben die Ultras die Feindschaft zum SV98 mit Inbrunst gepflegt - mit Sprechchören, Spruchbändern und Magazinen, die vor dem Spiel verteilt wurden. "Die Erfolgsgeschichte der Darmstädter mag beeindruckend sein. Aber es sind und bleiben Lilienschweine! Es ist und bleibt ein Feind! Soll ganz Deutschland diesen Drecksverein sympathisch finden – wir nicht“, heißt es da im gewohnt martialischen Ton.

Pflichtspiele in den letzten 30 Jahren? Fehlanzeige 

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Geschenkt, dass die "Feindschaft" zu den Lilien eigentlich seit Jahrzehnten eingeschlafen, wenn nicht sogar klinisch tot ist. Schmähgesänge gegen den SV98 gehörten bis zu dieser Saison nicht zum Repertoire der Frankfurter Fans. Das lag auch daran, dass Darmstadt zu lange am Rande des Profifußballs herumdümpelte, um als ernsthafter Konkurrent zu gelten. Das letzte Derby abseits von Duellen mit der zweiten Mannschaft gab es im April 1982. Das heißt: Die meisten, die heute im Block den Ton angeben, haben in ihrem Leben noch kein Profi-Pflichtspiel gegen Darmstadt erlebt.

Dass nun genau diese Menschen den Derbygegner als "Pack" bezeichnen, das nach Frankfurt kommt, "um vernichtet zu werden" – und zwar "in jeder Hinsicht!", wirkt daher schon ein wenig absurd. Selbst wenn man die szenetypischen Übertreibungen abzieht. Das Plakat, das vergangene Woche die Runde machte, war auch Folge dieser Politik. Obwohl hier wohl eher ein Einzeltäter in geschmacklosem, vorauseilendem Gehorsam agierte.

Aus "Lilienjagd" wird Versöhungsplakat 

Doch das einem US-Horrorfilm nachempfundene Bild zeigte auch die Grenzen der akzeptierten Rivalität auf. Denn die "Lilienjagd“ wurde nicht nur von beinahe allen Fußballfans abgelehnt, sie inspirierte auch ein Gegenplakat, das Eintracht- und Darmstadt-Fans im geselligen Austausch zeigt. Im Herzen Frankfurt-Fan, aber mit Respekt für den Rivalen – das scheint durchaus eine Haltung, die im Waldstadion viele teilen. Auch wenn das die Männer am Megafon nicht so sehen.

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