Helena Costa auf der Tribüne bei einem Jugendspiel
Helena Costa sammelte bereits für Celtic Glasgow Erfahrung im Scouting. Bild © Imago

Sie hat vom Besten der Welt gelernt und ist als erste Cheftrainerin im französischen Profifußball in die Geschichte eingegangen: Jetzt wechselt Multitalent Helena Costa in die Scouting-Abteilung von Eintracht Frankfurt.

Auf dem Transfermarkt hat die Eintracht zum Beginn der Transferperiode schon mehrfach zugeschlagen, jetzt sorgt auch das Team hinter dem Team beim Frankfurter Bundesligisten für Schlagzeilen. Ab dem 1. Juli nimmt Helena Costa ihre Arbeit bei der Eintracht auf. Die 39-jährige verstärkt die Scouting-Abteilung um Chefscout Ben Manga – eine im Männerfußball höchst ungewöhnliche Entscheidung.

Doch diese Verpflichtung ist mit Blick auf die Unterpräsenz der Frauen in der Männerdomäne Fußball-Bundesliga nicht nur überfällig, sie passt auch zu Costa, einer Pionierin auf ihrem Gebiet. "Sie hat in ihrer Karriere schon so manches erlebt", sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic der Bild-Zeitung. Wobei das noch untertrieben scheint.

Gefundenes Fressen für den Boulevard

Costa, die ihre Fußballschuhe selbst mit 21 Jahren wegen einer Knieverletzung an den Nagel hängen musste, arbeitete zwischen 1997 und 2010 als Jugendtrainerin beim portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon. Zwischendurch ließ sie 2005 aufhorchen, als sie als erste Frau eine Senioren-Herrenmannschaft in Portugal übernahm. Dazu coachte Costa unter anderem die katarische und iranische Frauenfußball-Nationalmannschaft.

Natürlich blieb ihr Engagement auch dem Boulevard nicht vorenthalten. Seit einem Praktikum beim FC Chelsea und Welttrainer José Mourinho haftet ihr der Beiname "Mourinho in a skirt" (Mourinho im Rock) an – ein Spitzname, der ihr gar nicht gefällt und dem sie entgegnet: "Wie Mourinho will ich immer gewinnen. Wenn es also darum geht, bin ich glücklich, mit ihm verglichen zu werden."

Rücktritt vor dem ersten Pflichtspiel

Sexismus sollte auch beim vermeintlich größten Coup der Portugiesin eine Rolle spielen. Im Mai 2014 wurde Costa als kommende Trainerin des französischen Zweitligisten Clermont Foot vorgestellt – als dritte Trainerin weltweit, die eine Männermannschaft im Profifußball coachen würde. Doch noch vor ihrem ersten Pflichtspiel zog Costa selbst die Notbremse.

Sie hatte den Eindruck, bei ihrer Verpflichtung habe es sich um eine PR-Aktion gehandelt: Costa sollte das Gesicht des Clubs werden, die Entscheidungen aber wollten andere treffen. So hätten die Cluboberen sie sowohl in Sachen Spielerverpflichtungen als auch beim Ausmachen von Freundschaftsspielen vor vollendete Tatsachen gestellt und bei kritischen Nachfragen genervt reagiert.

Scouting für Celtic Glasgow

Ähnliches soll Costa in Frankfurt erspart bleiben. Sportvorstand Bobic stellte unmissverständlich klar, dass man sie für ihre Expertise ins Boot geholt habe. "Sie kennt sich aus im Fußball", sagte der Ex-Stürmer der Bild-Zeitung. Die 39-Jährige soll vor allem den internationalen Markt im Blick haben. Viel Einarbeitungszeit dürfte die Neuverpflichtung nicht benötigen: Auch als Scout hat Costa bereits ihre Erfahrungen gemacht, unter anderem für den schottischen Serienmeister Celtic Glasgow (2008-2010).

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