Eintracht Trainingslager Abu Dhabi
Gute Wahl oder "No-Go"? Die Eintracht bereitet sich in Abu Dhabi auf die Bundesliga-Rückrunde vor Bild © Rhode/Storch

Der Landessportbund kritisiert Eintracht Frankfurt für die Standortwahl des Wintertrainingslagers in Abu Dhabi scharf. Der Bundesligist werde seiner politischen Verantwortung nicht gerecht, sagte LSB-Präsident Rolf Müller.

Der Landessportbund Hessen hat massive Kritik an Bundesliga-Clubs wie Eintracht Frankfurt, Bayern München oder Borussia Dortmund geübt, die ihr Wintertrainingslager erneut in Ländern am Persischen Golf absolvieren. "Sport-Organisationen und -Clubs haben eine politische Verantwortung. Gerade Fußballspieler werden häufig als Vorbilder verehrt und sollten sich auch wie solche verhalten", sagte LSB-Präsident Rolf Müller am Mittwoch. "Wenn Clubs also in Länder wie Katar oder Abu Dhabi reisen, erwarte ich zumindest eine kritische Einordnung von Seiten des Vereins."

Die Eintracht weilt seit Montag im Trainingslager in Abu Dhabi. Bereits zum vierten Mal in Folge bereiten sich die Hessen in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf die Bundesliga-Rückrunde vor. Am 13. Januar kehren sie zurück nach Deutschland. "Unsere Aufgabe ist es, für die bestmöglichen Bedingungen zu sorgen", begründete Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner vergangenen Winter die Standortwahl. In Abu Dhabi sei die Wahrscheinlichkeit einfach am höchsten, dass die Mannschaft "ordentlich trainieren" könne.

"Vollkommen falsches Signal"

Der Landessportbund spricht in einer Mitteilung von "Ländern, die das Existenzrecht Israels nicht anerkennen und immer wieder mit Verstößen gegen die Menschenrechte von sich reden machen." Laut Müller würden sich "außenstehende Beobachter nun fragen: Ist der Sportwelt die Moral abhanden gekommen?" Der frühere hessische Regierungssprecher und Landtagsabgeordnete der CDU hält es "für ein vollkommen falsches Signal, wenn deutsche Bundesligisten nun wiederholt in solche Länder reisen." Denn: "Hinter uns liegt ein Jahr, in dem diverse Skandale das Vertrauen in den organisierten Sport erschüttert haben. Besonders der Fußball war betroffen."

Zuletzt hatte der Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge die Entscheidung für das Trainingslager in Katar verteidigt. "Wir wissen, dass wir in ein Land fahren, in denen die Menschen teilweise eine andere Kultur als in Deutschland pflegen. Wir informieren uns", sagte er. "Aber ein Trainingslager ist keine politische Äußerung. Niemand sollte Dinge vermischen, die nicht zusammen gehören."

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Anm. der Red.: In einer früheren Version dieses Berichts hieß es, Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen habe wiefolgt auf die Vorwürfe des lsb hessen reagiert: "Bisher haben sportliche Begegnungen sowie Kommunikation und Dialog in der Vergangenheit immer mehr dazu beigetragen, eine Veränderung in einer Unrechtsgesellschaft zu erreichen." Dieses Zitat bezog sich lediglich auf das Testspiel gegen den SC Al-Ahli am Wochenende.

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