Marco Russ
Da geht's lang: Marco Russ ist endgültig zurück im Eintracht-Alltag. Bild © Rhode/Storch

Die Rückkehr von Marco Russ in die Eintracht-Startelf war der emotionale Lichtblick des torlosen Remis gegen den HSV. Nach Anlaufschwierigkeiten zeigte der Verteidiger, wie wertvoll er für die verletzungsgeplagten Frankfurter noch sein kann.

Am Ende schaffte es Marco Russ fast noch, die obligatorische Pressekonferenz nach dem 0:0 der Eintracht gegen den Hamburger SV zu sprengen. Denn während die Trainer Niko Kovac und Markus Gisdol bereits auf dem Podium des Presseraums Platz genommen hatten, stand der Verteidiger immer noch von einer Traube Journalisten umringt in der Mixed Zone der Frankfurter Arena und musste Frage um Frage beantworten. Erst ein beherzter Einsatz von Pressesprecher Carsten Knoop ("Alle warten. Wir müssen jetzt echt mit der Pressekonferenz anfangen.") beendete den Arbeitstag des 31-Jährigen.

Es war ein Interview-Marathon für Russ, und das nach einem schon ungeplant langen Einsatz auf dem Feld. Denn zur Überraschung der 51.500 Fans im ausverkauften Frankfurter Stadion stand der 31-Jährige zehn Monate nach seiner Tumor-Diagnose erstmals wieder in der Startelf der Eintracht. Nach dem Ausfall von Makoto Hasebe hatte Trainer Kovac Russ den Vorzug vor einer offensiveren Variante mit Danny Blum gegeben. "Das war mir nach hinten zu hohes Risiko. Darum musste ich mit Marco einen spielstarken Mann vor die Abwehr bringen, der auch nach hinten läuft und die Löcher zumacht", erläuterte der Coach die Aufstellung.

Erst ein Patzer, dann stimmt das Navi

Nach nicht einmal zwei Minuten Spielzeit dürfte Kovac kurz an dieser Entscheidung gezweifelt haben. Denn nach einem harmlosen langen Ball verschätzte sich Russ, konnte nicht richtig klären und sorgte für eine erste gefährliche HSV-Situation. Es blieb der einzige Fehler des Abwehrspielers am Abend. "Die ersten fünf Minuten musste ich das Navigationssystem noch ein bisschen ausrichten, aber es wurde immer besser", sagte Russ später lachend zu der Situation. Sein Trainer war da noch ein Stückchen euphorischer: "Ich hätte ihm keine Zwei, sondern eine Eins gegeben. Nach neun Monaten und so einer Krankheit in so einem wichtigen Spiel – das hat er außerordentlich gut gemacht."

81 Minuten lang hielt die Kraft des Eintracht-Urgesteins, dann drohten Krämpfe. "Ich hätte gerne zu Ende gespielt, aber die Waden haben zugemacht", sagte Russ, der von Taleb Tawatha ersetzt wurde – und den Platz unter tosendem Applaus der Frankfurter Fankurve verließ. Und auch nach dem Spiel waren die Begehrlichkeiten groß. Bei allen TV-Stationen standen Interviews an, dazu kamen Umarmungen und kurze Gespräche, etwa mit HSV-Trainer Markus Gisdol.

Hasebes Aufgaben warten auf Russ

Die Rückkehr von Marco Russ nach seiner erschreckenden Diagnose vor dem Relegationsspiel vergangene Saison gegen Nürnberg – es ist immer noch die "Feel-good-Story" der Bundesliga. Doch in der aktuell angespannten Personalsituation profitiert die Eintracht nicht nur emotional, sondern ganz praktisch. Denn die Zwangspause für Hasebe, der sich einer Knie-Operation unterziehen muss, reißt eine Lücke ins Frankfurter Gefüge. Nun muss Russ den ballsicheren, defensivstarken Libero in der Fünferkette mimen. Und er muss Hasebe als Führungsfigur ersetzen. Aufgaben, denen er, zumindest nach dem ersten Eindruck vom Samstag, gewachsen ist.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! bundesliga, 19.3.2017, 21.45 Uhr

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