Rentner-Kiebitze kombo
Die Rentner-Kiebitze bei der "Arbeit". Bild © Rhode/Dieter Husnik/Imago

Bei jedem Training vor Ort, mit ganzem Herzen dabei: Keiner beobachtet die Frankfurter Eintracht so intensiv wie die Rentner-Kiebitze. Ihr dementsprechend kritisches Urteil haben sie Armin Veh in einem Treffen sogar persönlich mitgeteilt.

Sie gehören zur Frankfurter Eintracht wie Jürgen Grabowski, das Waldstadion oder Attila: Bei Wind und Wetter stehen sie am Spielfeldrand und gucken Alex Meier beim Dehnen zu. Sie verpassen so gut wie keine Trainingseinheit, eine Dauerkarte haben sie alle, Mitglieder sind sie selbstverständlich auch. Die selbsternannten Rentner-Kiebitze sind immer da. "Für viele von uns ist das wie zur Arbeit gehen", sagt Hans-Jürgen Becker dem hr-sport. "Auch wenn das unsere Frauen nicht immer freut."

Den Kiebitzen entgeht nichts

Becker selbst ist 70 Jahre alt, natürlich Rentner, und war bereits bei der einzigen Meisterschaft der Eintracht 1959 live dabei. Sein großer Held ist – wie könnte es anders sein – Grabowski. Die Eintracht, das merkt man schnell, liegt ihm sehr am Herzen. "Wir sind alles langjährige Fans", so Becker. "Und seit ungefähr neun Jahren besuchen wir eben regelmäßig das Training."

Wir, das ist eine Gruppe von rund 15 Männern im besten Alter, die alle dank Altersteilzeit oder Pension zusätzliche Freizeit gewonnen haben und diese oft und gerne bei der Eintracht verbringen. "Wir treffen uns dort und beobachten mit Argusausgen, was auf dem Platz passiert", so Becker. Vor allem die Leistungen der Trainer werden dabei genau analysiert und verglichen. Funkel, Skibbe, Daum, Schaaf und Veh haben die Rentner-Kiebitze kommen und wieder gehen sehen. Fünf Übungsleiter, fünf Philosophien, aber ein klarer Favorit: "Von der Arbeitsweise her hat uns Schaaf am besten gefallen. Der war sehr akribisch."

Veh nimmt sich Zeit für Edel-Fans

Mit dem aktuellen Coach Veh ist das etwas schwieriger. Bereits im letzten halben Jahr seines ersten Engagements in Frankfurt habe man im Training deutlich gemerkt, dass Veh nicht mehr ganz bei der Sache war. "Das war enttäuschend, er stand da einfach irgendwie unbeteiligt rum", so Becker. "Wir waren alle froh, als er weg war." Als Veh dann im Sommer plötzlich wieder da war, seien die Rentner – vorsichtig ausgedrückt – "nicht erbaut" gewesen. Mittlerweile sind sich sogar alle einig, dass die Rückkehr "der falsche Schritt" war.

Und die Rentner-Kiebitze wären nicht die Rentner-Kiebitze, wenn sie ihre Meinung nicht offen vertreten und kundtun würden. In einem vom Verein arrangierten Treffen mit Veh in dessen Lieblingsrestaurant in Bad Homburg wurden die Kritikpunkte klar angesprochen. "Wir haben Tacheles geredet", so Becker, der sich gemeinsam mit seinen Kollegen vor allem mehr Kampf- und Teamgeist wünscht. "Ohne das geht es einfach nicht, das hat man ja in der Hinrunde gesehen. Wir hoffen sehr, dass sich Veh ein paar unserer Vorschläge zu Herzen nimmt."

Eintracht Fans Kiebitze
Hans-Jürgen Becker (rechts in leichter Schieflage) und der Rest der Rentner-Kiebitze. Mittendrin: Armin Veh. Bild © privat: Hans-Jürgen Becker

Ein Lob für Hradeckys Manieren

Während die Rentner von Veh also eine Veränderung auf dem Platz fordern, würden sie bei den Spielern gerne ein anderes Verhalten abseits des Rasens sehen. "Wir sind ja wirklich immer da, aber die meisten grüßen nie", erzählt Becker. "Das war früher ganz anders. Ein einfaches 'Guten Morgen' ist doch nicht zu viel verlangt." Eine positive Ausnahme sei Neuzugang Lukas Hradecky. "Der kommt schon mal vorbei und erzählt uns, dass ihm als Finnen hier in Deutschland die Sauna fehlt. Das ist immer witzig."

Ob sich Trainer und Team an die Vorgaben und Wünsche der Edel-Fans halten, wird sich erst in ein paar Wochen zeigen. Die erste Übungseinheit in Frankfurt wird es Mitte Januar nach dem Trainingslager geben, bis dahin müssen die Rentner-Kiebitze auf ihre beinahe täglichen Ausflüge in den Stadtwald verzichten. Aber was machen sie eigentlich in der Zwischenzeit, wenn der Ball gar nicht - oder nur im fernen Abu Dhabi - rollt? "Ach, das ist auch für uns mal eine Pause. Wir haben ja auch Ehefrauen und Familien, die sich freuen, wenn wir mal zu Hause sind", so Becker. "Aber sobald es losgeht, sind wir natürlich wieder bei der Eintracht."

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