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Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency International Bild © picture-alliance/dpa

Die Kernfrage um die WM 2006 bleibt ungeklärt. Auch die vom DFB beauftragten Ermittler können nicht beweisen, ob vor dem Zuschlag für das Sommermärchen bestochen wurde. Die Rolle von Franz Beckenbauer wirft neue Fragen auf. Sylvia Schenk von Transparency International zeigte sich dennoch zufrieden.

Keine vollständige Aufklärung der Affäre, dafür neue Spuren zu Franz Beckenbauer: Der mit Spannung erwartete Freshfields-Bericht zu möglicher Korruption rund Weltmeisterschaft 2006, der am Freitag in Frankfurt vorgestellt wurde, rückt wieder die Rolle des deutschen WM-Machers in den Fokus. Die Untersuchungen bringen den damaligen Organisationschef der Fußball-WM 2006 in Zusammenhang mit dubiosen Zahlungen, die am Ende beim skandalumwitterten Mohamed bin Hammam in Katar gelandet sein sollen.

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Die wesentlichen Fragen konnte auch der am Freitag vorgestellte Report der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer nicht klären. Wie der Deutsche Fußball-Bund DFB bekanntgab, hätten die Wirtschaftsexperten keinen Beleg für einen Stimmenkauf für den Zuschlag für die WM 2006 nachweisen können. Bestechung sei aber auch nicht grundsätzlich auszuschließen, hieß es in dem Bericht. "Es ist ein völliges Versagen der internen DFB-Kontrollgremien", sagte DFB-Interimspräsident Rainer Koch bilanzierend zu den Vorgängen. "Das darf sich auf keinen Umständen wiederholen."

Schenk: "Umfassend aufgeklärt"

Sylvia Schenk, die die Arbeitsgruppe Sport von Transparency International leitet, zeigte sich dennoch zufrieden. "Es ist sehr umfassend aufgeklärt worden", so Schenk. "Aber es war von Anfang an klar, dass Vorgänge, die 16 oder über 16 Jahre zurückliegen, nicht in allen Details aufgeklärt werden können." So sei nun zumindest klar, wohin die 6,7 Millionen Euro geflossen seien.  

Laut Freshfields-Bericht zahlte der Verband am 27. April 2005 6,7 Millionen Euro mit dem falschen Verwendungszweck "Kostenbeteiligung OK an FIFA Football Gala" an den Weltverband. Von dort ging es weiter an Louis-Dreyfus zurück. Es sei ein Zahlungsvorgang, der "zehn Jahre verheimlicht, zehn Monate beschönigt" und eigentlich in "zehn Sekunden zu erklären" gewesen sei, erklärte Koch. "Der DFB hat zehn Millionen Schweizer Franken an eine dem Einflussbereich Mohamed bin Hammams zuzurechnende Firma in Doha gezahlt."

Ex-DFB-Chef Wolfgang Niersbach wurde am Freitag nicht noch weiter belastet, laut Freshfields sei ihm keine Kenntnis der Vorgänge vor 2015 nachzuweisen gewesen. Der im Zuge des Skandals zurückgetretene Präsident habe bereits im Juli 2015 "Kenntnis von Unregelmäßigkeiten" gehabt, das Präsidium sei aber erst Mitte Oktober durch die erste Veröffentlichung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" einbezogen worden. Niersbach vertritt den DFB weiter in den Exekutivkomitees der FIFA und Europäischen Fußball-Union UEFA. Es sei noch nicht der Zeitpunkt über personelle Konsequenzen zu reden, sagte Interimschef Koch.

Schenk lobt DFB

"Nach meinem derzeitigen Eindruck hätte Herr Niersbach sehr viel früher informieren müssen", kritisierte indes Schenk. Lob gab es dagegen für die nach Niersbachs Rücktritt im November neu formierte DFB-Spitze. "Sie hat hier heute einen sehr glaubwürdigen Eindruck hinterlassen", betonte die Expertin von Transparency Internationa. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das hätte besser machen können als es der DFB gemacht hat."

Insgesamt befragte die Kanzlei 31 Beteiligte. "Wir konnten nicht alle Personen sprechen, die wir sprechen wollten", sagte Christian Duve von Freshfields. So habe sich etwa der frühere FIFA-Chef Joseph Blatter nicht geäußert. Auch seien nicht alle Akten verfügbar gewesen. Duve stellte die Fragen, "ob es unangemessen Ehrgeiz gegeben" habe, eine "ausgeprägte Neigung zum Wegschauen" oder "fehlende Transparenz".

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