Ein U20-Spieler Chinas
Die geplanten Testspiele gegen Chinas U20 trifft bei den Fans auf wenig Gegenliebe. Bild © Imago

Ist die Integration der chinesischen Olympia-Auswahl in die Regionalliga Südwest eine Win-Win-Situation oder der Anfang vom Ende des Fußballs? Die Fronten sind verhärtet.

Ende November ist es soweit: Am Bornheimer Hang werden die chinesischen U20-Fußballer erstmals auf hessischem Boden eines ihrer viel diskutierten Testspiele gegen einen Südwest-Regionalligisten bestreiten. Die Partie zwischen dem FSV Frankfurt und der Olympia-Auswahl aus Fernost ist das zweite von insgesamt 16 deutsch-chinesischen Duellen, die außer Konkurrenz ausgetragen werden und die Gemüter seit Wochen erhitzen.

Fans schreiben öffentlichen Brief

Nachdem der Deutsche Fußball-Bund am Dienstag offiziell verkündete, dass die Nachwuchsmannschaft aus China ab der Rückrunde in den Spielplan integriert wird, haben sich die Fronten noch einmal verhärtet. Auf der einen Seite stehen die Vereine, die sich über die zusätzlichen Einnahmen von 15.000 Euro freuen. Auf der anderen Seite stehen die Fans, die den Untergang des Fußballs befürchten.  

"Wir müssen aufpassen, dass der Fußball nicht überkommerzialisiert wird. Ich sehe da eine feine Grenze und der Fan spürt, wenn es zu viel wird", kritisierte der OFC-Fanbeauftragte Stefan Pölzl im Gespräch mit hr1. Bereits im Vorfeld der DFB-Entscheidung hatten Anhänger ihren Unmut über das umstrittene Testspiel-Programm in einem öffentlichen Brief formuliert. "Stoppen Sie den weiteren Ausverkauf des Fußballs", hieß es in dem Schreiben, das auch von OFC-, FSV- und Kassel-Fans unterzeichnet wurde.

Vereine freuen sich über zusätzliches Geld

Für Kassels Vorstandsmitglied Jens Rose greifen die Argumente der Fans jedoch zu kurz. Die Entwicklung und Globalisierung des modernen Fußballs, der maßgeblich von Fernsehgeldern gesteuert wird, sei im Jahr 2017 ohnehin nicht mehr aufzuhalten. "Wir nehmen doch alle an dieser Kommerzialisierung teil", sagte er. Selbst bei den vermeintlichen Anti-Kommerz-Vereinen wie dem FC St. Pauli oder Union Berlin ginge es letztlich irgendwann ums Geld.

Da zudem die spielfreien Teams der 19er-Regionalliga ohnehin einen Testspiel-Gegner bräuchten – warum dann nicht gegen die U20 aus China antreten, die auch noch ein Antrittsgeld zahlt, so Rose. "Wenn wir woanders spielen, kriegen wir nichts. So ist das doch eine schöne Sache." Die Regionalliga-Teams bekommen ohne Aufwand einen adäquaten Sparringspartner und zusätzliche Einnahmen, das chinesische Team freut sich über eine besondere Vorbereitung auf die olympischen Spiele im eigenen Land. Eine klassische Win-Win-Situation also?

Der Fußball wird zum Politikum

Nicht wirklich, findet Pölzl. Zum einen müsse man sehen, wie viel von den 15.000 Euro nach Abzug der Kosten für Stadion, Sicherheit und Catering noch übrigbleibt. Zum anderen stößt vor allem die Auswahl des Kooperationspartners auf Unverständnis. "Wir arbeiten mit einem totalitären Regime zusammen." Eingeschränkte Pressefreiheit, massenhafte Todesurteile, fragwürdiger Umgang mit Menschenrechten – all das sind Dinge, die auch die Fans in ihrem Protestschreiben monierten. "Dieser Protest ist schon gerechtfertigt", so Pölzl.

Auf Seiten der Clubs ist dieses Thema natürlich ebenfalls präsent, Kassels Rose baut aber eher auf Taten statt kritischer Worte und setzt auf die verbindende Wirkung des Sports: "Der Fußball kann dabei helfen, unterschiedliche Auffassungen – auch politischer Natur – zu lösen."

Die Regionalliga Südwest als Löser von Problemen in Fernost. Ob das funktioniert, darf bezweifelt werden. Ob Fans und Vereinsverantwortliche in dieser Sache einen gemeinsamen Nenner finden, ebenfalls. Klar ist nur: Ende November wird in Bornheim ein Spiel zwischen dem FSV und der chinesischen U20 angepfiffen.

Sendung: hr1 Start, 12. Juli 2017, 07:20 Uhr

Ihre Kommentare Wie ist Ihre Meinung zu den Regionalliga-Testspielen gegen die chinesische U20?

6 Kommentare

  • Geld hin oder her.

    Mit einem Freundschaftsspiel in der Region haben die Vereine auch eine Art Verbundenheit und Werbung betrieben. Oft auch zu Gunsten der kleinen Vereine oder für einen guten Zweck. Nun verzichtet man gegen Bezahlung auf diese Möglichkeit und beginnt auch schon in der 4. Liga, sich von der Basis zu entfernen.

    Nächstes Jahr dann schon 2 Spieltage ? Und wann kommen die U-Mannschaften von Indien, Kenia, Irak oder Ecuador ? Oder hat Frau Merkel und der DFB hier keine wirtschaftlichen Interessen ?

  • Die Fans haben es doch in der Hand:
    Wenn Ihnen das neue Modell nicht passt, bleiben Sie zu den entsprechenden Spielen eben zu Hause - nach dem dritten Spieltag wird diese Botschaft angekommen sein, Spiele in (fast) leeren Stadien und ohne ernsthafte Stimmung (und ohne nennenswerten Umsatz an Eintritt, Speisen und Getränken) will kein Verein und kann auch der DFB nicht wollen.

  • Fakt ist, dass der FK Pirmasens als 14. (!) abgestiegen ist und einen Antrag auf Aufstockung der Regionalliga auf 20 Mannschaften gestellt hat. Dieser Antrag wurde allerdings abgelehnt, aber so ein chinesischer Partner zahlt anscheinend einfach mehr Geld.
    Und zur Aussage "Die Entwicklung und Globalisierung des modernen Fußballs, der maßgeblich von Fernsehgeldern gesteuert wird, sei im Jahr 2017 ohnehin nicht mehr aufzuhalten." stelle ich mir die Frage, wohin der Weg geht und wer noch Geld für das Produkt Fußball bezahlt, wenn es keinen mehr interessiert...

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