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Die Offenbacher Kickers wollen Flüchtlingen mehr bieten als nur einen schönen Nachmittag. Bild © hr/Swidrak

Die Offenbacher Kickers wollen nachhaltig helfen: Mit Hilfe von Fußball-Camps sollen Flüchtlinge an andere Vereine vermittelt werden. Das Projekt soll schnell überregional ausgeweitet werden.

Sead Mehic weiß, was all die Flüchtlinge durchgemacht haben, die seit Wochen nach Deutschland strömen. Als Jugendlicher floh der Bosnier mit seiner Familie vor dem Krieg in der Heimat und kam nach Deutschland. Drei Jahre lang trug er später das Trikot von Kickers Offenbach, zuvor bereits die des FSV Frankfurt, von Rot-Weiß Oberhausen und der Frankfurter Eintracht.

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"Fußball hat mir sehr geholfen, mich zu integrieren", sagt der heute 40-Jährige im Gespräch mit dem hr-sport. "Die Menschen kommen mit vielen Ängsten nach Deutschland. Sie zu überwinden, geht am besten mit Fußball." Mehic ist einer von drei Schirmherren des Flüchtlingsprojekts "Chancen Camp", das Regionalligist Kickers Offenbach am Freitag während einer Pressekonferenz vorgestellt hat.

Wer kommt für welchen Verein in Frage?

Der Verein plant in den kommenden Monaten den Aufbau einer Fußball-Anlaufstelle, die Flüchtlinge an andere Vereine vermitteln und in deren Vereinsleben integrieren soll. Konkret will der Club einwöchige Fußball-Camps mit den Trainern des OFC-Nachwuchsleistungszentrums für je 60 Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 23 Jahren anbieten, die in ihrer Jugend oder Kindheit schon einmal Fußball gespielt haben. In einem Spielerprofil sollen dann die fußballerischen Fähigkeiten der Flüchtlinge festgehalten werden, um zu ermitteln, für welche Spielklassen ein Engagement in Frage kommt.

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"Die Hilfe anderer Vereine bezog sich bisher oft eine gewisse Zeitspanne, ein Spiel mit Freikarten zum Beispiel. 90 Minuten macht das Spaß, ist dann aber vorbei", erklärt Projektleiter Lars Kissner vom OFC-Fanradio. "Wir wollen hier eine Institution schaffen und Menschen nachhaltig durch Fußball in unsere Gesellschaft integrieren." Bei Kickers-Präsident Claus-Arwed Lauprecht rannte Kissner mit seiner Idee offene Türen ein. "Die Medien überschütten uns täglich mit dramatischen Szenen. Es ist unser aller Verantwortung zu helfen. Es ist schön, dass wir Flüchtlingen über den Sport eine Perspektive bieten und gleichzeitig ihr Talent fördern können."

OFC will Projekt überregional ausweiten

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Vermitteln wolle Offenbach die Flüchtlinge an alle seriös geführten Vereine, die Interesse an jungen Spielern haben und bereit sind, diese in ihr Vereinsleben zu integrieren. Grundsätzlich stehe das Projekt daher Vereinen aller Spielklassen offen. "Der OFC tut also etwas. Aber nicht nur für sich, sondern auch für andere Clubs", sagt Kissner. Als Gegenleistung für eine erfolgreiche Vermittlung und zur Refinanzierung müssten die Vereine dann wiederum einen von der Liga abhängigen Betrag an das OFC-Projekt spenden.

Ende Oktober soll das erste von drei Pilotcamps stattfinden, die Offenbach für das laufende Kalenderjahr im Rhein-Main-Gebiet plant. Für die Monate Januar bis März 2016 sind sechs weitere Camps vorgesehen – dann bereits in ganz Hessen verteilt. Ab April soll das Projekt schließlich in den Regelbetrieb übergehen. Der OFC wünscht sich dafür auch eine Ausweitung der Camps auf Bundesebene.

"Macht mich stolz"

Helfen sollen dabei nicht nur die Kontakte von Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider, sondern auch die des Berliner CDU-Generalsekretärs und OFC-Mitglieds Peter Tauber. "Es macht mich stolz, dass mein Verein ein solches Projekt initiiert und deshalb unterstütze ich das sehr gerne", so Tauber.

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