Andreas Wolff
Andreas Wolff Bild © picture-alliance/dpa

Andreas Wolff hat sich bei der Handball-Europameisterschaft vom Ersatzmann zum starken Rückhalt gemausert. Jetzt will der Keeper mit der DHB-Auswahl auch Dänemark schlagen und das Halbfinale erreichen. Sein Ziel hat er dann aber noch nicht erreicht.

Mutig, unerschrocken und durch kaum etwas zu beeindrucken – das sind all jene Spieler, die sich im Handball zwischen die Pfosten stellen und das Tor mit allem verteidigen, was sie haben. Notfalls auch mit dem Gesicht. Was martialisch klingt, ist für den Wetzlarer Schlussmann Andreas Wolff bei der EM in Polen Realität. Durch eben solche Paraden hat sich der Keeper in die Herzen der Fans gespielt und ist zum starken Rückhalt für das DHB-Team geworden. Schmerzen kennt er dabei nicht. "Wir sind bei der Europameisterschaft und spielen für Deutschland – da ist so viel Adrenalin im Körper, dass ich manchmal schauen muss, wo der Ball gelandet ist, weil ich es gar nicht spüre", sagte er am Montagabend im heimspiel! des hr-fernsehens.

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Aber auch ohne die Ausschüttung allzu vieler Stresshormone hat Wolff inzwischen gelernt, wie er mit den Gefahren im Tor umgeht. "Ich fokussiere den Ball mit den Augen ganz genau und kann dann auch abschätzen, wo der Ball mich trifft. Dann kann ich Spannung in den Körper nehmen und deshalb auch Schmerz herausnehmen", gestand er. Sollte es ihn doch einmal härter treffen, hat er immer noch Carsten Lichtlein. Gemeinsam hat das deutsche Torhüter-Duo einen gehörigen Anteil an den furiosen Auftritten der Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson.

"Egos hinten anstellen"

"Das macht ein gutes Duo aus. Wenn ich merke, dass es nicht optimal läuft, gibt er der Mannschaft einen neuen Impuls", so Wolff. "Unsere Stärke ist, dass wir unsere Egos hinten anstellen und nicht 60 Minuten der Held sein müssen. Wir sind ein Team und können zurückstecken, wenn es für das Gesamtkonzept wichtig ist." Mit diesem Rezept gehen der Wetzlarer Keeper und sein Teamkollege Lichtlein auch in das wichtige Spiel am Mittwoch gegen Dänemark (ab 18 Uhr live im Ersten). Mit einem Sieg mit mindestens drei Toren mehr stünde die deutsche Mannschaft im Halbfinale.

"Der Zusammenhalt und die aggressive Deckung müssen stimmen", gab Wolff schon einmal die Marschrichtung vor. "Wir haben die Qualität, dieses Spiel zu gewinnen und das werden wir auch zeigen." Nicht nur den Fans in der Halle, sondern auch den vielen Anhängern vor dem heimischen Fernseher will das Team damit etwas zurückgeben. Dass die Partien bisweilen acht Millionen Zuschauer verfolgen, macht den 24-Jährigen sichtlich stolz. "Das ehrt uns natürlich", sagte er. "Wir wollen weiter tollen Handball zeigen."

Kein Problem mit bösem Wolf

Dafür nimmt er auch in Kauf, dass seine Paraden ihm in den Medien bereits Vergleiche mit dem bösen Wolf aus Rotkäppchen eingebracht haben. "Das einzige, was mich stört, ist, dass der Wolf im Märchen am Ende verliert. Ich hoffe, dass es bei dieser Europameisterschaft ein anderes Ende gibt." Wolff wird auch dafür wieder alles geben – zur Not auch sein Gesicht. Schließlich hat er sein Ziel noch immer nicht aus den Augen verloren: "Mein persönliches Ziel? Europameister."

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