Richie Mueller hält einen Burger
Richie Mueller bei der Spiel-Vorbereitung Bild © Rieth

Kassel, Frankfurt und Bad Nauheim starten am Freitagabend in die Playoffs - mit ziemlich kuriosen Ritualen. Erlaubt ist, was Glück bringt: vom Fastfood bis zur Klospülung.

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Richard Mueller

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zum Audio Musik, Burger, Klo: Drei Clubs, drei Rituale

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Eishockey-Spieler sind abergläubisch, das ist keine Neuigkeit. Jedes Jahr wachsen deshalb zu Beginn der Playoffs die Bärte. Wer rasiert, verliert. Ein bisschen Glück kann schließlich nicht schaden, gerade dann, wenn wie im Viertelfinale der DEL2 am Freitagabend (19.30 Uhr) gleich mal ein knisterndes Hessenderby zwischen Kassel und Frankfurt ansteht. Oder wenn man wie Bad Nauheim zur schweren Auswärtsaufgabe nach Ravensburg muss. Stoppel im Gesicht sind da längst Standard, die drei hessischen Klubs haben sich aber noch ganz andere Rituale einfallen lassen.

Kassel Huskies: Palausch und das Klo

Toiletten-Schild
Ein Ort wie gemacht für Lennart Palausch Bild © Imago

Das Ritual: Zur Besprechung kommt Lennart Palausch immer zu spät. Nie geht der talentierte Stürmer der Kassel Huskies auf direktem Fuße vom Eis in die Kabine, Palausch nimmt immer einen Umweg – über die Toilette. Früher, als er noch bei den Jungadlern Mannheim spielte, habe er tatsächlich während der Spiele so viel getrunken, dass er in den Pausen immer aufs Klo musste. Ohne es wirklich zu wollen, schlich sich bei Palausch ein Ritual ein. Mittlerweile hat sich der Aberglaube derart verselbständigt, dass der 21-Jährige sogar dann auf die Toilette rennt, wenn er gar nicht muss. Sein Körper habe sich darauf eingestellt: "Ein bisschen was kommt dann immer.“

Eishockey-Spieler
Lennart Palausch Bild © Imago

Der Sport: Auch wenn Trainer Rico Rossi die Favoritenrolle vor dem Derby nach Frankfurt weiterschob ("Die Löwen sind ein Meisterkandidat"), haben die Kassel Huskies im ewig jungen Duell einen entscheidenden Vorteil: ein mögliches siebtes Spiel würde bei ihnen zu Hause stattfinden. Verdient haben sich das die Huskies mit einer konstant guten Hauptrunde und einem respektablen vierten Tabellenplatz. Besonders auffällig war, dass in Kassel auch nach hohen Rückständen niemand aufgab, die Mannschaft kann kämpfen, sie weiß, wie man enge Spiele für sich entscheidet. Rossi betont: "Das erste Spiel wird für den Verlauf der Serie entscheidend sein.“ Wichtiger Baustein auf dem Weg ins Halbfinale wird sicher Jamie McQueen sein. In 49 Spielen traf der Kanadier 37-mal. Gefährlicher ist kein anderer Spieler in der DEL2.

Löwen Frankfurt: Mueller und der Burger

Richie Mueller beißt in einen Hamburger
Scheint zu schmecken: Richie Mueller Bild © Rieth

Das Ritual: Eigentlich müsste Richie Mueller gar nichts sagen. Er bestellt sowieso immer das Gleiche: Burger, Pommes, Ketchup, Cola. Selbst die Bedienung an der Kasse hinter der Theke hat die Bestellung schon eingetippt, bevor Mueller sie aussprechen konnte. Der Stürmer der Löwen Frankfurt ist Stammgast – in einem Fastfood-Laden. Mindestens einmal pro Woche komme er hierher, berichtet Mueller. Meistens donnerstags, damit er sich genügend Kalorien für das kräftezehrende Wochenende zulegen kann. "Ich brauche dieses fette Essen, das gibt mir viel Energie“, erzählt der Torjäger, grinst und beißt in den Burger. Mueller ahnt, dass er in diesem Moment keine Sportlernahrung zu sich nimmt. Mehr als 1000 Kalorien hat sein Menü. "Aber der Trainer weiß das ja nicht. Nur wenn ich zu fett werde, dann habe ich ein Problem." Begonnen hat der ehemalige deutsche Nationalspieler mit seinem Ritual vor zwei Jahren, da verdrückte er eher zufällig vor einem Spiel einen Burger – und schoss danach einen Hattrick.

Der Sport: Die Saison der Löwen war ein Wellenbad. Enttäuschende Auftritte und Spiele in Gala-Form drückten sich regelmäßig die Klinke in die Hand, doch das alles sei nun vergessen. "Der Reset-Knopf ist gedrückt, es geht bei Null wieder los", sagt Verteidiger David Cespiva. Die Aufgabe für die Löwen im Viertelfinale ist ebenso schwer wie reizvoll – im Derby gegen die Kassel Huskies stellen sich alle Beteiligten auf eine lange Serie ein. "Wir müssen ständig auf dem Gaspedal bleiben", mahnt Trainer Rich Chernomaz. In Überzahl hat das zuletzt blendend geklappt: Mit einem Mann mehr auf dem Eis ist in der Liga niemand stärker.

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So laufen die Playoffs

Die Viertelfinal-Serien der DEL2 werden im Modus "Best of Seven" ausgetragen. Das heißt: Wer vier Spiele gewonnen hat, zieht ins Halbfinale ein. Die Kassel Huskies genießen im Derby Heimrecht gegen die Löwen Frankfurt, sie würden also ein womöglich siebtes und entscheidendes Spiel in eigener Halle austragen. Der EC Bad Nauheim muss hingegen zunächst auswärts ran, bei den Ravensburg Towerstars. Die Termine: 11.03. (Fr), 13.03. (So), 15.03. (Di), 18.03. (Fr), 20.03. (So), 22.03 (Di), 24.03. (Do).

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EC Bad Nauheim: DJ Strauch und die 90er

Patrick Strauch drückt auf einen Knopf am Recorder
Der Mann am Schalter: Patrick Strauch Bild © Rieth

Das Ritual: So richtig getraut hat sich niemand. Als Patrick Strauch für einen Moment aber die Kabine verlässt, platzt es aus einigen heraus. Die Playlist, die der Bad Nauheimer Kapitän zusammenstellt, sei "eine Katastrophe". Er treffe damit überhaupt nicht den Geschmack der Mannschaft, "aber auf der anderen Seite waren wir damit sehr erfolgreich. Es hat also seine Berechtigung". Strauch nimmt die Kritik an seinen Fähigkeiten als DJ der Roten Teufel mit einem Grinsen: "Sollen sie doch zu mir kommen – dann gibt’s die passende Antwort.“ In Bad Nauheim läuft in dieser Saison regelmäßig die beste Musik aus den 80er und 90er Jahren, wie Strauch erzählt. Fein ausgetüftelt sei die Playlist. "Daran wird nur etwas verändert, wenn wir wirklich einmal verlieren." Und das soll so oft ja nicht vorkommen.

Der Sport: Nach zwölf Jahren stehen die Roten Teufel zum ersten Mal wieder in den Playoffs der zweiten Liga. Klar, dass Geschäftsführer Andreas Ortwein nach einer schon jetzt gelungenen Saison von einem ganz besonderen Moment für den Verein spricht: "Wir wollen das jetzt genießen." In der Serie wartet mit den Towerstars aus Ravensburg kein unbekannter Gegner – zumindest für den Bad Nauheimer Trainer. Petri Kujala hat in Ravensburg einst seine Karriere als Coach begonnen ehe er in die Wetterau wechselte. Der EC Bad Nauheim, die Überraschungsmannschaft der Hauptrunde, steht für harte Arbeit in der Defensive, während Ravensburg vor allem im Offensivbereich gerne glänzt. "Das müssen wir stoppen", sagt Mikko Rämö und ahnt, dass er daran nicht ganz unbeteiligt sein wird. Der Finne ist einer der besten Torhüter der Liga.

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