Patrick Lange beim Ironman Frankfurt
Patrick Lange kann sich im Ziel nicht mehr auf den Beinen halten. Bild © Imago

Der Darmstädter Patrick Lange feiert beim Ironman Frankfurt einen Kantersieg gegen den inneren Schweinehund. Mit nach Hause nimmt er nach Oberschenkel-Krämpfen und Trainer-Fauxpas vor allem einen Lerneffekt.

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Am Ende des längsten Tags des Jahres half noch nicht einmal Schokoladenkuchen. Während Ironman-Sieger Sebastian Kienle beim Fernseh-Interview rund eine Stunde nach Zieleinlauf am Sonntag schon Champagner schlürfte, musste der Darmstädter Triathlet Patrick Lange das kleine Belohnungsgeschenk ablehnen. "Ich kann nichts essen, es geht nichts rein", sagte er am hr-Mikrofon. Der Körper des 30-Jährigen, der sich in 7:52:06 Stunden als Sechster über den Frankfurter Römerberg geschleppt hatte, war nach den vorher erlittenen Höllenqualen noch im Streikmodus.

Der Marathon wird zur Qual

Dabei hatte der Tag so gut angefangen. Der in Bad Wildungen geborene und mittlerweile in Südhessen lebende Lange war am frühen Morgen als Vierter am Ufer des Langener Waldsees angekommen und hatte sich nach rund 20 Kilometern auf der Radstrecke sogar kurz an die Spitze des Feldes gesetzt. Für den Drittplatzierten von Hawaii, der dieses Ergebnis bei seinem Heimspiel bestätigen wollte, lief eigentlich alles nach Plan. Und dann plötzlich doch alles schief.

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"Ich war mit dem Rennverlauf zufrieden", sagte Lange am Tag danach im Gespräch mit hr-iNFO. "Ich habe schon aufs Podium gehofft." Selbst beim Wechsel von Fahrrad- auf Laufschuh lag der Mitfavorit noch auf Rang drei und damit voll im Soll.

Vor ihm die beiden Ausnahmekönner Andi Böcherer und Kienle, an seiner Seite der Südafrikaner James Cunnama. Der Rest des Feldes folgte mit gebührendem Sicherheitsabstand von rund sieben Minuten. "Ich habe versucht, das Rennen von vorne zu laufen. Ich glaube, dass ich mir damit alles versaut habe."

Trainer Al-Sultan leistet sich Fauxpas

Denn die Strafe für das forsche Tempo zu Beginn kam prompt. Ungefähr auf der Hälfte der abschließenden Marathonstrecke musste Lange unfreiwillig vom metergreifenden Schritt auf Stop-and-Go umschalten. Nachdem der ehemalige Mountainbiker in der Vorbereitung von einem Knochenmarködem im Fuß außer Gefecht gesetzt worden war, quittierten im Wettkampf seine Beine ihren Dienst. Mehr als Gehen im Stadtbummel-Tempo war nicht drin. "Ich hatte Krämpfe in beiden Oberschenkeln und habe richtige Qualen erlitten."

Das Ziel und das Podium rückten für Lange spätestens auf der dritten von insgesamt vier Runden zwischen West- und Osthafen in weite Ferne. Andere hätten wohl einfach aufgegeben. "Das war für mich aber keine Option. Zur Not wäre ich ins Ziel gegangen."

Eine besondere Situation, die eine besondere Maßnahme erforderte: Langes Coach Faris Al-Sultan, der 2011 selbst in Frankfurt triumphiert hatte, versuchte motivierend einzuwirken und lief über einen längeren Zeitraum schreiend und gestikulierend neben seinem Schützling her. Eine Coaching-Aktion, die in der Einzelkämpfer-Sportart Triathlon verboten ist und sanktioniert wurde.

Wieder was gelernt

Im Fußball folgt auf Foul eine Gelbe Karte, beim Ironman gibt es eine Zeitstrafe. Lange, der sich noch einmal fing, aber nicht mehr richtig in seinen Rhythmus fand, wurde in Formel-1-Manier von einem Strecken-Marshall gestoppt und erst nach 60 Sekunden wieder zurück ins Rennen geschickt. "Das Gute an so einem Tag ist ja, dass man viel lernt", so Lange. Beim Rennen auf Hawaii, für das er sich trotz seiner Schwächephase qualifizierte, wird ein solcher Fauxpas nicht mehr vorkommen. "Mein Trainer weiß jetzt, dass er nicht mehr 100 Meter neben mir herlaufen darf."

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Und so schaffte es Lange nach einer unruhigen und schmerzhaften Nacht dem verpatzten Rennen doch noch etwas Positives abzugewinnen: Hauptsache im Ziel, in Hawaii dabei und um eine wichtige Erfahrung reicher. "Natürlich überwiegt die Wehmut, es nicht aufs Podium geschafft zu haben", sagte er. "Ich bin aber einfach froh, im Ziel angekommen zu sein. Nach 20 Kilometern hätte ich nicht glaubt, dass ich das schaffe."

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