Bauern auf Demo in Fulda
Plakativ: die Bauern wollten Passanten zum Nachdenken anregen. Bild © hr

Die Agrarminister tagen in Fulda, um unter anderem über die geringen Erzeugerpreise zu beraten. Begleitet wird das Treffen von Bauern-Protesten, die Milch und Würstchen zu erstaunlichen Preisen verkaufen.

Ein gegrilltes Würstchen für 19 Cent, dazu ein Brötchen für einen Cent. Als Durstlöscher noch einen halben Liter Milch für 14 Cent hinterher – macht ganze 34 Cent für eine Mahlzeit, die ein paar Stunden satt machen sollte. Was für manchen Verbraucher als attraktives Angebot daherkommt, kann für die Erzeuger den Todesstoß bedeuten: Die hessischen Bauern fordern im Rahmen des Agrarminister-Treffens in Fulda Soforthilfen wegen der Erzeugerpreis-Krise: Das Würstchen-Milch-Angebot war Teil der Protestaktionen in Fulda.

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Das Treffen endet an diesem Freitag, am Donnerstag waren etwa 40 Bauern mit ihren Schleppern vorgefahren, um sich auf dem Domplatz zu zeigen. Der Verkauf von Würstchen und Milch zu Cent-Preisen sollte Passanten auf die Situation der Bauern aufmerksam machen. Der Verbraucher solle erkennen, was beim Bauern hängen bleibt, wie ein Demonstrant erläuterte. Etwa 300 Bauern beteiligten sich an dem Protest.

Bauern hoffen auf Lösungsstrategien der Politik

Am Freitag wollen die Minister die Ergebnisse ihrer Herbsttagung bekanntgeben. Die geringen Erzeugerpreise standen ganz oben auf der Tagesordnung. Milchbauern zum Beispiel klagen über massive Verdiensteinbrüche wegen der niedrigen Preise aufgrund des Überangebots auf dem Markt.

Bauern-Protest vor dem Dom: Schlepper auf dem Domplatz
Bauern-Protest vor dem Dom: Schlepper auf dem Domplatz Bild © osthessen-news.de

Bauernverbände forderten in den vergangenen Tagen wiederholt Lösungsstrategien von der Politik. Der Preis pro Kilo Rohmilch ist in den vergangenen Monaten von 40 auf 30 Cent gesunken. Die EU hatte darauf mit einem Hilfspaket aus Finanzmitteln reagiert. Mehrere Discounter erhöhten zu Monatsbeginn die Milch- und Butterpreise.

Soforthilfen gefordert

Dass wegen geringer Erlöse existenzbedrohte Milchbauern Hilfe brauchen - darüber sind sich alle einig. Doch über die Problemlösung sind Verbände und Politik uneins: Die einen fordern eine Mengenreduzierung, andere hielten dies für wirkungslos.

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Hessens Ministerin Priska Hinz (Grüne), in diesem Jahr Vorsitzende der Agrarministerkonferenz, sagte bei der Demo in Fulda: "Wir brauchen eine freiwillige Entscheidung zur Mengenregulierung in Krisenzeiten." Einen derartigen Beschlussvorschlag hat Hessen auch mit weiteren Bundesländern der Konferenz vorgelegt.

Hinz kritisierte, dass das jüngst von der EU geschnürte Notpaket mit Finanzmitteln zu klein sei. Zur Unterstützung bei fallenden Einnahmen sollen Deutschlands Bauern 69,2 Millionen Euro an Hilfsgeldern erhalten - aus einem EU-Topf mit 500 Millionen Euro. Die nationalen Regierungen können das Geld flexibel verteilen.

Hinz sprach zudem von "Dumpingpreisen", die den Bauern von der Lebensmittelwirtschaft diktiert würden. Und auch Verbraucher sollten sich bewusst sein, dass gute Produkte von heimischen Feldern und Höfen etwas mehr kosteten – auch zu dieser Erkenntnis dürfte die Cent-Aktion der Bauern beigetragen haben.

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