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Das "Straßenbegleitgrün" an der A66 wurde bei Gelnhausen-West komplett "auf den Stock gesetzt" Bild © Claudia Kopp/Montage: hessenschau.de

Am Straßenrand wird derzeit vielerorts abgeholzt. Wenn hessenschau.de-Nutzerin Claudia Kopp zum Verwandtenbesuch nach Gelnhausen fährt, platzt ihr deshalb jedesmal der Kragen. "Einfach wegrasiert" nennt sie das, was Hessen Mobil als notwendige Baumpflegearbeiten bezeichnet.

An der Gelnhäuser Westspange oder an den A66-Abfahrten Erlensee und Hanau würden natürliche Hecken und junge Bäume zerstört, sagt hessenschau.de-Nutzerin Claudia Kopp, die aus dem Main-Kinzig-Kreis stammt. "Orkan Kyrill hätte es nicht besser gekonnt", formuliert die empörte Naturfreundin - und mehr noch: "Das sieht einfach Scheiße aus."

Durchaus kein Einzelfall, aber eine Momentaufnahme. Auch andernorts sind saisonbedingt umfangreiche Baumpflegearbeiten an Autobahnen und Fernstraßen im Gang, etwa an der B488 zwischen Butzbach und der A5 oder an der B521 bei Frankfurt - zwei Beispiele von vielen weiteren.

Auftraggeber des auf den ersten Blick radikal anmutenden Vorgehens ist Hessen Mobil. Die Wiesbadener Straßenverkehrsbehörde unterstreicht, dass die Arbeiten der Verkehrssicherheit dienten - und dem Naturschutz.

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Lieblos: Ganze Arbeit beim Baumschnitt Bild © Claudia Kopp

Die Arbeiten lässt Hessen Mobil sowohl mit eigenem Personal als auch von Fremdfirmen erledigen. Dazu gehöre auch, die offiziell "Straßenbegleitgrün" genannten Gehölze regelmäßig radikal zu kürzen und auszudünnen. Zum Teil handele es sich um Arbeiten, die seit Jahren überfällig seien.

"Hin und wieder schwarze Schafe“

Das bestätigt Eiko Leitsch aus Nauheim. Der Vizepräsident des Bundesverbands Garten- und Landschaftsbau nennt einen groben Zeitrahmen von fünf bis sieben Jahren. Um die ökologische Funktion zu gewährleisten, würden sie "auf Stock gesetzt" – sprich bis knapp über die Wurzel zurückgeschnitten. Dann folge bald ein neuer Austrieb.

Leitsch räumt ein, dass in der Vergangenheit hin und wieder auch einige schwarze Schafe am Werk gewesen seien. Durch den Einsatz maschineller Schneidegeräte, sogenannter Hoch-Entaster, seien auch schon mal Bäume geschädigt worden. Diese Fälle seien in den vergangenen Jahren aber deutlich zurückgegangen.

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Auch in Hasselroth wurde radikal zurückgeschnitten Bild © Claudia Kopp

Thomas Norgall, der Vize-Geschäftsführer des BUND Hessen, stellt klar, dass jeder Einzelfall für sich beurteilt werden müsse. Er habe aber keine allgemeinen Erkenntnisse darüber, dass aktuell oder in den vergangenen Jahren zu viel des Guten getan worden wäre, sagte er hessenschau.de.

Hessen Mobil lässt prüfen

Naturfreundin Kopp wird bei ihren Fahrten nach Gelnhausen noch eine Weile den Blick auf den Kahlschlag ertragen müssen, ehe die verbliebenen Wurzelstöcke neu austreiben. Ihre Empörung verhallt allerdings nicht ungehört.

"Zurzeit wird geprüft, ob mehr als der beauftragte Umfang zurückgeschnitten worden ist", heißt es in einer Stellungnahme von Hessen Mobil. Claudia Kopp will das "Straßenbegleitgrün" bei ihren Fahrten auch in Zukunft im Auge behalten.

Diese Fotos haben uns Nutzer auch noch zugeschickt:

Kahlschlag Landstraße Butzbach nahe B3
Gefällte Bäume an einer Landstraße bei Butzbach Pohl-Göns (Wetterau), nahe der B3. Bild © Anja Kretzschmar
Kahlschlag A66 Gelnhausen-Hailer
Aufgenommen von Magdalena Wieg in Gelnhausen-Hailer (Main-Kinzig), neben der A66. Bild © Magdalena Wieg

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