Dispo Zinssätze
Schulden machen kostet Geld. Noch immer informieren die Banken nicht transparent genug über die Höhe der Dispo-Zinssätze, kritisiert Finanztest. Bild © picture-alliance/dpa

Banken müssen Kunden transparent über die gültigen Dispo-Zinssätze informieren. Dazu hat sie der Gesetzgeber vor einem Jahr verpflichtet. Trotzdem machen einige Banken weiter missverständliche Angaben, kritisieren Finanzexperten.

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Ausgewiesene Dispo-Zinsen auf einem Kontoauszug

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zum Audio Finanztest-Redakteurin Stephanie Pallasch: "Es ist eine Nullinformation"

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Wer sein Konto überzieht, muss dafür Dispo-Zinsen zahlen. Wieviel, das legen die Banken selber fest - allerdings müssen sie die Kunden "klar, eindeutig und auffallend" auf ihrer Internetseite über die Zinssätze informieren. Das fordert ein Gesetz, das vor einem Jahr, am 21. März 2016, in Kraft getreten ist. Mehr Transparenz bei den Dispo-Sätzen sollte nach Ansicht des Gesetzgebers zu mehr Wettbewerb in der Branche führen.

Wie sieht es ein Jahr später aus - kommen die Banken ihrer Verpflichtung zur transparenten Kundeninformation nach? Das wollte die grüne Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch aus Kassel wissen und fragte bei der Bundesregierung an. In der Antwort, die hessenschau.de, vorliegt, heißt es: "Nach Angaben von Stiftung Finanztest beachten alle Banken die neuen Vorgaben."

Finanztest-Redakteurin: Informationen nicht eindeutig genug

Bei Finanztest selber klingt das anders: Durch das Gesetz habe sich zwar einiges verbessert, sagt Finanztest-Redakteurin Stephanie Pallasch. Die Banken machten inzwischen im Internet zwar entsprechende Angaben. Bei etwa 30 Banken seien die Informationen aber immer noch nicht eindeutig, kritisiert sie. Drei Beispiele aus Hessen:

Deutsche Bank

Bei der Deutschen Bank fänden Kunden, die im Internet nach dem aktuellen Dispo-Satz suchen würden, keine eindeutigen Angaben. "Die Deutsche Bank gibt auf ihrer Homepage einen Zinssatz von 7,90 bis 10,90 Prozent an", kritisiert die Finanzexpertin. Da wüssten Kunden immer noch nicht, welcher Zinssatz genau für sie gelte.

Die Deutsche Bank dagegen sieht ihre Transparenz-Pflicht erfüllt. Der jeweilige Dispo-Zinssatz werde individuell für jeden Kunden ermittelt, erklärt eine Sprecherin der Deutschen Bank. Der Kunde werde dann im Kundengespräch oder auf dem Kontoauszug über die Höhe seines Dispo-Zinses informiert. Wer allerdings im Internet die Konditionen bei Banken vergleichen will, tut sich schwer.

Volksbank Griesheim

Zu vage ist Pallasch zufolge ebenfalls eine Formulierung, die die Volksbank Griesheim bei Frankfurt verwendet: Der Zinssatz für den Dispo betrage 9,90 Prozent "zuzüglich EZB-Leitzins". Die Finanztest-Redakteurin findet solche Angaben mit Referenzzinssätzen wie auch dem Euribor verwirrend: "Besser wäre eine einzige, aktuell berechnete Zahl."

Die Volksbank erwidert, man biete alle Infos zu dem Referenzzins online. So könne sich der Kunde seinen Gesamt-Dispo-Zins selber ausrechnen.

Sparda-Bank Hessen

Teilweise würden Banken die Informationen zum Dispo-Kredit im Internet weiterhin bewusst verstecken, berichtet Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband. In Hessen sei das beispielsweise bei der Sparda-Bank der Fall.

Dort seien die Zinssätze zunächst ausschließlich in einem Dokument, dem Preisaushang, zu finden. "Leicht auffindbar ist etwas anderes", so Pauli. "Es sei ja kein Produkt, das man bewerbe", antwortet ein Sprecher der Bank. Außerdem könne gar nicht jeder Kunde sein Konto überziehen. Gleichwohl sei es transparent, auf der Onlineseite "im Umfeld des Girokontos" darauf hinzuweisen.

Kurz nach der Anfrage von hessenschau.de hat die Sparda-Bank die Dispo-Zinssätze übrigens auf einer separaten Internet-Seite aufgelistet.

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