Demo im Terminal 1: Volker Hartmann (r.) mit Plakat 2011 und 2017
Demo im Terminal 1: Volker Hartmann (r.) mit Plakat 2011 und 2017 Bild © picture-alliance/dpa, van Bebber (hessenschau.de)

Es ist eine der längsten Protestserien der Republik: Montag für Montag demonstrieren Fluglärm-Gegner seit 2011 im Frankfurter Flughafen. Die unbeugsamen Demo-Veteranen halten an ihrer schärfsten Forderung fest.

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Volker Hartmann, 68, hat zum Gespräch über den Protest etwas mitgebracht: ein gelbes Transparent mit der Aufschrift "Fluglärm über Frankfurt" und schwarzen Fliegern über der Skyline.

Hartmann kramt das gefaltete Tuch aus seiner Tasche, spannt es mit einem Mitstreiter auf und sagt: "Das war das erste Transparent." Das erste Transparent bei der ersten montäglichen Demonstration im Terminal 1 am 14. November 2011, drei Wochen nach Eröffnung der neuen Landebahn.

Eine der längsten Demo-Serien der Repubik

Seither kommt Hartmann jeden Montag aus Oberrad zum Flughafen und protestiert gegen Lärm und Ausbau, nur in den Ferien fällt die Demo aus. An diesem Montag riefen die Bürgerinitiativen zur "200. Montagsdemo" auf, mindestens 1.200 Teilnehmer strömten ins Terminal (Bildergalerie).

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Demo am Flughafen

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Hartmann hat nur eine Handvoll der Proteste verpasst. "Wir müssen nach wie vor Druck aufbauen", sagt er. Zeitweise kamen mit ihm bis zu 3.000 Demonstranten, nun sind es Woche für Woche einige Hundert. Eine der längsten Demo-Serien der Republik. Der Protest ist laut geblieben und grau geworden, wenn man auf die Häupter der Protestveteranen schaut.

Gruppenfahrkarten und Ausbau-Irrsinn

Die Demonstranten reisen auf die Minute pünktlich mit S-Bahn-Gruppenkarten an und verlassen das Terminal nach exakt einer Stunde besenrein. Doch wer durch ihre Reihen geht, hört, wie sie von Ausbau-Irrsinn, Wirbelschleppen-Leugnern und Fraport als Besatzungsmacht sprechen.

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Demo-Recht im Flughafen

Das Recht zur Demonstration im Flughafen geht auf eine Klage von Abschiebe-Gegnern zurück. Das Bundesverfassungsgericht entschied 2011: Der Flughafen sei überwiegend im Besitz der öffentlichen Hand, darum gelte in ihm das Demonstrationsrecht. Ein Fraport-Sprecher sagt vor der 200. Demo: "Wir respektieren die Versammlungsfreiheit."

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Vor ein paar Jahren schickte die um den Standort besorgte Stiftung Marktwirtschaft Forscher der Uni Gießen los, um zu erfahren, wer da so hartnäckig demonstriert. Ergebnis: Älter, hochgebildet, zeitreich und ressourcenstark seien die Teilnehmer sowie geprägt von Misstrauen und Distanz zu Wirtschaft und Politik.

"Das ist schon eine tolle Gemeinschaft"

Monika Wolf wäre demnach eine idealtypische Demonstrantin. Die 65-Jährige aus Nauheim war mal Bankberaterin, ist nun Rentnerin und hat von den nun 200 Demonstrationen nur acht, vielleicht neun verpasst. "Diese vielen Mitstreiter, das ist schon eine tolle Gemeinschaft", sagt sie.

Misstrauen? Ja, großes Misstrauen hat Wolf gegen Fraport und die Politik. Sie und die anderen Demonstranten können freilich auch erklären, woher es kommt: Einst hieß es, außerhalb des Flughafenzauns werde nicht mehr ausgebaut, dann passierte es doch. Das als Ausgleich zugesagte Nachtflugverbot musste gegen die damals schwarz-gelbe Landesregierung eingeklagt werden.

Demo fordert Schließung der Landebahn

Auf den Transparenten im Terminal prangen Forderungen, die einst in grünen Wahlprogrammen standen: kein Terminal 3 und ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Die Demonstranten tragen sie auch auf Englisch und Chinesisch durch die Abflughalle, um internationale Passagiere zu erreichen. Doch in der schwarz-grünen Koalition in Hessen sind diese Forderungen kein Thema mehr.

Eine Woche nach der 150. Demo gab es den Spatenstich für das Terminal 3. Nun bereitet sich auch noch Ryanair darauf vor, seine Billigflieger in Frankfurt zu füllen. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) müht sich im täglichen Klein-Klein um Kompromisse zwischen Fluglärm-Betroffenen und Luftahrtbranche.

Die Demonstranten rufen: "Jeden Montag 18 Uhr bringen wir den Lärm retour." Hartmann, seit 1995 bei den organisierten Ausbau-Gegnern, nennt als Ziel unbeirrt weiter: "Dass die Landebahn wieder geschlossen wird."

"Da muss man hartnäckig sein."

Die Protest-Routiniers wissen dabei durchaus, dass man viel fordern muss, um etwas zu erreichen. Und so feiern sie Anfang Januar erst mal als ihren jüngsten Erfolg: Dass nun endlich offiziell Ultrafeinstaub gemessen wird.

Monika Wolf ist überzeugt: Ohne die Demonstrationen wäre Lärmschutz längst kein großes Thema mehr. "Fraport und Landesregierung warten nur darauf, dass diese Demonstrationen nicht mehr stattfinden und sie dann alles durchsetzen können", sagt Wolf. Aber sie kommt auch nächsten Montag wieder. "Da muss man hartnäckig sein."

Ihre Kommentare Montagsprotest am Flughafen - nur noch Routine oder weiter nötig?

20 Kommentare

  • Wenn diese Montogsdemos nur eine Veranstaltung von Rentnern mit zu viel Freizeit sein sollen, dann frage ich mich, wieso heute die Oberbürgermeister von Frankfurt und Mainz anwesend waren und der Landrat des Kreises Groß-Gerau sogar eine Rede gehalten hat.
    Die Stadt Frankfurt ist übrigens neben dem Land Hessen Mitanteilseigner an Fraport.

  • Den Flughafen gibt es seit 1936! Also da braucht keiner ankommen und sagen dieser mache seine Heimat weniger lebenswert... Da müsste eigentlich jeder halbwegs klar denkende Mensch Bescheid wissen was ein Flughafen bedeutet. Logisch ist ja wohl auch, dass die Organisation (wie zB Lande- und Start-Routen, Anzahl der Mitarbeiter, Grösse etc) nicht für 100 Jahre stagnieren wird...
    Naja nun gut, gibt doch einige (viele)... Vor ein paar Jahren hatte der hr mal nen Bericht darüber gebracht und, als gutes Besipiel, jemanden aus Wiesbaden interviewt, der gerade sein Haus quasi in den Start-Korridor gebaut hat und sich schrecklich düber den Flughafen aufgeregt hat!!!
    Hallo....!!!??? Und genau so, sorry, Witzfiguren gehen da montags zum demonstrieren hin...

    Fun-Fact: der Montag ist mit der umsatzstärkste Tag was die Restaurants, Kioske & co angeht, da die Leute von der Demo davor und danach da einkaufen. Und Fraport bekommt 12,5% vom Umsatz! Hihihihihi

  • Über die inzwischen 5 Jahre hat sich der Protest am Flughafen natürlich auch ritualisiert. Notwendig bleibt er aber weiterhin, denn das Thema Ausbau, Fluglärm, Schadstoffbelastung hat sich ja nicht erledigt, sodern bleibt weiterhin auf der Tagesordnung, wenn auch viele Protestanten inzwischen älter und müde geworden sind. Die Proteste im Terminal 1 müssen weitergehen, weil das die einzige zentrale Plattform für den Protest in der Region ist. Die Wut und die Glut müssen weiter geschürt werden, damit die Flamme des Protests wieder entzündet werden kann, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

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