Gebärden
Mit den Fingern sprechen: Gebärdensprachdolmetscher werden in Hessen händeringend gesucht. Bild © picture-alliance/dpa

Sie sind über Monate ausgebucht: In Hessen werden Dolmetscher für Gebärdensprache dringend gesucht. Doch wer kann diesen Beruf erlernen?

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zum Video Gebärdensprachdolmetscherin Laura M. Schwengber

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In Hessen leben rund 18.000 Menschen mit Hörschädigung. Rund 6.000 von ihnen sind auf die Gebärdensprache angewiesen. Für sie stehen allerdings nur etwa 50 Dolmetscherinnen und Dolmetscher zur Verfügung. Eine davon ist Franziska Elfferding. Die 33-Jährige wurde auf den Beruf schon als Kind aufmerksam, als sie Kommunikationsprobleme mit Kindern mit Hörbehinderung hatte.

"Und ich wollte immer Dolmetscherin werden. Als ich erfahren habe, dass man Gebärdensprachdolmetscher studieren kann, war das für mich gesetzt", sagt Elfferding. Heute arbeitet sie festangestellt beim Landesverband der Gehörlosen in Frankfurt: "Das ist eher ungewöhnlich. Der ganz überwiegende Teil meiner Kollegen arbeitet freiberuflich und selbstbestimmt. Und ist meistens schon über Monate im Voraus ausgebucht."

Gebärdensprache bald als Wahlfach in der Schule

Da es so wenige Dolmetscher gibt, sind die Berufsaussichten in diesem Gebiet glänzend. Gebärdensprachdolmetscher werden im wahrsten Sinne des Wortes händeringend gesucht.

Ein Vorstoß in die Richtung, die Gebärdensprache als Sprache im Alltag weiter zu verbreiten, ist Ende Februar nach einem Antrag von CDU und Grünen im Landtag für hessische Schulen beschlossen worden. So soll künftig die Gebärdensprache als Wahlfach an allen allgemeinbildenden Schulen möglich sein und das unabhängig davon, ob hörgeschädigte Kinder und Jugendliche in den Klassen sind oder nicht. Die Gebärdensprache ist eine Fremdsprache, wie Spanisch oder Englisch und muss auch genau so aufwändig erlernt werden.

"Im Prinzip" eine gute Sache, findet die Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Hessen, Edith Krippner-Grimme. "Aber die Frage ist doch: Haben wir genügend Experten oder Lehrer, die diese Sprache unterrichten können? Ich glaube nicht".

Gebärdensprachdolmetscher dringend gesucht

Inklumoji Aktion Mensch
Die "Aktion Mensch" hat eine App mit "Inklumojis" entwickelt. Dieses hier bedeutet "Danke". Bild © Aktion Mensch

Die Einschätzung des Lehrerverbandes teilt auch der Landesverband Gehörlose in Hessen e.V., der die Einführung des Wahlfaches ausdrücklich begrüßt. "Das ist eine Aufwertung der Gebärdensprache", erklärt Geschäftsführer Stefan Keller. Grundsätzlich gebe es viel zu wenige Gebärdendolmetscher. Betroffene müssten oft acht Wochen oder länger auf einen Termin warten, es fehle "in allen Bereichen". Keller hofft, dass man durch die Anerkennung als Wahlfach schon in der Schule auf diese interessante Berufsgruppe aufmerksam machen könne.

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Gebärdensprache

Die Gebärdensprache ist eine sehr dynamische Sprache und macht zur Zeit rasante Sprünge, was die Wortschatzerweiterung betrifft. Neu sind derzeit etwa Gebärden für Trump, Brexit oder Schulz. Jedes Land hat seine eigenen Gebärden, es gibt aber auch eine universale Gebärdensprache, die "International Sign". Hinzu kommen Dialekte, Jugendsprache, Fachsprache und Slang. Der Einstieg in die Sprache ist das Fingeralphabet. Danach werden die Gebärden erlernt. Sogar Musik kann übersetzt werden. (Multimedia-Reprtage)

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Die Einsatzmöglichkeiten für Gebärdensprachdolmetscher sind vielfältig: Arbeitsplatz, Arztbesuche, Behördengänge, Kundengespräche, Konferenzen, Seminare – überall wo Gehörlose auf Hörende stoßen, ist Bedarf. Auch im Businessbereich ergeben sich immer mehr Möglichkeiten. "Das ist ein Beruf mit guten Verdienstmöglichkeiten" , meint Keller.

"Sprachpraxis ist ganz wichtig"

Wer den Beruf ergreifen möchte, muss mit einer Ausbildungszeit von gut drei Jahren rechnen – egal, ob ein Studium gewählt wird oder ob man es als Quereinsteiger versuchen möchte. Studieren kann man in Magdeburg, Hamburg, Köln, Zwickau und Landhut. Für Quereinsteiger gilt: Zunächst muss die Gebärdensprache erlernt werden. Das kann man etwa an der Volkshochschule oder beim Landesverband der Gehörlosen in Hessen in Frankfurt machen. "Anfängerkurs, Fortgeschrittene – es ist wie bei jeder anderen Sprache auch. Und natürlich ist Sprachpraxis ganz wichtig", sagt Dolmetscherin Elfferding.

Ausbildung auch berufsbegleitend möglich

Fühlt man sich sicher genug, kann man sich für eine Dolmetscherausbildung bewerben. Berufsbegleitend als Ausbildung oder als Masterstudiengang bietet das in Hessen nur die Hochschule Fresenius (Studiengebühren: zirka 345 Euro im Monat) an. Am Ende steht die staatliche Prüfung zum Dolmetscher für Deutsche Gebärdensprache (DGS), die beim Land Hessen abgelegt wird.

Egal ob Volkshochschule oder Studium: Für Keller ist jeder Versuch willkommen, sich der Sprache zu nähern. "Je mehr Menschen über die Gebärdensprache sensibilisiert sind, um so mehr wird uns Menschen mit Hörbehinderung der Zugang zu der Mehrheitsgesellschaft erleichtert", meint er.

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Laura Schwengber

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Am Tisch mit Laura M. Schwengber, "Musikgebärderin"

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