Drohne Sujet
Drohnen müssen Abstand zu Flughäfen halten - laut Deutscher Flugsicherung häufen sich die Fälle, in denen das nicht beachtet wird. Bild © picture-alliance/dpa

Drohnen bis zu 1.500 Meter hoch, mitten in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens: 2015 ist das gleich mehrfach passiert. Die Flugsicherung warnt. Die Lufthansa stellt Forderungen.

Juli 2015: Im Luftraum über Warschau kollidieren beinahe eine Lufthansa-Maschine und eine Drohne. Während des Landeanflugs sieht der Pilot das Flugobjekt in einer Höhe von etwa 760 Metern – gerade mal rund 100 Meter von der Lufthansa-Maschine entfernt. Die Maschine konnte sicher landen, die Situation war aber brenzlig. So krasse Fälle gab es seither nicht mehr, wie Lufthansa-Sprecherin Mirjam Eberts hessenschau.de sagt.

Drohnen in 1.500 Metern Höhe

Allerdings warnt die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen: Im vergangenen Jahr habe man eine deutliche Zunahme der Zwischenfälle mit Drohnen in den absoluten Flugverbotszonen rings um Flughäfen beobachtet. Zehn derartige Fälle hat es laut DFS bundesweit gegeben. In einigen Fällen seien die Drohnen sogar in die Einflugschneisen der Flughäfen eingedrungen.

Am Frankfurter Flughafen gab es laut DFS 2015 drei Zwischenfälle mit Drohnen. Auch hier seien im hochsensiblen An- und Abflugbereich Drohnen registriert worden – in einer Höhe von bis zu 5.000 Fuß, etwa 1.500 Metern. "Wir sind selber überrascht, wie hoch die Drohnen fliegen können", sagt DFS-Sprecherin Ute Otterbein.

Neues Phänomen am Himmel

Wer mit einer Drohne in die Kontrollzone um Flughäfen eindringt, kann sich strafbar machen. "Das stellt den Straftatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr dar", so Otterbein. Im Jahr 2014 habe es keinen einzigen derartigen Fall gegeben. "Das scheint ein neues Phänomen zu sein, das wir sehr kritisch sehen."

Grundsätzlich gilt, dass in einer Sicherheitszone von 1,5 Kilometern rund um den Frankfurter Flughafen Drohnen grundsätzlich verboten sind. In der sogenannten Kontrollzone gelten zahlreiche Auflagen für den Drohnen-Betrieb. Die Regeln hat die DFS auf ihrer Webseite zusammengefasst.

Grafik Kontrollzone Flughafen Frankfurt
Die Kontrollzone um den Frankfurter Flughafen: Hier gelten strenge Auflagen der Deutschen Flugsicherung für Drohnen. Bild © hessenschau.de/DFS

Die DFS vermutet, dass hinter den Drohnen-Zwischenfällen Privatleute stecken, die sich schlicht nicht richtig über den korrekten Einsatz der Mini-Flieger mit integrierter Kamera informieren. Im Gegensatz zu den seit Jahren wiederkehrenden Laser-Angriffen auf Piloten im Anflug, die laut DFS vermutlich von Menschen verübt werden, die sehr wohl den Luftverkehr stören wollen, stecke vermutlich meist Unwissen hinter den Drohnen-Pannen.

Nach DFS-Angaben sind Blend-Attacken auf Flugzeuge und Helikopter sogar leicht rückläufig - wenngleich sich die Zahlen auf einem ganz anderen Niveau bewegen. Im vergangenen Jahr hätten rund 500 Mal Unbekannte Piloten mit Laser-Pointern geblendet. 2012 waren es noch 720 Laser-Angriffe.

Drohnen-Markt boomt

Die Zwischenfälle mit Drohnen häufen sich auch, weil immer mehr der kleinen Fluggeräte samt Kamera im Besitz von Privatleuten sind. Drohnen sind inzwischen als Massenware günstig in Elektronikmärkten zu kaufen. Der Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT) schätzt, dass 2015 bis zu 300.000 Drohnen in Deutschland verkauft wurden. Vor einigen Jahren haben überwiegend nur Profi-Kameraleute und Modellflugfans Drohnen genutzt.

Nummernschild für Drohnen gefordert

Die Lufthansa kritisiert die gesetzlichen Grundlagen für die private Nutzung von Drohnen. Es müsse ein am tatsächlichen Risiko ausgerichtetes Regelwerk geben. "Je risikoreicher, desto strenger sollten die Regeln sein", sagt Lufthansa-Sprecherin Eberts und verweist auf ein neues Gesetz in den USA.

Seit diesem Jahr müssen Drohnen in den USA vor ihrer Nutzung bei der Flugaufsicht FAA registiert werden - und bekommen dann ein Nummernschild verpasst. Der Flugbetrieb von Drohnen hat dort in den vergangenen Jahren massiv zugenommen - und mit ihm Berichte über Unfälle von Drohnen mit Fußgängern und Autos. Allein an Weihnachten wurden nach einer Schätzung der FAA rund eine Million Drohnen verschenkt.

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