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Tunnelarbeiter freuen sich über den Durchbruch. Bild © picture-alliance/dpa

Meilenstein beim Bau von Hessens längstem Straßentunnel auf der A44 in Nordhessen: Mehr als zwei Jahre nach dem Beginn der Arbeiten sind am Freitag die Bagger zum Durchbruch unter der Erde im Tunnel Hirschhagen aufeinandergetroffen.

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Gut 4,2 Kilometer lang und 250 Millionen Euro teuer: Der Tunnel Hirschhagen an der A44, der längste Autobahntunnel Hessens, ist nach zweieinhalb Jahren Bauzeit durchstochen worden. Unter der Erde trafen am Freitag die Bagger in den beiden Röhren aufeinander, um sie miteinander zu verbinden. Tunnelpatin Isolde Posch, Frau des früheren hessischen Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP), nahm den Durchstich - auf dem Schoß eines Baggerführers sitzend - persönlich vor.

Dafür wurden seit dem Sommer 2013 mehr als 1,25 Millionen Kubikmeter Fels aus dem Weg geräumt. Als "Bauwerk der Superlative für Nordhessen" bezeichnete der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, das Projekt. Mit dem Durchschlag zwischen Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner) und Helsa (Kassel) sei ein Meilenstein bei der Fertigstellung der viel befahrenen West-Ost-Route, der A44, geschafft.

Schulterschluss unter Tage

Staubig und zugig wurde es, als der Bagger von der Südseite des Tunnels etwa 2,5 Kilometer im Berginneren den Fels durchbohrte. In wenigen Minuten schaufelte er ein mehrere Meter großes Loch und damit den Blick in den entgegenkommenden Tunnel frei. "Wir sind hier tief eingefahren im Berg", kommentierte Ferdinand Weber von Hessen Mobil.

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"Im Durchschnitt haben die Arbeiter dem Berg jeden Tag 4,20 Meter abgetrotzt", sagte der Geschäftsführer der Baufirma Baresel, Claude-Patrick Jeutter. "Es liegen aber noch Monate harter Arbeit vor uns." Freitag konnten die Mineure unter lautem Jubel ihren Kollegen auf der anderen Stollenseite erstmals die Hand reichen. Der Tunnelrohbau soll Ende 2018 fertig gestellt sein.

Ende 2019 rollt der Verkehr

Die Freigabe für den Straßenverkehr des teuersten Teilstücks der A44 zwischen Kassel und Eisenach ist für Ende 2019 geplant. "Die Belastung der Bundesstraße B7 wird, wenn die A44 fertig gestellt ist, von prognostizierten 17.000 Fahrzeugen am Tag auf 2.000 sinken", kündigte Bombe die Entlastung für Anwohner und Natur an.

Insgesamt sind derzeit von zwölf Abschnitten der A44 zwischen Kassel und Herleshausen an der Grenze zu Thüringen zwei fertiggestellt und fünf im Bau. Die hohen Umweltschutzbestimmungen mit Tunneln, Wildbrücken und Tierschutzzäunen machen die A44 wohl zu einer der teuersten Autobahn der Welt. Die Kosten für das gesamte Projekt mit Tunneln und großen Talbrücken beziffert Hessen Mobil derzeit auf rund 1,8 Milliarden Euro. Wann die Autobahn durchgehend befahrbar sein wird, ist laut Hessen Mobil nicht absehbar.

Kritik an "Verschandelung des Tals"

Der Tunnel Hirschhagen verfügt dann über zwei Röhren mit je zwei Fahrstreifen. "Im Tunnel sind 14 Nothaltebuchten sowie sieben befahrbare und acht begehbare Querverbindungen als Flucht- und Rettungswege zwischen den Röhren geplant", erläuterte Horst Sinemus, Sprecher von Hessen Mobil, das Sicherheitskonzept.

Kritik an dem Vorhaben äußerte die nach eigenen Angaben 600 Mitglieder starke Bürgerinitiative Pro A44 in Kaufungen. "Es ist eine Schande, dass der größte Tunnel des Landes in Tallage gebaut wurde", kommentierte Wolfram Glaß, Vorstand von Pro A44, das Bauprojekt. Glaß sprach von einer "Verschandelung des Tals". Er kündigte für die nächsten Monate neue Gutachten an, um den geplanten Streckenverlauf der viel befahrenen Autobahn noch zu verändern.

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