Vorfeld des Frankfurter Flughafens
Am Boden stauten sich die Flieger Bild © picture-alliance/dpa

Für 7.000 Passagiere am Frankfurter Flughafen fielen nach einem Unwetter am Freitagabend wegen des Nachtflugverbots Flüge aus. Nun fordert Flughafenbetreiber Fraport großzügigere Ausnahmen bei Unwettern. Das hessische Verkehrsministerium erteilte dem Wunsch eine Absage.

Am Freitagabend konnten am Frankfurter Flughafen wegen eines Unwetters mit starkem Regen viele Flugzeuge bis zu Beginn des regulären Nachtflugverbots um 23 Uhr nicht starten. Deshalb hatte die Flugaufsicht 76 Ausnahmestarts genehmigt. Solche Ausnahmeregelungen gelten laut dem Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Flughafens bis maximal 24 Uhr. Doch auch nach Mitternacht waren nicht alle abgefertigten Flugzeuge gestartet.

Nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport mussten 25 Maschinen - darunter auch zahlreiche Langstreckenflüge - mit insgesamt 7.000 Passagieren wieder zurück auf die Position. Dort seien die Fluggäste dann "unter teils heftiger Kritik und großen Widerstand" ausgestiegen. Viele hundert Passagiere mussten demnach die Nacht auf Feldbetten oder Sitzbänken am Flughafen verbringen.

Massive Kritik vom Fraport-Vorstand

Am Sonntag reagierte der Fraport-Vorstand mit massiver Kritik an den Nachflugregelungen in Ausnahmesituationen und nannte das Vorgehen am Freitagabend unverhältnismäßig. Mit Blick auf die betroffenen Fluggäste teilte Anke Giesen, Vorstand Operations der Fraport, mit: "Wir können die Kritik und den Unmut verstehen und fordern im Sinne unserer Gäste eine modifizierte Handhabung der Nachtflugregeln in solchen Ausnahmesituationen."

Unter Zuständen wie diesen leide nicht nur die Reputation des Flughafens. "Auch unser Ruf als gastfreundliches Land wird beschädigt und wenn das häufiger passiert, werden Reisende künftig Frankfurt meiden", sagte Giesen.

"30 Minuten mehr hätten geholfen"

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Nachtflugverbot

Am Frankfurter Flughafen sind wegen des Nachtflugverbots in der Zeit zwischen 23 und 5 Uhr keine planmäßigen Starts und Landungen erlaubt. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Flugzeuge aber auch zwischen 23 und 24 Uhr starten. Die Genehmigung wird im Einzelfall dann erteilt, wenn die Verspätung auf Umstände zurückgeht, die die Airlines nicht beeinflussen können - etwa Unwetter. Verspätete Landungen sind erlaubt, wenn die Landung zwischen 22 und 23 Uhr geplant war und sich die Verspätung nicht schon aus der Flugplangestaltung ergab.

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"Eine modifizierte Nachtflughandhabung mit nur 30 Minuten verlängerten Startgenehmigungen hätte in so einem Ausnahmefall schon geholfen", kritisierte Giesen und forderte damit Ausnahmeregelungen bis mindestens 0.30 Uhr statt nur bis Mitternacht. Unter den gestrandeten Fluggässten seien viele Familien mit kleinen Kindern gewesen, die unter nicht einfachen Verhältnissen die Nacht in den Terminals verbringen mussten. Internationale Gäste hätten mit Kopfschütteln und teils harter Kritik "an dieser im internationalen Vergleich schlechten Behandlung" reagiert.

Giesen forderte die Landesregierung auf, "in einen konstruktiven Diskurs über Lösungsmöglichkeiten für eine moderate Handhabung der Nachflugregeln in Frankfurt mit uns einzutreten".

Verkehrsministerium hält Kritik für "unangemessen"

Das von Tarek Al-Wazir (Grüne) geführte Verkehrs- und Wirtschaftsministerium wies die Fraport-Kritik am Sonntag zurück und spielte den Ball zurück. Trotz vorliegender Genehmigungen sei es dem Flughafenbetreiber "leider" nicht mehr gelungen, sämtliche Flugzeuge vor der 24-Uhr-Grenze in die Luft zu bringen. Verspätete Starts danach sehe der Planfeststellungsbeschluss aber nicht vor, teilte Staatssekretär Mathias Samson mit.

"Die Regelungen in der Betriebsgenehmigung des Frankfurter Flughafens sind an dieser Stelle eindeutig und lassen keinen Spielraum für Abwägungen", sagte Samson. Die Beachtung geltenden Rechts als Unflexibilität zu bezeichnen sei unangemessen und werde deshalb in aller Form zurückgewiesen. Allerdings sei das Ministerium gerne bereit, gemeinsam mit allen Beteiligten zu erörtern, "ob es noch Möglichkeiten gibt, die operativen Betriebsabläufe in einer solchen Nacht zu optimieren, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten".

Fraport-Vorstandsmitglied Giesen hatte sich erst Anfang Juli kritisch zur Flughafen-Politik der schwarz-grünen Landesregierung geäußert. Zu Plänen für eine Lärmobergrenze sagte sie, dass man Abstriche bei der Kapazität nicht hinnehmen wolle. Mit dem Nachtflugverbot gebe es ohnehin schon sehr starke Einschränkungen.

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134 Kommentare

  • Reisen birgt Risiken.
    Das Risiko müssen die Reisenden und gegebenenfalls deren Reisegesellschaft alleine tragen.

    Die Vergabe von wetterbedingeten Ausnahmegenehmigungen ist ein absolutes Unding.

    Hebt man im Straßenverkehr die Tempo-80 Geschwindigkeitsbegrenzungen auf, wenn aufgrund von unvorhergesehene Ereignisse die Autofahrer deshalb verspätet werden?

    Versuchen Sie mal einem Polizisten zu erklären, dass Sie aufgrund eines Gewitters ein Umweg fahren mussten, und sie deshalb von den Lärmschutzeinschränkungen im Straßenverkehr befreit sein müssen...

  • Das Nachtflugverbot kennt genügend Ausnahmen und war nach zähen Verhandlungen ein Ergebnis der Mediation, ohne welches es gar keinen Ausbau gegeben hätte. Jetzt so lange zu nörgeln, bis es FRAPORT recht gemacht wird, ist eine Verhöhnung der legitimen Anwohner-Interessen. Es ist außerdem geltendes Recht! Das fällt einigen offenbar schwer zu akzeptieren.
    Zudem gibt es häufig genug Ausnahmen nach 23 Uhr - und wenn kein Gewitter war, dann kommen die Kalibrierungsflüge. Das schreibt jemand, der seit über 45 Jahren in Flörsheim lebt und weiter hier leben will.
    Alle diejenigen, die hier für eine Aufweichung des Nachtflugverbots argumentieren, sägen über kurz oder lang am Ast ihrer eigenen Gesundheit.... Aber was zählt das schon - wenn die Wirtschaft brummt? - "Hoch lebe die heilige Kuh" (Sarkasmus aus)

  • Wer einmal gesehen hat wie diese Menschen leiden und tagelang im Transit eingesperrt sind mit Kindern der würde verstehen dass eine Ausnahme sehr wohl mal sein muss!! Nachtruhe in allen Ehren aber auch diese Menschen haben ein Recht auf Würde !! Unbegreiflich wie Menschen fern ab des Geschehens Entscheidungen treffen und auch noch gut heißen ...

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